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10. August 2016

Schnuppertraining

Wie der SV Dillendorf um neue Fußballerinnen wirbt

SV Dillendorf lädt mögliche Neueinsteigerinnen zum Schnuppertraining / 1999 wurde die erste Damenmannschaft gegründet.

  1. Der krönende Abschluss des kräftezehrenden Trainings war das Bad im extra dafür errichteten Whirlpool mit Schaum und wohlig-warmem Wasser. Foto: Erhard Morath

  2. Eine lange Reihe von Fußballerinnen bei der Übungseinheit Passspiel. Foto: Erhard Morath

  3. Die Fußballmädels mit Harald Adelbrecht und Mike Mayeres. Foto: Erhard Morath

BONNDORF-DILLENDORF. Bei idealen Witterungsbedingungen bescherten sich die beiden Damenmannschaften des SV Dillendorf am Samstag eine schweißtreibende, zweistündige, tolle Trainingseinheit. Der Rasenplatz, dank Werner Gschlecht fachmännisch gepflegt, bot für die Trainingsstunden ideale Bedingungen. Fast alle Fußballerinnen hatten sich eingefunden. Außerdem hatte das Training den Zweck, Neueinsteigerinnen aller Altersklassen den weiblichen Fußballbetrieb vor Augen zu führen.

Harald Adelbrecht leitete zusammen mit Steffie Vetter und Christoph Burger die variantenreichen Übungseinheiten. Unterstützung fanden sie in Mike Mayeres als Betreuer, Egon Dietsche als Torwarttrainer, dem Clubhausehepaar Carola und Rainer Lippold und einigen Fußballern, die sich um einen Pool mit aufgeheiztem Badewasser der Marke Eigenbau kümmerten. Außerdem verfolgten zahlreiche Eltern das Geschehen auf dem Rasen und die sportlichen Ambitionen ihrer Töchter.

Wie alles begann

Manfred Amann erinnert sich noch sehr genau an den Beginn des Frauenfußballes beim SV Dillendorf. Es begann 1999. Er, damals noch als stellvertretender Vorsitzender neben Oskar Hogg, dem Vereinschef, weiß noch, wie sich mehrere junge Frauen, durch Lothar Isele vorgebracht, um die Gründung einer aktiven Damenmannschaft bemühten. "Es wurde heftig und kontrovers diskutiert und dem Ansinnen letztendlich mit hauchdünner Mehrheit entsprochen." Und aus den zaghaften Gehversuchen entwickelte sich ein Standbein des SV Dillendorf, das alle Höhen und Tiefen des Sports durchlief und dabei nicht für möglich gehaltene Leistungen an den Tag legte.

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Von Anfang an bemühten sich der Verein und die fußballinteressierten Frauen mit Trainingsfleiß um Erfolge und die daraus abzuleitende Anerkennung in der Öffentlichkeit. Als Trainer fungierten Lothar Isele, Karl-Heinz Tritschler, Wolfgang Fechtig, als Spielertrainerin Daniela Vetter und heute Harald Adelbrecht. Über die Grenzen hinaus machte die 1. Damenmannschaft von sich Reden, als sie 2008 mit und unter Daniela Vetter den Aufstieg von der Landes- in die Verbandsliga schaffte. Als wichtige Stützen der Mannschaften hielten die "Hoggmädels" aus Bonndorf, Sandra, Dennis und Kathrin, sportlich wie kameradschaftlich dem Verein die Treue. Bei Aktivitäten außerhalb des Sportbetriebes, am Dorf- und Schlossfest, bei Theateraufführungen, Mannschaftsausflügen entpuppten sich die vielen Fußballerinnen als wertvolle Stützen und brachten viel Freude und Harmonie, neue Fans und Sponsoren in die bis dahin reine Männersportangelegenheit. Die Bereitschaft, ehrenamtliche Verantwortung zu übernehmen, dokumentiert sich mit Denis Hogg als derzeitige Schriftführerin im Vorstandsgremium.

