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05. September 2013

Grundsanierung der Badhofkapelle kostet 350000 Euro

Kostenkalkulation des Amts für Vermögen und Bau

  1. Seit vier Jahren kämpft ein Freundeskreis gegen den Zerfall der Badhofkapelle in Bad-Boll. Eine Kostenrechnung des Hochbauamtes mit 350000 Euro allein für eine Grundsanierung könnte alle bisherigen Bemühungen nun zunichte machen. Foto: Martha Weishaar

BONNDORF/BAD BOLL. Einen herben Rückschlag bei ihren Bemühungen um den Erhalt der historischen Badhofkapelle im einst weltweit renommierten Kurbad Boll in der Wutachschlucht müssen die Initiatoren Peter Marienfeld und Hansjörg Adler sowie Mitglieder des Freundeskreises, der sich der Rettung der Kapelle verschrieben hat, hinnehmen.

Das Amt für Vermögen und Bau teilte am 13. August Bürgermeister Michael Scharf sowie den Initiatoren schriftlich mit, dass die Konstanzer Behörde nach einer fachspezifischen Untersuchung des "ruinösen Gebäudes" mittlerweile allein für die Grundsanierung der Kapelle von einer Grobkostenschätzung in Höhe von 350 000 Euro ausgeht.

Diesen finanziellen Aufwand erachtet die Behörde als unverhältnismäßig hoch und nicht wirtschaftlich, die Haushaltslage erlaube überdies kein Entgegenkommen des Landes. Die bisher eingegangenen Geldspenden zur Rettung der Kapelle in Höhe von 36 000 Euro sind in Anbetracht dieser horrenden Summe nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Seit Anfang 2009 sind die Initiatoren um den Erhalt des letzten Bauwerks der einstigen Kuranlage bemüht und haben dabei viele Mitstreiter gefunden. Dies- und jenseits der Wutach setzen sich Menschen für den Erhalt der Badhofkapelle ein, die rege Frequentierung der Homepage des Freundeskreises ist ein weiteres Indiz, dass auch zahlreiche Schluchtenwanderer Interesse am Erhalt des Kleinods haben.

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In der Vergangenheit wurden hierfür bereits nennenswerte Sachleistungen eingebracht. Die Architekten Tobias Bartsch und Andreas Hübner von der Bonndorfer Firma Holzhaus erstellten auf Grundlage eines mit modernstem 3-D-Laserscanverfahren erfassten Schadensberichts detaillierte Kostenaufstellungen für jedes einzelne Gewerk. Das Stuttgarter Ingenieurbüro Peter und Lochner berechnete die Statik. Bauunternehmer Norbert Kromer und Zimmermeister Carsten Blatter brachten ihre Fachkompetenz sowohl theoretisch als auch mit ersten Grundsicherungsmaßnahmen zum Gebäudeerhalt ein. Sämtliche Experten erbrachten ihre Leistungen kostenlos. Mitglieder des Schwarzwaldvereins sowie Auszubildende des Landratsamtes holzten das Gestrüpp um die Kapelle frei. Politiker versprachen ihre Unterstützung. Beamte verschiedener Behörden nahmen die Kapelle bei Visitationen in Augenschein und ranghohe Vertreter der Stiftung Denkmalschutz sicherten den Initiatoren bei einem Vor-Ort-Termin im Februar 2012 zu: "Dies hier hat eine hohe Bedeutung. Die Kapelle ist emotional sehr wichtig." Die erste Hürde sei genommen, das Projekt als nachhaltig eingestuft. Die Stiftung sagte finanzielle Beteiligung zu, die sie gleichwohl von einer Mitfinanzierung der Stadt Bonndorf abhängig machte.

Die Sanierungskosten verteuerten sich indes mit jeder weiteren Expertenmeinung. War man anfangs noch von 80 000 Euro ausgegangen, stand schon bald fest, dass dieser Betrag sich verdoppeln würde. Beim Termin im Februar vergangenen Jahres stand bereits eine Summe von 220 000 Euro im Raum. Aus Sorge um weitere Kostenexplosionen beschloss der Gemeinderat im April vergangenen Jahres in nicht-öffentlicher Sitzung den Rückzug der Stadt aus der Trägerschaft. Nach der jüngsten Mitteilung der Konstanzer Behörde fragt sich nun auch die Stadt Bonndorf, wie es mit der Kapelle weitergehen soll. Der Bürgermeister mahnt dringenden Handlungsbedarf an, da aufgrund der Instabilität des Gebäudes von einer Gefahr für Leib und Leben von Besuchern des Anwesens in der Wutachschlucht ausgegangen werden kann. Als Grundstückseigentümer sei das Land in der Verantwortung und er wolle wissen, ob man die Kapelle nun dem Verfall überlasse und möglicherweise Personenschäden in Kauf nehme.

Für die Initiatoren des Freundeskreises stellt sich in Anbetracht der neuen Sachlage die Frage, ob aufgrund der historischen Bedeutung der Kapelle ein hinreichend großes öffentliches Interesse am Erhalt derselben besteht, welches ein weiteres Engagement für den Erhalt des Bauwerkes rechtfertigt.

Autor: Martha Weishaar