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23. Oktober 2014

Abriss der Badhofkapelle ist vom Tisch

Staatssekretär Ingo Rust versichert: "Das Denkmal bleibt erhalten" / Politiker nimmt Spenden des Freundeskreises in Empfang / Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

  1. Staatssekretär Ingo Rust (Mitte) darf ausnahmesweise mal Geld in Empfang nehmen, um es für die Sanierung der Badhofkapelle in Bad Boll zu verwenden. Die Erleichterung, dass ihre jahrelangen Bemühungen um den Erhalt des Kleinods in der Wutachschlucht am Ende doch erfolgreich waren, ist Hans-Jörg Adler (links) und Peter Marienfeld anzusehen. Foto: Martha Weishaar

  2. In das Goldene Buch der Stadt Bonndorf trägt sich Ingo Rust, Staatssekretär im Stuttgarter Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, ein. Bürgermeister Michael Scharf freut sich über dessen Besuch ebenso wie Schwarzwaldvereinsvorsitzender Friedbert Zapf. Foto: Martha Weishaar

BONNDORF/BAD BOLL. Die Kapelle in Bad Boll bleibt erhalten. Noch im Februar wurde der Antrag auf Abbruch des Gebäudes gestellt. Nach einer Resolution des Schwarzwaldvereins wendete sich jedoch das Blatt. Staatssekretär Ingo Rust nahm gestern die vom Freundeskreis zu diesem Zweck gesammelten Spenden entgegen. Diese decken einen beachtlichen Teil der insgesamt auf 150 000 Euro geschätzten Kosten für eine Grundsanierung ab. Damit soll der weitere Zerfall der Badhofkapelle gestoppt werden.

Üblicherweise ist der Staatssekretär aus dem Ministerium für Finanzen gewohnt, Geld zu verteilen. Am Mittwochmorgen durfte er hingegen von den Initiatoren des Freundeskreises zum Erhalt der Badhofkapelle, Hans-Jörg Adler und Peter Marienfeld, 38 444 Euro in Empfang nehmen. "Die Kapelle ist kein riesiges Objekt, sondern eher ein Kleinod, mit dem ein außergewöhnliches Engagement verbunden ist", sagte der Gast aus Stuttgart bei der Scheckübergabe im Rathaus. Infolge einer Petition des Landtages befasste sich die oberste Denkmalbehörde des Landes mit dem Erhalt der Kapelle.

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Bei Kulturdenkmalen sei die Abwägung zwischen der Notwendigkeit eines Erhalts und dem wirtschaftlichen Aufwand oft schwierig, räumte der Staatssekretär ein. Schönheit spiele dabei keine Rolle. Nach dem Abriss sämtlicher Gebäude der einst weltbekannten Kur- und Badeanstalt in der Wutachschlucht Anfang der 1990er Jahre habe man die romantische Ruine der Badhofkapelle dem Ruin anheimgestellt. Gleichwohl dürfe das Land ein Kulturdenkmal nicht verfallen lassen, auch die Verkehrssicherungspflicht spiele eine Rolle. "Nach sehr guten Gesprächen mit Bürgermeister Michael Scharf waren wir uns schnell einig und haben eine sehr pragmatische Lösung gefunden", reflektierte Rust das weitere Vorgehen. Die einst berechneten 350 000 Euro Kosten für eine komplette Sanierung konnte man nicht ohne weiteres investieren. Nach sorgfältiger Abwägung werden nun Sicherungsmaßnahmen vorgenommen. Diese umfassen die Erneuerung des Daches, die Trockenlegung des Fundaments sowie sie Sicherung der Statik des Gebäudes. Das Denkmal bleibt erhalten, wird aber vorläufig nicht begehbar sein. Somit ermöglicht man zukünftige Sanierungsmaßnahmen, falls sich eine Gelegenheit auftut.

Der Staatssekretär würdigte die Bürgerinitiative des Freundeskreises als wichtigen Beitrag und dankte sämtlichen Akteuren sowie den Geldgebern für ihre Großzügigkeit. "Dies ist ein gutes Beispiel, dass sich Engagement lohnt und man an der Bürokratie nicht verzweifeln darf", ergänzte Rust.

"Dies ist ein gutes Beispiel, dass sich Engagement lohnt und man an der Bürokratie nicht verzweifeln darf."

Ingo Rust, Staatssekretär
Bürgermeister Michael Scharf zeigte sich nach all dem Auf und Ab erfreut ob des positiven Ergebnisses der Bemühungen um den Erhalt der Kapelle und lobte insbesondere die Wortwahl der Resolution des Schwarzwaldvereins. Peter Marienfeld erinnerte an den Ausgang der Bemühungen des Freundeskreises, die bis in das Jahr 2006 zurück reichen. "Die Kapelle hat eine große Ausstrahlung und liegt mir sehr am Herzen", bekannte der Wahl-Schweizer und erinnerte an die vielen Höhen und Tiefen der Initiativen für die Badhofkapelle in diesen acht Jahren. Schwarzwaldvereinsvorsitzender Friedbert Zapf dankte dem Ministerium für die nun folgende Sanierung, ebenso den Initiatoren des Freundeskreises sowie Bürgermeister Michael Scharf für seine Unterstützung der Resolution. Als Naturschutzbeauftragter des Landkreises mahnte er an, unmittelbar mit den Sanierungsarbeiten zu beginnen. "Wir können uns nicht noch einen Winter lang ein offenes Dach leisten", warnte Zapf, der überdies Probleme darin sieht, wenn während der Wandersaison Baumaßnahmen in der Wutachschlucht vorgenommen werden.

Der Bürgermeister indes nutzte die Gelegenheit des Besuches aus dem Stuttgarter Ministerium und brachte dringend anstehende Sanierungsmaßnahmen am Schloss zur Sprache. Vielleicht zeitigt der Eintrag des Staatssekretärs in das Goldene Buch der Stadt ja gute Früchte.

Autor: Martha Weishaar