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18. März 2012 12:15 Uhr

Gundelfingen

Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft

Gespenstische Ruhe in Gundelfingens Industriegebiet: Nach dem Fund einer 500 Kilogramm schweren Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist das Gewerbegebiet und die angrenzenden Straßen am Sonntag für mehrere Stunden geräumt worden. Einer der beiden Zünder war noch intakt. Ein Sondersprengstoffkommando konnte die Bombe entschärfen, verletzt wurde niemand.

  1. Nachdem das Grundwasser abgesenkt und die Erdschichten abgetragen wurden, konnte die Bombe herausgeholt werden. Foto: Andrea Steinhart

  2. Jetzt wird die Bombe nach Sindelfingen gebracht und dort entsorgt. Foto: Andrea Steinhart

  3. Experten entschärften die Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Andrea Steinhart

  4. Experten entschärften die Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Andrea Steinhart

Um den Sprengkörper entschärfen zu können, musste die Gefahrenstelle im Umkreis von 500 Metern geräumt werden. Wohnungen und Häuser wurden im Industriegebiet evakuiert, die Straßen gesperrt. Etwa 20 Personen nahmen das Angebot der Gemeinde Gundelfingen an und begaben sich am frühen Morgen bis zur Entschärfung der Bombe in die Festhalle. Der Rest der rund 150 Betroffenen kam bei Bekannten und Verwandten unter. "Oder sie haben den Tag für einen Ausflug genutzt", sagte Bürgermeister Reinhard Bentler. Er hielt sich teils in der Sperrzone, teils in der Festhalle bei den evakuierten Bürgern auf.

Etwa 170 Gundelfinger mussten ihre Häuser verlassen

"Als heute Morgen der Wagen durch die Straßen fuhr und ich die Lautsprecher-Durchsagen hörte, habe ich eine Gänsehaut bekommen. Wenn ich so etwas im Fernsehen bisher sah, dachte ich immer, so etwas triff mich nicht", sagte Anwohnerin Irma Krug-Schultis.

Dankbar zeigte sich Bentler, dass alle Bürger besonnen und gutwillig mitgemacht haben. Dank bekundete er auch der Feuerwehr und dem Ortsverband des Roten Kreuzes, die sich um die Evakuierten kümmerten. Die Feuerwehrwache, die im Evakuierungsgebiet liegt, wurde ein Tag zuvor schon auf den Schulhof verlegt. Dort stand die komplette Mannschaft bereit, falls es zu einem Einsatz gekommen wäre. Die Einsatzleitung für die Feuerwehr übernahm Kreisbrandmeister Alexander Widmaier.

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Polizisten überprüften jedes Haus

Eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei und weitere Polizisten vom Revier Nord unter der Leitung von Harry Hochuli nahmen die Evakuierung vor. Sie überprüften jedes Haus, nahmen die Straßensperrungen vor und sicherten mit 30 Beamten den angrenzenden Mooswald.

Am Ende brauchte Klaus-Peter Olsson, der Experte des Kampfmittelräumdienstes Baden-Württemberg, gerade mal zehn Minuten, um die amerikanische Fliegerbombe unschädlich zu machen. "Insgesamt lief alles wunderbar", sagte er. Seit mehr als 30 Jahren entschärft er Bomben aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. "Entschärfungen kommen zwar immer wieder vor, aber es ist niemals Routine. Denn ein kleiner Fehler wäre mein letzter Fehler."

Das Grundwasser musste abgesenkt werden

Begonnen hatte der Einsatz bereits am Tag zuvor. Aufgrund Zeugenaussagen und durch Messungen bestätigt, begannen am Samstag Mitarbeiter der Firma Gerber unter Anleitung von Olsson mit den Grabungsarbeiten. Um an den Metallkörper zu gelangen, mussten sie die Erde Stück für Stück abtragen. Zuvor wurde das Grundwasser mit Hilfe von Pumpen abgesenkt. "Das war die teuerste Angelegenheit", sagte Bernd Strickfaden von der Gemeinde Gundelfingen.

Mit einem Bagger holten sie das explosive Stück dann nach oben. "Es ist eine Fliegerbombe, die durch Splitterflug wirkt", erklärte Olsson nach getaner Arbeit. Er konnte den Kopfzünder des Blindgängers von Hand rausschrauben. Der Heckzünder fehlt. Erst als Olssons Kollege, Wolfgang Kosiol, nochmals mit dem Metalldetektor nachsondierte wurde der Bomben-Boden gefunden. "So wie es aussieht, ist der hintere Zünder losgegangen, doch er hatte nicht die Kraft, die ganze Bombe zu zünden." Den immer noch intakten Kopfzünder verstaute Olsson in einer sicheren Metallkiste.

Aktion kostete 50.000 Euro

Insgesamt kostete die Aktion rund 50 000 Euro. 24 000 Euro sind für das Abpumpen des Grundwassers vorgesehen. Weitere 26 000 Euro kosten die Bohrungen, Verstärkung der Brücke über den Schobbach, die Straßensperren und das Abschalten der Stromkreise an den Hochspannungsleitungen. "Die Entschärfung und der Polizeieinsatz wird vom Land Baden-Württemberg getragen", erklärte Bentler, der sich am Ende beeindruckt zeigte von der Erscheinung der Bombe und vom Mut der Feuerwerker. "Ich hoffe nur, dass damit das Bombenkapitel in Gundelfingen abgeschlossen ist." Die Fliegerbombe wurde mit einem Bagger auf den Kleinlastwagen gehievt und nach Sindelfingen abtransportiert. Dort wird der Sprengstoff vom Metall getrennt und vernichtet.

Autor: Andrea Steinhart