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02. Januar 2012

Über dem Stall jubilieren die Engel

BZ-SERIE KRIPPENZEIT: Die Figuren in der St. Ulricher Krippe stammen aus Oberammergau / Den Stallt baute Mesner Karle.

  1. Die Krippe in der Pfarrkirche Peter und Paul in St. Ulrich: Den Stallt hat Mesner Wolfgang Karle gebaut. Foto: anne freyer

  2. Eine Besonderheit: die Gloriole über der Krippe Foto: Anne Freyer

BREISGAU. Egal wie unterschiedlich sie auch sind – Jesuskind, Maria, Josef, Ochs und Esel gehören zu jeder Krippe. In der Serie "Weihnachtszeit – Krippenzeit" stellt die Breisgau-Redaktion Krippen in Kirchen und Wohnzimmern im Freiburger Umland ebenso vor, wie Leute, die sich dem Krippenbau verschrieben haben. Heute: die Krippe der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Bollschweil-St. Ulrich.

Der St. Ulricher Mesner Wolfgang Karle weiß noch genau, wie die Weihnachtskrippe in die Pfarrkirche St. Peter und Paul kam. Es war 1948, also drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, und er selbst ein Bub von zehn Jahren und Ministrant. Zu jener Zeit war auch auf dem Land das Leben bescheiden, aber die Verhältnisse hatten sich doch so weit normalisiert, dass an die Neuanschaffung einer Weihnachtskrippe gedacht werden konnte. Ein besonders schönes Exemplar sollte es für St. Ulrich sein, und die schönsten Krippen wurden damals in Oberammergau hergestellt. So kam St. Ulrich zu einer alpenländischen Krippe, denn der damalige Pfarrer Perrot wusste davon und konnte die Gemeinde für seine Idee, eine Krippe aus Oberbayern kommen zu lassen, begeistern.

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Wolfgang Kenk kennt "seine" Krippe in- und auswendig. Er übernahm schon als Jugendlicher den alljährlichen Aufbau, in diesem Jahr zum 58. Mal. So weiß er, dass die Körper der Figuren – Maria und Josef, die Hirten und die Könige – dank einer stoffumhüllten Drahtkonstruktion beweglich sind – lediglich Kopf, Hände und Füße sind aus Holz gefertigt. "Die Oberammergauer Kunsthandwerker gehörten zu den wenigen, die ihre Figuren mit richtigen Kleidern ausstatteten. Das verleiht ihnen eine zusätzliche Natürlichkeit", findet der Mesner, und damit hat er wohl recht. Hinzu kommt die Haltung, die er wegen der Biegsamkeit der Körper nach Belieben verändern kann; wenn er wollte, könnten sie auch aufrecht stehen. Die Figuren haben sich in diesen mehr als 60 Jahren gut gehalten und mussten weder repariert noch aufgefrischt werden, im Gegensatz zum Stall, der sich im Jahr 2000 als so morsch und wurmzerfressen erwies, dass sich Kenk daran machte, ihn zu ersetzen. Dabei ging Wolfgang Kenk sehr sorgfältig vor: Im Wald suchte und fand er Holz von verkümmerten und daher besonders fein strukturierten Fichten. Erst nach rund zweijähriger Trockenzeit ging er an die Verarbeitung. Die typisch alpenländische Bedachung mit Latten und Steinen ersetzte er durch ein Schindeldach, das er von einem Berufsschindelmacher aus der Verwandtschaft bekam. Und bei der Gelegenheit konnte er den Raum auch noch ein wenig vergrößern, damit die schon vorhandenen Schafe zusammen mit den neu angeschafften Tieren, einem Ochs und einem Esel, mehr Platz hatten.

Unverändert und lieblich wie eh und je liegt das Jesuskind in seiner Futterkrippe. Was die St. Ulricher Krippe ziemlich einzigartig macht, ist der Engelschor, der darüber zu schweben scheint. Sechs bekleidete Engel und vier Putten bilden einen inbrünstig singenden und musizierenden Jubelchor, von hinten von einem großen Strahlenkranz erleuchtet, und, wie ein Spruchband verrät, nach dem Motto "Gloria in Exelsis Deo".

Wolfgang Kenk baut die Krippe nicht mehr allein auf, er hat in Simon Karle einen tatkräftigen Helfer gefunden, der ihm zusammen mit anderen aus der Gemeinde auch beim Aufstellen der vier stattlichen Christbäume in der Kirche zur Hand geht. Dafür ist Wolfgang Kenk ihm und seinen Mitstreitern sehr dankbar.

Autor: Anne Freyer