Das zweistündige Training

Das Training gestaltete sich überaus unterhaltsam. Dabei hielten sich Übungen zur körperlichen Fitness, zur Ballbehandlung, Gymnastikeinheiten und "gemütliches" Auslaufen die Waage. Auch die Gruppengrößen wechselten von paarweise, über Fünfer- oder Zehnergruppen, bis hin zu einem am Ende abschließenden kurzen Fußballspiel. Überraschend gut harmonierten erfahrene Spielerinnen mit einigen Neueinsteigerinnen. Trotz hoher Laufarbeit hatten die Fußballerinnen viel Spaß, beispielsweise bei Teamübungen. Beim Schusstraining, mit vorangestellter Kombination, bekamen die Zaungäste einige sehenswerte Abschlüsse von exzellenter Wucht und Präzision serviert. Harald Adelbrecht, ständig auf Ballhöhe, verteilte seine gelben Leibchen immer wieder neu. Dabei dirigierte, ermunterte oder korrigierte seine "Mädels" und schaffte es bis zum Ende mit "Auf geht’s, jetzt noch eine Minute" die letzten Energiereserven zu mobilisieren.

Schnupperresonanz

Drei junge Frauen verfolgten von den Zuschauerbänkchen aus das Treiben auf dem Rasen. Steffie Blattert und Harald Adelbrecht begrüßten sie und unterhielten sich mit ihnen, konnten sie jedoch nicht zu einem Mitmachen überreden. Dafür schauten sie umso interessierter zu, was ihnen da an Fußball, Spaß und Können geboten wurde. "Unsere Namen sind Roksana, Aleksandra und Dagmare", so viel verrieten sie im Gespräch mit der Badischen Zeitung, "und wir stammen aus Polen und wohnen im Moment in Weizen". Ob daraus neue Spielermädels für den SV Dillendorf werden, muss sich erst noch zeigen.

Wo geht die Reise hin?

Bis auf ganz wenige Ausnahmen kommen die Fußballerinnen der 1. und 2. Mannschaft des SV Dillendorf von auswärts; aus Bonndorf, Wangen, Ewattingen, Stühlingen, Münchingen, Lausheim und aus der benachbarten Schweiz. Sie treffen sich in Dillendorf regelmäßig am Montag und Mittwoch um 19 Uhr zum gemeinsamen Training. Zu den üblichen Trainingseinheiten gesellten sich während der Vorbereitung zusätzliche Termine. Dem Training am Samstag in Dillendorf folgte tags drauf ein weiteres in Ewattingen. Dies hatte Harald Adelbrecht eingefädelt, weil in Dillendorf, wegen des Clubhausumbaus, keine Duschmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Freundschaftsspiele als weitere Vorbereitungsvariante sind demnächst gegen den FC Reiselfingen und den FC Riedöschingen terminiert, ebenso steht das Pokalspiel gegen den SV Hänner im Terminkalender. Ihr erstes Heimspiel mit Rundbeginn bestreitet die 1. Mannschaft nach dem Abstieg aus der Landes- in der Bezirksliga am 11.9. gegen den TuS Binzen I. Die zweite Mannschaft spielt in einer 9er-Staffel der Kreisliga Ost. Und obwohl einige hervorragende Spielerinnen die Mannschaft verließen, oft auch berufsbedingt, sind die Verantwortlichen guten Mutes für das bevorstehende Spieljahr 2016/17. Dass der Verein für die Zukunft seines Damenfußballs eine aktive Jugendarbeit benötigen würde, darüber gibt es keine Zweifel. Ob die Bildung einer Spielergemeinschaft oder solo bessere Zukunftsperspektiven bietet, lässt sich nicht ohne weiteres beantworten.

Und am Abend dann...

Nach dem Training, da stürzten sich die Mädels in einen von Fans und Spielern der Aktiven errichteten, mit einem echten Feuer aufgeheizten, beleuchteten und mit Schaum bedeckten Whirlpool am Rande des Sportplatzes. Die aufwändige Aktion der Jungs als Spaß und Ersatz für den Ausfall der sonst zur Verfügung stehenden Duschen fand bei den müde und abgekämpften Mädels helle Begeisterung. Anschließend erfreuten sich alle an den von Rainer Lippold gegrillten Gemüse- und Fleischspießen und dem üppigen Salatbuffet im Clubhaus. Ja, wenn Fußball-Mädels feiern...

Autor: Erhard Morath