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02. April 2015

Zwei Orchester, ein Dirigent – und begeisterte Zuhörer

Zum Frühjahrskonzert in der vollbesetzten Festhalle hatte die Trachtenkapelle Bollschweil den Musikverein Appenweier eingeladen.

  1. Blasmusik mit Bass: Das gibt es nicht nur bei der Trachtenkapelle Bollschweil, sondern auch beim Musikverein aus Appenweier. Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL. Zwei Orchester, ein Dirigent, nämlich Carl-Philipp Rombach: Da ist doch ein gemeinsamer Konzertabend fällig, sagten sich die Planer der Trachtenkapelle Bollschweil und luden den Musikverein Appenweier zum Frühjahrskonzert in die Festhalle Bollschweil ein. So war ein Abend mit vielen Höhepunkten zu erleben. Über eine vollbesetzte Halle freute sich Hanspeter Moll bei seiner Begrüßung – das Interesse der Blasmusikfreunde war groß. Und ihre Erwartungen wurden noch übertroffen – von den Gastgebern und von den Gästen.

Schon die Eröffnung durch die Trachtenkapelle Bollschweil mit dem Stück "Jungle" (Dschungel) ließ die Vielseitigkeit des Ensembles erahnen. Rhythmusinstrumente aller Art unterstützten die Bläser, dazu ein wahrhaftiger Kontrabass. Wie sich im zweiten Teil zeigte, hat Dirigent Carl-Philipp Rombach wohl für dieses aus dem Jazz bekannte Instrument seine ganz besondere Vorliebe entdeckt, denn auch beim Auftritt des Orchesters aus Appenweier wurde er eingesetzt.

Zuvor aber glänzten die Bollschweiler mit ihrem "Menu gastronomique" des Engländers Derek Bourgeois, der mit diesem Drei-Gänge-Menü seiner Liebe zur französischen Küche Ausdruck verleiht, durch die Trachtenkapelle nicht zum ersten Mal, aber glanzvoll interpretiert: vom Hummer über den Coq au vin bis zur Crème brulée als Dessert äußerst appetitanregend. Nicht minder mitreißend: die Auszüge aus dem Musical "Elisabeth", der dramatischen Lebensgeschichte der als "Sissi" populär gewordenen österreichischen Kaiserin, der Michael Kunze mit seiner musikalischen Umsetzung ihres bewegten Lebens ein würdiges Denkmal gesetzt hat, fern von jeder süßlichen Verklärung. Die Bollschweiler wussten die Crescendi, Dissonanzen und Tempowechsel adäquat hörbar zu machen und wurden mit stürmischem Beifall belohnt. Der neue Vorsitzende des Musikvereins, der 23-jährige Julian Büche, nutzte die Gelegenheit, sich einem breiten Publikum vorzustellen und seinem Vorgänger und Förderer Meinrad Grammelspacher für seine Arbeit und seinen Einsatz während der vergangenen zehn Jahre zu danken. Als "kleine Anerkennung" überreichte er ihm einen Gutschein für einen zweitägigen Aufenthalt zu zweit im Schwarzwald.

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Dank und Anerkennung gab es auch für Patricia ("Patty") Schneider für ihr Engagement in der Jugendarbeit, die gewohnt locker die Ansagen zu den Stücken absolvierte. Mit dem "Concertino for Marimba and Winds" von Alfred Reed und damit einem Höhepunkt des Konzerts verabschiedete sich der Trachtenverein. Lucas Grammelspacher, von klein auf mit dem Schlagzeug vertraut, hat es mit dem Marimbaphon zu wahrer Meisterschaft gebracht und erfreute an diesem Abend mit einem Solo, das die großen Möglichkeiten dieses ursprünglich aus Afrika stammenden, aber in Südamerika weiterentwickelten Instruments offenbarte.

Auf hohem Niveau angesiedelt war der Musikverein Appenweier bereits, als Carl-Philipp Rombach im März 2013 seine Leitung übernahm. Nun wurde auch in Bollschweil deutlich, warum ihm ein ausgezeichneter Ruf vorausgeht. Bei der Auswahl der Stücke hatte man geographisch den Schwerpunkt auf den Mittelmeerraum gelegt. Mit keinem Geringeren als Giuseppe Verdi und der Ouvertüre seiner Oper "Die Macht des Schicksals (La forza del destino)" warteten die Spezialisten aus der Ortenau auf, verstärkt durch den erwähnten Kontrabassisten.

Dramatisch ging es weiter mit der Vertonung des Romans von Alexandre Dumas "Der Graf von Monte Christo" und seiner Gefangenschaft im Chateau d’If, einer Marseille vorgelagerten Festung, hier in der Version des Komponisten Otto M. Schwarz mit eindrucksvollen Wechseln zwischen Härte (Pauken) und Zartheit (Klarinetten und Oboen), zwischen schnellen und langsamen Rhythmen.

Nicht minder eindrucksvoll: die Totenklage für einen Ermordeten, wie sie laut Moderation früher auf Korsika üblich war. Bezahlte Klageweiber stimmten den Trauergesang an, der nun konzertant zu hören war – ungewohnte, aber eindrucksvolle Töne, fast unerträglich langgezogen und nachhallend.

Dass sie aber auch fröhlich können, bewiesen die Gäste aus Appenweier mit dem Titel "Cartoon" von Paul Hart, der damit den Geist New Orleans’, seinen Übermut und seine Lebenslust in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts beschwört. Da ist alles Heiterkeit und Fröhlichkeit, woran die Klarinetten, die gestopften Trompeten und andere typische Instrumente des Jazz ihren Anteil haben. Die Begeisterung des Publikums wurde denn auch mit Zugaben belohnt.

Autor: Anne Freyer