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20. Januar 2012
Schnitzeljagd und Schatzsuche
Das Bollschweiler Ehepaar Degenhardt informiert in einer Ausstellung über Geocaching.
BOLLSCHWEIL. Geocaching, die moderne Art der Schnitzeljagd, ist das Thema der neuen Ausstellung in der Bollschweiler Reihe "Was mich bewegt". Die Bollschweiler Marion und Detlev Degenhardt erklären im alten Rathaus, was Geocaching ist und was sie an diesem ungewöhnlichen Hobby fasziniert.
Liebevoll bedeckt der Familienvater die Schatzkiste mit Laub und vergewissert sich noch einmal, dass alle Hinweise auch an der richtigen Stelle sind – schließlich soll bei der versprochenen Schnitzeljagd für den Kindergeburtstag nichts schief gehen. Diese Szene könnte nun der Vergangenheit angehören: Mit immer genaueren Positionsbestimmungen durch GPS-Systeme und deren Integration in moderne Smartphones braucht es keine Wegweiser an Bäumen und Sträuchern mehr. Die moderne Schatzsuche, das "Geocaching", hat sich zu einer Trendsportart in Deutschland entwickelt. Alles, was man dafür neben dem GPS-Gerät benötigt, ist eine kostenlose und unverbindliche Registrierung im Internet.
Es geht es darum, mit Hilfe im Internet veröffentlichter geographischer Koordinaten sogenannte "Caches" oder geheime Lager ausfindig zu machen, die meist in Form von wasserdichten Behältern versteckt werden. Darin befindet sich dann neben kleinen Tauschgegenständen ein Logbuch, in dem der Geocacher seine erfolgreiche Suche dokumentiert.
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Man unterscheidet zwischen verschiedenen Typen von Caches: Bei der traditionellen Variante kann der Finder die Koordinaten direkt der Beschreibung entnehmen, beim "Mystery-Cache" müssen zunächst Rätsel gelöst werden, um jene Orientierungspunkte zu erhalten. Auch eine sehr beliebte Variante ist der sogenannte "Multi": Ähnlich wie bei der Schnitzeljagd gilt es hier, mehrere Stationen abzuklappern, ehe man sich letztendlich im Logbuch verewigen kann.
Angefangen hat für Detlev Degenhardt alles im Jahre 2009, als sich der leidenschaftliche Mountainbiker zum Kauf eines GPS-Gerätes entschloss, um im Gelände besser zu Recht zu kommen. "Einige unserer Freunde haben uns auf das Geocaching darauf aufmerksam gemacht und da wollten wir es natürlich auch einmal selbst ausprobieren", erzählt der 55-jährige Bollschweiler. In den knapp drei Jahren hat das Paar mittlerweile schon über 1300 Schätze gefunden – hat aber noch lange nicht genug davon. "Beim Cachen geht es um mehr, als nur das bloße Suchen nach dem Schatz. Ich habe auf diese Art beispielsweise den Schwarzwald erst richtig kennengelernt."
Auch in den Fjorden Norwegens waren die beiden schon auf Schatzsuche. Das Faszinierende an der Sache sei, dass die Caches immer von Menschen von vor Ort gelegt werde und diese natürlich besonders idyllische Orte für ihre Schätze kennen. "Da kann man sich den Fremdenführer sparen", schmunzelt die 48-jährige Marion Degenhardt.
Detlev Degenhardt hat den Ehrgeiz, auch schwierige Schätze zu finden und zu heben. Besondere Herausforderungen können dabei die Entfernungen der Stationen oder die Begehbarkeit des Geländes sein. "Als ich vor kurzem einen Cache aus der Dreisam gefischt habe, hat mich das schon besonders gefreut", erzählt er.
Aber natürlich gehen mit den immer extremeren Varianten auch gewisse Risiken einher. So müsse der Naturschutz von oberster Priorität sein; Wild kann aufgescheucht oder Fauna zerstört werden. Und in Wiesbaden wurde wegen "unbekannter Vorrichtungen" an Straßenlaternen schon mal Bombenalarm ausgelöst – dabei handelte es sich um Caches. "Es ist verständlich, dass es für Außenstehende etwas komisch wirkt, wenn da zwei Leute hinter einem Mülleimer eine Kiste hervorholen", bekennt Marion Degenhardt.
Doch mit über 1,6 Millionen Schätzen weltweit und einer stetig wachsenden Fangemeinde werden auch weiterhin neue Abenteurer und Naturliebhaber dem Zauber des Geocachings erliegen – darin besteht für die Degenhardts gar kein Zweifel.
Autor: Felix Jehle


