Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
04. Februar 2012
Bauern und Jäger müssen stärker kooperieren
Infoveranstaltung zum Thema Wildschäden: Die wachsende Population der Wildschweine bereitet Sorgen / Bauern sind sauer, Jäger verlieren Lust an ihrem Hobby.
WUTACH/BONNDORF/STÜHLINGEN. Die Wildschweinbestände sind in den letzten Jahren in der Region enorm gewachsen. Entsprechend zugenommen haben auch die von den Schwarzkitteln verursachten Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen und im Wald. Dies ärgert nicht nur die Bauern, sondern auch die Jäger, die für die Schadensregulierung aufzukommen haben und denen die finanzielle Belastung langsam die Freude an ihrem Hobby verdirbt. Was tun? – lautet die Frage, die nun in einer gemeinsamen Veranstaltung von Landwirten und Jägern diskutiert wurde.
Rund 60 interessierte Landwirte aus Bonndorf, Wutach und Stühlingen sowie Jäger aus der Region waren zu der vom BLHV ins Leben gerufenen Veranstaltung nach Ewattingen gekommen, mit dem Ziel, miteinander und nicht nur übereinander zu reden. Der Wutacher BLHV-Chef Siegfried Maier freute sich, dass auch der BLHV-Bezirksgeschäftsführer Michael Martin und etliche Kommunal- und Kreispolitiker in die "Burg" gekommen waren. "Die zunehmenden Wildschäden sind ein Thema, das Jägern und Bauern unter den Nägeln brennt", so Maier, zudem sei die Thematik sehr emotionsgeladen. Maier übergab dann das Wort an den Referenten Michael Nödl, Justitiar beim BLHV und Ausbilder bei der Kreisjägervereinigung – ein Fachmann also, der die Probleme beider Parteien detailliert kennt.Werbung
Nach einem kurzen Exkurs in die rechtliche Situation bei den Schadensfällen (siehe Infokasten) stellte Michael Nödl klar: "Wichtig ist, Schaden verhüten, statt Schaden vergüten." Das ist leichter gesagt als getan, räumte Nödl ein. Bei der Regulierung der Wildschweinbestände haben die Jäger schlechte Karten, sind die Tiere doch sehr schlau und wissen genau, wann und wo ihnen Gefahr droht. Deshalb sei es wichtig, dass Waidmänner und Landwirte zusammenarbeiten. Wenn die Bauern die Jäger beispielsweise darüber informieren, wann gesät oder wann gemäht wird, wenn eine Schussschneise zwischen Wald und Acker freigehalten wird, dann können die Jäger zielgerichteter arbeiten, meinte Nödl. Als einzig wirksamen Schutz gegen Wildschweinschäden nannte Nödl das Einzäunen von Flächen mit Elektrozaun. Prinzipiell gelte aber: "Das Problem Wildschäden lässt sich nur gemeinsam lösen."
Von einer Aufhebung der Schonzeit – wie von einem Landwirt vorgeschlagen – hält Michael Nödl nicht viel. Die Schonzeit gelte ohnehin nur für erwachsene Tiere. Und auch der Einsatz von Nachtzielgeräten ist für Nödl keine Lösung. Die Gefahr des Missbrauchs sei groß, weswegen der Landesjagdverband hier sein Veto eingelegt habe.
Auf den Einwurf eines Landwirts, die Wildschweine seien Parasiten und müssten dezimiert werden, warf der Referent auch einen Blick auf die Ursachen der Bestandsvermehrung. Neben dem Klimawandel mit meist lauen Wintern, trage auch der Wandel in der Landwirtschaft mit verstärktem Maisanbau dazu bei, dass die Schwarzkittel ideale Lebensbedingungen vorfinden. "Die Landwirtschaft trägt selbst einen Anteil am Problem, das nun von den Jägern gelöst werden soll", gab Nödl zu bedenken. Auch vor diesem Hintergrund sei es geboten, die Jäger zu unterstützen.
Dass die Waidmänner sich zwischenzeitlich sehr gut überlegen, ob sie angesichts der nicht vorhersehbaren finanziellen Belastungen noch eine Jagdpacht übernehmen, hat sich bei der jüngsten Jagdpachtvergabe in Bonndorf gezeigt. Nur über die Einrichtung einer solidarischen Wildschadenskasse, die das finanzielle Risiko des einzelnen Jägers verringert, konnten noch Interessenten für die Übernahme einer Jagdpacht gefunden werden. Solche Modelle werden in Zukunft immer mehr gefragt sein, war sich Michael Nödl sicher.
Als wirksame Methode die Wildschweinpopulation etwas einzudämmen wurde die Drückjagd genannt. Auch hier appellierte der Referent an die Kooperationsbereitschaft, am erfolgreichsten seien die revierübergreifenden Jagden. "Wenn wir alle zusammenarbeiten, Jäger mit Landwirten und die jeweiligen Gruppierungen untereinander, dann kriegen wir das Problem in den Griff", war Michael Nödl überzeugt.
Man sollte sich nicht gegenseitig den Schwarzen Peter zu schieben, so der Referent weiter, sondern gemeinsam nach Lösungen suchen. Sinnvoll seien regelmäßige Treffen, wo strukturiert darüber nachgedacht wird, was gut läuft, und wo es Verbesserungsbedarf gibt und wo eventuell politische Änderungen nötig sind.
Thematisiert wurde an dem Abend auch die Jagdsteuer, die vom Landkreis erhoben wird und die Jäger zusätzlich belastet. "Ich bin ein Gegner der Jagdsteuer, die sollte – wie in vielen anderen Landkreises schon geschehen – abgeschafft werden", sagte Kreisrat Erhard Graunke. Seine Meinung begründete er auch damit, dass die Jäger auch wichtige Dienstleistungen erbringen, beispielsweise bei Wildunfällen auf der Straße.
Letztlich gab es noch einen Tipp von einem Landwirt. Für die Behebung von Wildschweinschäden auf Grünland habe die Firma Vogelbacher aus Lausheim ein Gerät entwickelt, das die Arbeit erleichtert. Eine Vorführung des Gerätes für Jäger und Landwirte wurde ins Auge gefasst.
Wildschäden
Landwirte haben einen gesetzlichen Anspruch auf Wildschadensersatz durch die Jagdpächter. Dieser Anspruch resultiert daraus, dass die Bauern ihre Flächen nicht selbst "mit der Flinte" schützen dürfen. Ersetzt werden müssen Schäden auf Ackerflächen und auf Grünland, die von Schalenwild (Rehe, Hirsche, Wildschweine...) Kaninchen oder Fasanen verursacht werden. Kein Geld gibt es für Schäden durch Krähen oder Dachse. Auch müssen Schäden an Geräten (z.B. Mähwerk), die aufgrund von Wühllöchern entstanden sind, nicht bezahlt werden. Wird ein Wildschaden entdeckt, muss dieser schriftlich innerhalb einer Woche im Rathaus gemeldet werden. Es empfiehlt sich, zeitgleich den Jagdpächter zu informieren und den Schaden mit Fotos zu dokumentieren. Wird man sich über die Schadenshöhe nicht einig, kann ein Schätzer hinzugezogen werden.
Autor: jul
Autor: Juliane Kühnemund


