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12. Juli 2016

Vom Tango über Rumba zum Flamenco

In Bollschweil verwandelt sich der Schlosshof in eine Bühne für einen spanisch-lateinamerikanischen Abend mit der Trachtenkapelle.

  1. Flamenco mit „Chispa“ aus Basel Foto: Freyer

  2. Die Trachtenkapelle Bollschweil (links) und das Percussion-Ensemble „Non Tacet“ beim Schlosskonzert in Bollschweil Foto: Anne Freyer

  3. Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL. Ganz und gar der lateinamerikanischen und spanischen Musik hatte sich die Trachtenkapelle Bollschweil bei ihrem Schlosskonzert gewidmet. Der historische Hof des Anwesens bildete den idealen Rahmen für dieses Sommerabendereignis, das auch wettermäßig unter einem guten Stern stand – ein hochklassiges Vergnügen für Aktive und Publikum.

Ein bekennender Liebhaber der lateinamerikanischen Musik ist Carl-Philipp Rombach, seit fast sechs Jahren erfolgreicher Leiter der Bollschweiler Trachtenkapelle. Mit seinem jüngsten Konzert ist es ihm gelungen, seine Musiker auf diese Richtung einzustimmen – die Authentizität ihrer Darbietung war beglückend und verblüffend, ist es doch nicht jedem Vertreter traditioneller Blasmusik gegeben, diese speziellen Rhythmen und Takte nachzuempfinden, geschweige denn einem ganzen Ensemble. An diesem Abend gelang alles – ein zufällig hereingeschneiter Argentinier oder Spanier hätte seine helle Freude gehabt.

Los ging‘s mit "Los Barbas (Die Bärte)", einem in der ganzen Welt populär gewordenen Konzert-Pasodoble von Ferrer Ferran. Es geht darin um Stierkampf, um Männer und Frauen und ihr Verhältnis zueinander – das Thema sollte sich an diesem Abend noch mehrmals wiederholen. Nicht wenige der in Schwarz auftretenden Damen hatten sich denn auch mittels roter Rosen im Haar in Carmen verwandelt. Die Herren machten im dazu passenden Anzug eine gute Figur. Als "Projektorchester" war das Ensemble angekündigt, und in der Tat waren ungewohnte Instrumente auszumachen: zwei Kontrabässe, zwei Celli und andere Instrumente. Carl-Philipp Rombach hatte die Erklärung dafür: "In der Franco-Ära wurden in Spanien Streichorchester verboten, die Streicher saßen ohne Job da. Man integrierte sie in die vorhandenen – und erlaubten – Blasorchester; so entstand ein ganz neuer und mittlerweile für die spanische Musik typischer Klang." Den konnte man nun erleben.

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"La Leyendo del Beso" beschäftigt sich mit dem seligen Zustand, der sich nach ein paar Glas Alkohol einstellt, entsprechend fröhlich und beschwingt kam diese Nummer daher. Viel hatten die fünf Hörner zu tun, aber desgleichen die Rhythmusgruppe, die bei diesem Konzert naturgemäß besonders gefordert war. So auch bei dem in Kuba und Mexiko beliebten "Danzon No. 2" von Arturo Marquez. Dieser "Tanz" beinhaltet die ganze musikalisch ausgedrückte Gefühlsskala, derer ein Lateinamerikaner fähig ist – vom melancholischen Tango bis zur übermütigen Rumba. Viel Spaß habe man beim Proben gehabt, sagte Patricia Schneider in ihrer launigen Moderation, aber auch viel Arbeit, bis alles saß.

Das Ergebnis: eine durchweg überzeugende Umsetzung dieser anspruchsvollen Komposition. Gleiches lässt sich auch für Astor Piazzollas "Adios Nonio", neu arrangiert von Peter Kleine-Schaars, "Malaguena" von Ernesto Lecuona und dem Klassiker "El Cumbanchero" von Rafael Hernandez sagen.

Was wäre ein spanisch-lateinamerikanischer Abend ohne Flamenco? Nach Bollschweil war die Gruppe "Flamenco Chispa" aus Basel gekommen, geleitet von Erika Huggel, die sowohl tänzerisch als auch durch die ausdruckvolle Gitarrenbegleitung und den typischen kehligen Gesang überzeugte. Das rief so manche spontane Reaktion aus dem Publikum hervor und wurde mit stürmischem Beifall und der Forderung nach einer Zugabe belohnt.

Lateinamerika und seiner Musik hatten sich auch die Percussion-Spezialisten der Gruppe "Non Tacet" verschrieben, die zunächst mit einer originellen Rhythmusnummer als Handwerker mit Leiter und anschließendem Biergenuss begeisterten. Dann aber ging’s zum Thema: "Fiesta del Sol", "Andiamo" und "Oye Como Va", so die Titel der mitreißenden Nummern. Da wurde dann aber auch alles aufgefahren, was der Gruppe an guten und teuren Instrumenten zur Verfügung steht: Vibraphon und Marimbaphon, kleine Trommeln, große Pauken und all die vielfältigen Rhythmusinstrumente aus der südamerikanischen Wundertüte.

Beim fulminanten Finale wirkten die Jung-Schlagzeuger mit, die sich bereits – laut Ansage – schon mal für die Nachfolge der überaus erfolgreichen Truppe "Non Tacet" bereit machen.

Autor: Anne Freyer