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05. Januar 2012

Vom Griesgram zum Menschenfreund

St. Ulricher Kirchenchor lud zu Konzert und Theater.

  1. Bunt ging es bei dem Einakter „Doppel-Verlobig“ zu. Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL-ST. ULRICH (fry). Einen richtig bunten Abend gestaltete der St. Ulricher Kirchenchor mit seinem traditionellen Weihnachtskonzert und zeigte einmal mehr, dass Bollschweils Teilort musikalisch in den verschiedensten Genres aus dem Vollen schöpfen kann. Dabei kam auch diesmal wieder alles – ob Klassik oder modern, ob gesungen oder gesprochen – wohltuend unangestrengt daher und bereitete sowohl Akteuren als auch Publikum großes Vergnügen.

Den feierlichen Auftakt lieferte der Kirchenchor mit Georg Friedrich Händels Hymne "Joy to the World" an seine Wahlheimat England, das auch in St. Ulrich logischerweise in Englisch gesungen wurde. Dass er aber auch mit lateinischen Texten spielend fertig wird, bewies der Chor mit dem geistlichen Vokalwerk "Hodie nobis coelorum Rex" von Johann Michael Haydn, der die gleiche Ausbildung wie sein älterer Bruder Joseph durchlief, aber nie so berühmt wurde wie jener. Dirigent Andreas Mölder hatte damit eine gute Wahl getroffen und zeigte einmal mehr, dass die Musikliteratur auch abseits des Mainstreams viel zu bieten hat. Die Begrüßung kam diesmal, zum Teil sogar in Versform, von Anita Karle, die vor einigen Monaten den Vereinsvorsitz übernommen hat und sich nun einem breiteren Publikum bekannt machte. Aber auch die Gemeinde bewies, dass sie gesanglich auf der Höhe ist, mit dem gemeinsam gesungenen "O du fröhliche".

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Der griesgrämige Mister Scrooge, der sich in Charles Dickens Erzählung "Eine Weihnachtsgeschichte" zum Menschenfreund wandelt, stand im Mittelpunkt der Kantate, die Andreas Mölder mit dem Kinder- und Jugendchor einstudiert hatte. Die Vertonung von Steve Pogson, streckenweise im Musicalstil mit Halbtönen und Swingelementen, war offensichtlich so recht nach dem Herzen der jugendlichen Sänger und Darsteller. Erklärende Texte erleichterten das Verständnis für die einzelnen Szenen und ihre Zusammenhänge. An der Darbietung hatten auch die für die Seelsorgeeinheit verantwortlichen Pfarrer Herbert Malzacher und Eberhard Schockenhoff ihren Spaß.

Als Talentschmiede erwies sich der Kirchenchor auch an diesem Abend. Der Auftritt, schlicht als "Frauenterzett" angekündigt, von Cornelia Karle und ihren Nichten Barbara und Veronika Lutz hätte jedem großen Konzertsaal zur Ehre gereicht. Die drei Soprane boten Sangeskunst auf hohem Niveau, dabei wohltuend unprätentiös und ganz und gar dem jeweiligen Werk verpflichtet: Zwei Vertonungen weihnachtlicher Themen von Engelbert Humperdinck, einem Krippenmotiv von Andreas Hammerschmidt und dem schlichten, aber umso ergreifenderen alten Weihnachtslied "Maria durch den Dornwald ging". Als – stürmisch geforderte – Zugabe erklang das wunderbare "Hebe deine Augen auf" aus dem Oratorium "Elias", von Felix Mendelssohn-Bartholdy ausdrücklich als Terzett angelegt.

Keine Weihnachtsfeier ohne Theater – diesmal hieß das Stück "Doppel-Verlobig". Darin ging es, schwungvoll in Szene gesetzt von Sabine Schlegel, die als Oma für Lacher sorgte, um ein Familienfest, das erst nach größeren Streitereien zustande kam. Denn die Eltern der beiden Bräute (Ralf Sumser und Petra Löffler) waren sich alles andere als einig sowohl im ehelichen Miteinander als auch über die Auswahl ihrer Töchter (Theresia Lutz und Annette Schlegel). Als potenzieller Zukünftiger zeigte sich nur der eine, dargestellt von Anselm John, als familienkompatibel; der andere (herrlich bodenständig Andreas Mölder) zog alle Register, um sich unbeliebt zu machen. Das alles kam wohltuend kompakt daher.

Autor: fry