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23. Februar 2012
Olympische Spiele
Boxerinnen: Kein Rock im Ring
Zum ersten Mal dürfen Boxerinnen in diesem Jahr um olympische Medaillen kämpfen. Doch die Idee, dass sie dabei Röcke statt Shorts tragen sollen, ist offenbar vom Tisch.
OTTAWA/LONDON. Zum ersten Mal dürfen Boxerinnen in diesem Jahr um olympische Medaillen kämpfen. Im Vorfeld wurde über die richtige Bekleidung für die Athletinnen diskutiert – dabei gab es auch Überlegungen, dass alle Boxerinnen im Rock in den Ring steigen sollten. Ching-Kuo Wu, der Präsident des internationalen Amateurboxverbandes (Aiba) teilte Anfang der Woche mit, dass den Athletinnen freigestellt werden soll, ob sie nun Shorts oder Röcke tragen wollen. "Manche Frauen wollen Hosen, manche wollen Röcke. Daher lassen wir es offen, weil sich viele Boxerinnen noch nicht entschieden haben", sagte Wu. Offiziell entschieden sei dies allerdings noch nicht, sagt Aiba-Sprecher Sebastian Gillot. In diesen Tagen finde im Büro des Aiba-Exekutivkomitees eine elektronische Abstimmung statt und erst danach werde die Entscheidung offiziell, teilte Gillot auf Anfrage der Badischen Zeitung mit.
In der Boxwelt war das Thema in den vergangenen Wochen kontrovers diskutiert worden. Zahlreiche Boxerinnen, die in London bei der Premiere des Frauenboxens als olympische Sportart im Ring stehen wollen, hatten sich gegen die Pflicht ausgesprochen, einen Rock tragen zu müssen. Die britische BBC zitierte etwa Irlands dreifache Weltmeisterin Katie Taylor mit den Worten: "Ich trage keinen Minirock wenn ich ausgehe, daher werde ich definitiv auch keinen im Ring tragen." Die indische Boxerin Mary Kom dagegen sagte, im Tennis und Badminton würden Frauen Röcke tragen, "warum dann nicht auch Boxerinnen?"
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Wie die BBC weiter berichtete, galt bei der europäischen Boxmeisterschaft in Rotterdam im Herbst 2011 bereits die Empfehlung, dass Boxerinnen Röcke tragen sollten, um sie von Männern zu unterscheiden. Allerdings folgten dieser Empfehlung nur zwei Länder – Polen und Rumänien. Der Vorschlag sei vom Aiba gekommen, gewissermaßen als erster Schritt, dies zur Regel bei internationalen Veranstaltungen zu machen, so die BBC. Der Verband habe Sportbekleidung auch zur Verfügung gestellt, dies sei aber nur ein Angebot gewesen.
Eine der Frauen, die von Beginn an gegen die Idee Sturm gelaufen ist, ist Elizabeth Plank. Als sie von den Überlegungen in den Boxverbänden hörte, startete die 22-jährige Kanadierin sogar eine Onlinepetition gegen den Rockzwang. 58 383 Menschen unterzeichneten sie. Plank selbst wäre von einer solchen Vorschrift zwar nicht betroffen, da sie als Hobbyboxerin nur einmal pro Woche im Fitnessstudio in den Ring steigt. Dennoch ärgerte sich die junge Frau aus Montreal, die seit Herbst an der London School of Economics Sozialpolitik und Genderstudies studiert, über den nach ihrer Ansicht sexistischen Vorschlag. Die Aiba scheine Frauenboxen in der viktorianischen Ära halten zu wollen, so Plank. "Diese lächerliche Empfehlung hat nichts mit Sport zu tun sondern dient nur dem Aufrechterhalten von geschlechtsspezifischen Stereotypen", sagte sie. Dass ihre Petition so viele Unterstützer gefunden hat, freut sie natürlich. Und noch mehr freut es sie, dass die Boxerinnen in London nun offenbar die freie Wahl haben sollen. Es sei ihr nicht um ein Stück Stoff gegangen, sondern um Glaubwürdigkeit, so Plank. "Wenn ich etwas vom Boxen gelernt habe, dann das: Wenn jemand auf dich einschlägt, dann ist Rückzug keine Option. Man steht auf und kämpft."
Autor: Gerd Braune
