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05. September 2013

GANZ NEBENBEI: Wird das Projekt totgerechnet?

Geradezu niederschmetternd war die jüngste Mitteilung des Amts für Vermögen und Bau für die Initiatoren und Mitglieder des Freundeskreises zur Rettung der Badhofkapelle. Allein die Grundsanierungskosten beziffert die Behörde auf 350 000 Euro. Damit tendieren die Aussichten auf den Erhalt des Bauwerks gegen null. Seit nunmehr vier Jahren strampeln sich Peter Marienfeld und Hansjörg Adler mit einigen Mitstreitern im Freundeskreis für den Erhalt des im Jahr 1889 errichteten Bauwerks ab, dem allein deshalb schon ein hoher emotionaler Wert zukommt, weil es der letzte Zeitzeuge der bedeutungsvollen Geschichte der einst renommierten Kuranlage in der Wutachschlucht ist. Bauexperten, Statiker und Architekten brachten im Verlauf dieser Zeit kostbare Sachleistungen ein. Und nun sieht es so aus, dass all deren fachkompetente Berechnungen völlig daneben lagen. Ursprünglich angesetzte 80 000 Euro verdoppelten sich im Verlauf der Planungen. Soweit, so gut. Zunehmend jedoch konnte man den Eindruck gewinnen, dass mit jeder weiteren Behörde, die ins Boot der Sanierung geholt wurde, respektive geholt werden musste, die Kosten weiter stiegen, bis nun 350 000 Euro allein für die Grundsanierung des kleinen Gebäudes im Raum stehen. Wiehert da der Amtsschimmel? Oder soll das Projekt schlicht tot gerechnet werden? Niemand wird behaupten wollen, dass die Kosten in der Baubranche in den zurückliegenden vier Jahren derart exorbitant gestiegen sind. Dass die Stadt mit ihrem Ausstieg aus dem Projekt vor einem Jahr eine 180 Gradwende vollzogen hat, nachdem der Gemeinderat zuvor noch mehrheitlich für einen 15-jährigen Pachtvertrag der Kapelle gestimmt hatte, könnte der erste Todesstoß für das Projekt gewesen sein. Sicherlich gab und gibt es kritische Stimmen über die Notwendigkeit des Erhalts der Kapelle. Andererseits belegt die Vielzahl privater Spenden ein breites Interesse an der Bewahrung des letzten Zeugnisses des einst regen Kurbetriebs in der Wutachschlucht. Immerhin verkehrte hier der Geld- und Weltadel. Auch Jahrzehnte nach dem Komplett-abriss der Badhofanlage erscheint diese Hau-Ruck-Aktion nämlich vielen Anwohnern der Wutachschlucht suspekt. Allein schon das Hin und Her in Sachen Zuständigkeit sowie das Geschachere um die Besitzverhältnisse ließen längst ahnen, dass die Rettung der Kapelle sich in die Länge ziehen würde. Die jüngste Stellungnahme der Konstanzer Behörde könnte nun der Todesstoß für ein bürgerliches Engagement sein, das nicht einem Einzelnen dient, sondern vielmehr Identität stiftende Bewahrung historischer Begebenheiten für die einheimische Bevölkerung darstellt – und nicht zuletzt auch dem Tourismus in der Wutachschlucht zugute kommen könnte.

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Autor: mhw