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17. Mai 2009 14:34 Uhr

"Bandana" im Folktreff

Countrysongs aus einer anderen Welt

"Bandana" nennt sich die Gruppe, die beim Folktreff ihr Publikum mit Songs von Johnny Cash begeisterte. Bandana, das ist das Halstuch, mit dem sich die Cowboys vor Staub schützen. Zwar trug keiner der Musiker ein solches Tuch, aber Cowboystimmung kam trotzdem auf.

  1. Spaß muss sein: Bassist Bodo Martin begleitet Sänger Andreas Matthes auf ungewöhnliche Art beim Konzert der Gruppe "Bandana" im Folktreff. Foto: Gerhard Wiese

BONNDORF. "Bandana" nennt sich die Gruppe um den Sänger Andreas Matthes, die am Freitag beim Folktreff ihr Publikum mit Songs von Johnny Cash begeisterte. Bandana, das ist das Halstuch, mit dem sich die Cowboys vor Sand und Staub schützen. Zwar trug keiner der Musiker ein solches Tuch, aber Cowboystimmung kam trotzdem auf, schon mit den ersten Takten der Musik.

Ein von Kontrabass und Schlagzeug getriebener galoppierender Rhythmus verwandelte das Foyer der Bonndorfer Stadthalle in einen virtuellen Western-Saloon, wie er in John-Wayne-Filmen nicht eindrucksvoller dargestellt sein könnte. Zwar fehlten bei dem Bonanza-Sound die echten Pferde, dafür gab es einen ganz in Schwarz gekleideten Sänger mit ebenso schwarzer Bassstimme, der dem 2003 verstorbenen Johnny Cash, dem berühmten "Man in Black", eine Wiedergeburt bescherte. Ein Revival also, eine durchaus gewagte Sache angesichts der überragenden Bedeutung dieser Country-Legende.

Sänger Andreas Matthes und seine Begleiter beschränkten sich deshalb ganz bewusst auf die Zeit, als Johnny Cash bei Sun Records unter Vertrag stand, jener Plattenfirma, die damals auch Elvis Presley betreute. Es war die Zeit von 1955, seiner ersten Veröffentlichung zusammen mit den "Tennessee Two", Luther Perkins und Marshal Grant, bis 1967, dem Jahr, in dem Cash sich das Leben nehmen wollte und eine wilde Phase von musikalischer Kreativität, Erfolgsrausch und Drogenmissbrauch zu Ende ging.

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Die Hits aus jener Zeit wirken heute zum Teil weit entfernt. Die nachdenklichen Texte über die Mühsal des Lebens auf dem Lande (How high is the water, momma), über Liebe (Ring of fire) und Einsamkeit (Where you go, I still miss someone), über die Sehnsüchte der Jugend (Hey Porter) ebenso wie über ihre Fehltritte (Folsom prison blues), all diese Texte scheinen aus einer anderen Zeit und einer anderen Welt zu kommen, doch mit der tänzerisch lockeren musikalischen Umsetzung kamen sie auch bei den Zuhörern in Bonndorf an. Dazu trug der rhythmische Drive der Band ebenso bei wie der Gesang des tief dröhnenden und bei den Ansagen leicht sächselnden Andreas Matthes, bei dem man sich immer wieder fragte, wo er das gewaltige Stimmvolumen herholt. Körpervolumen jedenfalls ist es nicht, das brachte eher Bassist Bodo Martin mit, der allerdings eher für die nicht verbalen Spaßeinlagen zuständig war – abgesehen davon, dass er neben Oliver Sachs am Schlagzeug und Markus Lang an der Rhythmusgitarre für einen angemessen satten Sound sorgte. Der mündete zwar nicht sofort in begeistertes Mitklatschen, auch wenn der kaugummikauende Spaßvogel am Stehbass dies wiederholt mit weit ausholender Geste einforderte, aber nach und nach gewann doch die drängende Suggestivität des Country-Rhythmus die Oberhand. Ergänzend kam gelegentlich die Sängerin Miriam Spranger in der Rolle von Cashs Ehefrau June Carter Cash zum Einsatz.

Alles in allem wurde der Abend dann auch für jene, die Johnny Cash nicht in ihrer CD-Sammlung haben, zum nachhaltigen Ereignis. Und die richtigen Fans bekamen nach dem offiziellen Teil des Programms im Rahmen eines kleinen Wunschkonzerts noch ihre Lieblingshits auf Zuruf nachgeliefert. Andreas Matthes bewies dabei, dass er sich bestens im Repertoire des Johnny Cash auskennt. Aber als es schließlich auf Mitternacht zuging, mussten er und seine Band dann doch endlich zum Schluss kommen. Auch wenn im Publikum nicht wenige gern noch mehr gehört hätten.

Autor: Gerhard Wiese