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25. November 2014

Über geografische und stilistische Grenzen hinweg

Die Trachtenkapelle Bollschweil überzeugt mit der Auswahl der Stücke, solistischen Einlagen und ihrer Schlagzeugergruppe.

  1. Die Geehrten der Trachtenkapelle: Eva-Maria Ruf, Berthold Schweizer und Christine Schweizer (linkes Bild von links) – und Eva-Maria Ruf während des Konzerts bei ihrem Flötensolo. Foto: Anne Freyer

  2. Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL. Nach einem ereignisreichen Jubiläumsjahr hat sich die Trachtenkapelle Bollschweil mit frischen Kräften ans Werk gemacht. Mit ihrem Jahreskonzert wurde sie jetzt nicht nur den hochgesteckten Erwartungen gerecht – sie übertraf sie sogar mit glänzend umgesetzten anspruchsvollen Neueinstudierungen. Der Qualität verpflichtet zeigten sich Carl-Philipp Rombach und sein Ensemble bei der Auswahl der Stücke. Dabei überschritten sie noch entschiedener als bisher geografische und stilistische Grenzen – mit durchweg hohen bis höchsten Ansprüchen genügenden Kompositionen für sinfonische Blasorchester.

Zuvor aber demonstrierte die Jugendkapelle Bollschweil, dass man sich beim Musikverein intensiv um den Nachwuchs kümmert. Eine fröhliche Schar musikbegeisterter Kinder folgten willig dem Dirigat der 17-jährigen Eva-Maria Ruf, die damit ihren ersten Auftritt in dieser Funktion hatte. Mit ihren Schützlingen hatte sie aus dem Notenbuch "Filmfavorites" zwei Stücke vorbereitet, die offensichtlich ganz dem Geschmack der Jugend entsprachen: "Procession of he Centurions", eine vielgespielte Huldigung an "die tapferen römischen Soldaten", und die ersten Takte zu dem Film "Pirates oft the Caribbean" (Fluch der Karibik).

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Was Richard Strauss zu dem berühmten Nietzsche-Titel "Also sprach Zarathustra" eingefallen war und mittlerweile als pathetische Fanfare für viele Gelegenheiten weltumspannend intoniert wird, bildete den würdigen Auftakt zum Jahreskonzert. Als reizvollen Kontrast dazu gab es das musikalische Drei-Gänge-Menü, das sich der Engländer Derek Bourgeois als Huldigung an die französische Küche ausgedacht hat: das "Menu gastronomique". Der Komponist hat hier eine Speisenfolge in Musik umgesetzt, die das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt – mit "Coquilles Saint Jacques (Jakobsmuscheln)", "Coq au vin (Hahn in Weinsauce)" und als Nachtisch "Crème brulée". Orchester und Publikum hatten gleichermaßen ihren Spaß daran. Bereits hier fielen einige solistische Einlagen und die durch zwei St. Ulricher Rhythmusspezialisten verstärkte Schlagzeugergruppe angenehm auf.

Einen wahren Begeisterungssturm löste die Umsetzung des Flötenkonzerts von Cecile Chaminade durch Eva-Maria Ruf als Solistin hervor. Die umsichtige Moderation (Dagmar Riesterer und Patrizia Schneider) erläuterte die Umstände der Erstehung dieses Werks. Danach hat die Komponistin einem widerspenstigen Schüler eine Lehre erteilen wollen mit schwierigen, ja als unspielbar geltenden Läufen, Tonart- und Rhythmuswechseln; Eva-Maria Ruf meisterte diese Herausforderung aber souverän und mit staunenswerter Könnerschaft. Selbst ihre Ensemblekollegen spendeten ihr nach dieser Glanzleistung Beifall, der Saal sowieso.

Das passte zu der Auszeichnung, die Hellmut Blaudzun, stellvertretender Präsident des Markgräfler Musikverbandes, für Ruf mitgebracht hatte: das goldene Leistungsabzeichen für das hervorragende Abschneiden der Flötistin bei der Prüfung. Dem schloss sich Hanspeter Moll für den Musikverein an, der weitere Ehrungen vornehmen konnte: Urkunde und Nadel überreichte er Berthold Schweizer für 40 Jahre und Christine Schweizer für zehn Jahre in der Trachtenkapelle.

Nach Amerika und zu Mark Twain ging es mit der munteren "Huckleberry Finn Suite" von Francesco Cesarini im traditionellen frech-spritzigen Südstaatenstil im Wechsel mit getragenen Passagen. Ganz groß raus kamen dann mit dem Werk "Jungle" von Thomas Doss noch einmal die Rhythmiker, im Programm schlicht als "Schlagzeuger" genannt, eine etwas unzureichende Bezeichnung für ihr umsichtiges Wirken an Trommeln, Vibraphon, Xylophon und anderen Instrumenten.

Zum guten Klang trugen auch Gäste bei, unter ihnen Kontrabassistin Christine Otto, die zurzeit die Bongo-Gruppe an der Bollschweiler Schule leitet. Je ein Auszug aus dem Musical "Elisabeth" und aus der Musik für die Indiana-Jones-Filme schlossen das Programm ab, womit aber noch nicht Schluss war für die dankenswerterweise einzeln mit ihren Instrumenten aufgeführten Musikerinnen und Musiker – die stürmisch geforderten Zugaben spielten sie gerne.

Autor: Anne Freyer