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14. April 2011

Wachsende Fangemeinde

Konzert der Trachtenkapellen St. Ulrich und Hinterzarten.

  1. Geehrt durch Karin Horst (rechts): Helena Karle, Theresia Gutmann und Klemens Karle (von links). Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL (fry). Bei ihrem Frühjahrskonzert ließen die St. Ulricher ihren Gästen aus Hinterzarten den Vortritt im Programm. Einst hatten sie den selben Dirigenten, Franz Winterhalter. Nun war es interessant zu beobachten, wie sich die beiden Trachtenkapellen unter verschiedener Leitung weiterentwickelt haben.

Schwungvoll eröffneten die Gäste mit dem Marsch "Gruß aus Hinterzarten". Dirigent Gottfried Hummel setzte damit das Signal für ein dynamisches Programm, zunächst mit einem Medley der bekanntesten Melodien aus Leonard Bernsteins "West Side Story". Die gut bestückte Kapelle mit ihren 45 Mitgliedern meisterte die bekannten Tempo- und Taktwechsel mit Bravour. "Zum Auflockern", so Moderator Franz "Fränzle" Winterhalter, gab es dann die Polka "Blasmusikvergnügen", bevor der Saal Zeuge einer veritablen Uraufführung wurde. "Paukissimo" hatte Gottfried Hummel seine Komposition genannt; dabei spielte die Pauke die Hauptrolle, unterstützt von den Tutti. Die reizvolle, abwechslungsreiche und in der Grundstimmung durchgehend heitere Tonschöpfung sei hiermit für die Aufnahme ins Repertoire ähnlicher Kapellen empfohlen.

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Bevor die Gäste mit einer Auswahl aus Bryan Adams Hits einen Ausflug in die Welt von Rock und Pop unternahmen, gab es mit der ebenfalls von ihrem Dirigenten Gottfried Hummel geschaffenen Komposition "Die netten Klarinetten" für drei Spezialisten auf diesem Instrument Gelegenheit, ihr Können zu beweisen: "Kerstin, Claudi und Rudi" brachten die Polka zum Klingen. Hummel hatte allerhand Finessen eingebaut, die den Interpreten ein Höchstmaß an Konzentration abverlangten. Ein zünftiger Marsch namens "Musikantentreff" bildete den passenden Abschluss des Auftritts der Trachtenkapelle Hinterzarten.

Was ist Glück? In Abwandlung der Definition, wonach Glück ist, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft, gilt für den musikbegeisterten Menschen: wenn hochambitionierter Dirigent auf Talent trifft. Das ist bei der Trachtenkapelle St. Ulrich der Fall, eine stetig wachsende Fangemeinde weiß das. Und wieder einmal bewies das Ensemble mit seinem Dirigenten Michael Stecher, dass dieser Ruf berechtigt ist. Denn wer einmal in den Genuss der Interpretation des Satzes "Apothéose" von Hector Berlioz' "Grande Symphonie funèbre et triomphale" durch die Trachtenkapelle St. Ulrich kam, wünscht sich eine Wiederholung; nun gab es sie. Nicht minder beglückend: die drei russischen Tänze des belgischen Komponisten Jan van der Roost mit dem Titel "Tanczi", die den Zuhörer entführen in die Weiten Russlands und zu seinen Menschen mit ihrer Fröhlichkeit, ihrer Melancholie und ihrer unerfüllten Sehnsucht. Als "komische Oper" konzipiert, erweist sich "Eine Nacht in Venedig" von Johann Strauss (Sohn) bei näherem Hinhören als gar nicht so komisch. Michael Stecher hat den Blick hinter die k.u.k.-Glitzerfassade gewagt, sein Ensemble folgte ihm, und beiden gelang es, den Zuhörer an diesem Blick teilhaben zu lassen.

So spannend kann also Walzer sein! Großer Applaus signalisierte, dass das Publikum verstanden hatte. Glanzvoll auch Jan van der Roosts "Mercury", von Monika Steiert anschaulich erläutert. An diesem Abend bewies Michael Stecher, und nicht zum ersten Mal, dass es möglich ist, aus einer Kapelle ein Orchester und aus Musikanten Musiker zu machen. Die Freude, im Ensemble als Nachwuchstalente Marcel Hug, Caroline Schneider und seine Töchter Julia und Anja begrüßen zu können, war Roman Gutmann anzumerken, bevor er die Verdienste der Klarinettistin Melanie Steiert – "so jung, und schon 20 Jahre dabei" – würdigte. Die Grüße des "Oberbadischen Blasmusikverbandes überbrache Bezirksvorsitzende Karin Horst.

Ehrungen: Goldene Ehrennadel mit Urkunde für 40 Jahre aktive Mitgliedschaft in der Trachtenkapelle: Klemens Karle; Jungmusiker-Leistungsabzeichen in Silber: Helena Karle, Theresia Gutmann; 30 Jahre Unterstützung passive Mitglieder: Margot Auer, Eugen Heine, Helmut Kenk und Erich Steffi; 10 Jahre Zugehörigkeit: Sophie Karle, Simon Karle, Nathalie Karle und Sabine Schlegel.

Autor: fry