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16. Oktober 2008 11:51 Uhr
Krabat-Verfilmung
2 Minuten Ruhm für Bonndorfer Stadtwald
Die Geschichte des Waisenjungen Krabat haben bereits mehr als 200.000 Zuschauer im Kino gesehen – und damit auch den Schwarzwald. Denn Szenen der Verfilmung von Otfried Preußlers berühmtem Kinderbuch sind im Bonndorf Stadtwald entstanden.
Paul Sebastian Moreau ist Locationscout. Der hauptberufliche Drehortfinder verlässt sich bei seiner Arbeit auf sein Gefühl. Und liegt damit meistens richtig: "Ich habe sofort gespürt, dass die Wälder bei Bonndorf und Blasiwald etwas ganz Besonderes haben." Dabei ist Moreau mit einem ganz anderen Auftrag in den Schwarzwald gekommen. "Wir haben ursprünglich eine Schlucht gesucht. Da ich die Gegend einigermaßen kenne wusste ich, dass die Wutachschlucht für den Dreh geeignet wäre." Als der Stuttgarter bereits vor Ort war, strich die Münchener Produktionsfirma die Schlucht aus dem Drehbuch: Jetzt bräuchte man nur noch einen Wald, hieß es.
Der Rest des Films wurde in Rumänien gedreht, die Umgebung musste also passen, damit man im Kino keine Unterschiede sieht. Moreau machte sich auf die Suche nach alten, dicken Nadelbäumen. Dazu noch gut erreichbar – "so etwas gibt es nicht sehr oft".
In Blasiwald und Bonndorf wurde er schließlich fündig: Knorrige Bäume, dichtes Gestrüpp, eine kleine Lichtung mit umgestürzten Stämmen, moosige Steine. Für den Einheimischen ein ganz normales Stück Schwarzwald – für "Krabat" das perfekte Stückchen Wildnis.
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Die Geschichte des Waisenjungen, der bei einem Müller in die Fänge schwarzer Magie gerät, spielt im 17. Jahrhundert. Eine entsprechend ursprüngliche Landschaft findet sich im flurbereinigten Deutschland kaum noch. Mit Rumänien meinte die Filmcrew deshalb den perfekten Schauplatz gefunden zu haben. Hier ist die Natur wesentlich ursprünglicher. Da machte es nichts, dass die topographischen Begebenheiten nicht ganz denen der Lausitz entsprechen – aus der ostdeutschen Region stammt die sorbische Sage, auf der der Jugendroman "Krabat" von Ottfried Preußler basiert.
Sogar die gewünschten Nadelhölzer wachsen in Rumäniens Karpaten oberhalb von 1700 Metern. Warum der Schwarzwald trotzdem im Kino zu sehen ist, hat einen wenig romantischen Grund: "Ein Teil des Filmes musste in Baden-Württemberg gedreht werden, weil es vom Land Fördergelder gab", erklärt Moreau.
So kommt es, dass das Publikum in einer Szene des Films badische Tannen sieht: Die Müllergesellen hacken schwer keuchend einen Baumstamm zu Kleinholz, wischen sich mit den dreckigen Ärmeln ihrer Leinenhemden den Schweiß von der Stirn. Tonda, der Älteste, blickt kurz auf: Krabat kommt auf die Lichtung – willkommen im Bonndorfer Wald.
Warum nur Nadelbäume in Frage kamen, erklärt sich durch die Handlung: "In der Szene, die in Blasiwald gedreht wurde, musste Winter sein, ein Laubwald hätte nicht funktioniert. Die Bäume hätten dann einzeln entlaubt werden müssen."
So bot sich bei den Dreharbeiten im Sommer 2007 ein skurriles Bild, als David Kross, Daniel Brühl und die anderen Schauspieler bei heißen Temperaturen in langen Hosen und dicken Jacken durch den künstlich beschneiten Eisenbrechemer Wald jagten. Und der Schweiß ist auch noch völlig umsonst geflossen: Die Winter-Szene ist dem Schnitt zum Opfer gefallen und taucht im Film nicht auf.
Der Kunstschnee wurde nach den Dreharbeiten größtenteils wieder von den Bäumen entfernt, die Reste sind inzwischen im Boden versickert: Das weiße Pulver besteht aus Mais, ist also zu hundert Prozent abbaubar.
Den Waldstücken sieht man die Dreharbeiten heute nicht mehr an: Kamerakräne und Regiestühle haben keine Spuren hinterlassen. Im Bonndorfer Wald erinnern nur ein paar gefällte Bäume und gestapelte Holzscheite auf der Lichtung an "Krabat": "Da stecken zwei Tage Arbeit drin." Stadtförster Steffen Wolf deutet auf die ehemalige Kulisse und lacht. "Wir mussten drauf achten, dass keine Späne rum liegen und man nicht sieht, dass hier mit Motorsägen gearbeitet wurde."
Der einzige badische Darsteller, der eine tragende Rolle im Film übernommen hat, ist übrigens ein Vierbeiner. Im Film sieht man Krabat auf eine Lichtung kommen, wo die Müller-Gesellen einen Karren mit Holz beladen, der von einem Ochsen gezogen wird. Das Rind wurde ebenso sorgfältig ausgewählt wie die Kulisse. Der alte Ochse Florian stammt aus St. Georgen im Schwarzwald und wurde während der Dreharbeiten von Landwirt Martin Morath in Blasiwald versorgt. Florian ist ein Vorderwälder Rind. Diese alte Schwarzwälder Rasse passt besser als das moderne Fleckvieh zu einem Film mit historischem Anspruch.
Ob auf den Stier in Zukunft weitere Verpflichtungen als urwüchsiges Vieh zukommen, ist ungewiss: Nur knapp drei Minuten sind er und der Bonndorfer Wald im Kino zu sehen.
Autor: Dana Hoffmann


