Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

26. April 2010

Viel Applaus für zwei Kapellen in Höchstform

Frühjahrskonzert der Trachtenkapelle St. Ulrich / Zu Gast war der Musikverein Ebringen / Leistungsabzeichen für den Nachwuchs.

  1. Karin Horst (rechts) zeichnete den Nachwuchs der Trachtenkapelle aus: Mit dem Leistungsabzeichen in Silber Theresia Lutz und Sarah Sonner und in Gold die Geschwister Sophie und Simon Karle (von links). Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL (fry). Ihren Gästen den Vortritt ließ die Trachtenkapelle St. Ulrich beim Frühjahrskonzert. Der Musikverein Ebringen bestritt den gesamten ersten Teil des Konzerts in der Möhlinhalle. Beide Kapellen präsentierten sich in Höchstform; ein frühlingshaft gestimmtes Publikum dankte es ihnen mit viel Applaus.

Als sehr vielseitig erwiesen sich die Ebringer bei der Zusammenstellung ihrer Stücke und in der Bewältigung der teils komplizierten Ton- und Rhythmusfolgen. Philip Steffe, seit rund zwei Jahren Dirigent in Ebringen, hatte mit seinen Musikern eine Auswahl verschiedener europäischer Stilrichtungen getroffen, die für jeden Geschmack etwas bereit hielt: Nach der schwungvollen Eröffnung mit der "Fanfare Esprit" von Douglas Court, einem Vertreter der jüngeren Generation von Blasmusikkomponisten, wandte sich das Ensemble einem Spanier und seiner "Toyland Suite", zu, die zwar recht international daherkam, aber in einigen Passagen doch aus dem reichen Repertoire der spanischen Musikliteratur schöpfte, so im zweiten Satz mit dem Titel "Das Puppenhaus", der mit seinem Fünfvierteltakt zu einem ungewohnten Hörerlebnis verhalf.

Werbung


In dem Satz "Der Zug" kam die gute alte Dampflok zu Ehren, samt Schnaufen an den Steigungen und flottem Tempo bergab und Signalen, die man nur noch aus alten Filmen kennt – die Ebringer hatten alles an Rhythmusinstrumenten und -geräten dabei, was sie dafür brauchten.

Im zackigen Marschschritt, was sonst, kam hingegen ein Zinnsoldat des Wegs, begleitet von vielen Trommeln und hellen Flötentönen. Schottisch ist zwar der Titel, deutsch aber die Urheberschaft des Stücks "Highland Cathedral". Die beiden deutschen Komponisten Michael Korb und Uli Roever schufen diesen Bolero 1982, der seitdem einen wahren Siegeszug angetreten hat, wie die Moderation kenntnisreich mitteilte, bis hin zu Filmmusiken und Karnevalsliedern. Das Werk kommt ganz ohne Dudelsack aus, bietet aber viel Raum für die Flöten, die bei den Ebringern in großer Zahl vorhanden sind.

Die Liebe des Ensembles und seines Dirigenten zum Vereinigten Königreich wurde dann endgültig offenbar mit "The Camelot Chronicles" von Philip Sparke, dessen fünf Sätze die glorreiche Tafelrunde des König Artus und seiner Ritter zum Inhalt haben: Merlin den Zauberer, Lancelot und all die anderen. Die fünf Sätze gehen fließend ineinander über und sind so recht dazu geeignet, sich aus der nüchternen Gegenwart in eine als "gute alte Zeit" verklärte Vergangenheit zurückzuträumen.

Was bei den Ebringern die Flöten, sind bei den St. Ulrichern die Klarinetten; sie nahmen auch diesmal die erste Reihe ein und glänzten immer mal wieder mit Soli. Als Auftakt machte Michael Stecher mit seinem hochmotivierten Ensemble deutlich, wo der Ursprung der Eurovisions-Erkennungsmelodie zu suchen ist: beim Barock-Komponisten Marc-Antoine Charpentier. Das in der Moderation gegebene Versprechen, diesmal keine Geschichten erzählen zu wollen, sondern Musik um ihrer selbst willen hörbar zu machen, wurde im folgenden bestens eingelöst. Einmal mehr gelang es Michael Stecher, seine hohe Musikalität auf die Kapelle zu übertragen; unter seinen Händen blühten die Töne und Tonfolgen geradezu auf.

Konzentriert und dabei völlig unverkrampft folgten die Musiker seinen Anweisungen und hielten stets Kontakt mit ihrem Dirigenten. Auch die Auswahl des Programms trug zu einem Musikerlebnis auf hohem Niveau bei: zunächst die "First Suite in Es" von Gustav Holst mit ihren Sätzen Charconne, Intermezzo und March. Ob staccato oder legato, ob piano oder forte – die Umsetzung seiner Klangbilder hätte auch den Komponisten entzückt. Gleiches gilt für die "Ouverture Jubiloso". Mit Franck Ericksons "A Percy Grainger Suite" gelang der St. Ulricher Trachtenkapelle eine mehr als würdige Hommage an das reiche musikalische Erbe Irlands. Die heimliche irische Nationalhymne "Country Derry" wurde mitreißend hörbar gemacht, ebenso die Ballade von "Molly on the Shore". Erst nach drei Zugaben entließ das begeisterte Publikum die Kapelle, darunter das atemberaubend schnelle "Alcazar".

Karin Horst, Bezirksvorsitzende des Oberbadischen Blasmusikverbandes, honorierte die Leistungen von vier Nachwuchsmusikern aus dem Ensemble. Bei den Prüfungen im vergangenen Herbst schnitten Theresia Lutz und Sarah Sonner je mit dem Silbernen, die Geschwister Sophie und Simon Karle gar mit dem Goldenen Leistungsabzeichen ab.

Ehrungen: Silberne Ehrennadel: Burkhard Sumser, Ralf Sumser (25 Jahre aktives Musizieren); Ehrenmitglied: Hans Weiser.

Autor: fry