Große Bühne für Gaukler und Musiker

skk

Von skk

Di, 28. August 2018

Bräunlingen

16. Straßenmusiksonntag startet mit Traumwetter / Tausende Besucher strömen in die Zähringerstadt / Programm bietet Unterhaltung für alle Generationen.

Bräunlingen (guy/wur). Sie kurvt zwar auf ihrem Einrad zum dritten Mal über den Bräunlinger Asphalt, aber heute ist etwas neu: Denn der zehn Monate alte Oskar, erlebte beim Papa auf dem Schoß den Auftritt von Maria, der Gauklertochter, von der Seite her mit. Mit ihrem Mix aus Jonglage, Reimen und Musik bezaubert die Stuttgarterin ihr Publikum, für das sie ein dickes Lob bereit hält: Bräunlingen etwas Besonderes, denn es sei selten, dass sich um ihre Aufführung herum so schnell ein Kreis begeisterter Menschen bilde.

Sein kleiner Stand ist stets umringt: vorne die Kinder, dahinter die Erwachsenen. Denn seine Ware ist filigran, bunt und wendig. Benno Benneter lässt seine Holzkreisel tanzen. Der Waldarbeiter aus Boll bei Bonndorf bietet, bemalt oder unbemalt, die Früchte seines Winterhobbys feil. An seiner Drechselbank aus Gußeisen drechselt er in der kalten Jahreszeit aus vorwiegend einheimischen Holzsorten Kreisel unterschiedlicher Größe. Den Kreisel aus dem Holz der Mehlbeere umschließen drei Ringe. Dreht sich der Magier perfekt, wandern sie am Mittenstab nach oben. Das klappt nicht immer.

Neben der Lotto-Bühne an den Brändbach-Terrassen gibt es die Möglichkeit, sich an dem Glücksspiel zu versuchen. An einer Wand sind 49 kleine Holzkästen aufgebaut, aus denen es gilt, die sechs Richtigen zu wählen. Mit etwas Glück, winkt auch ein entsprechender Preis. Zwar keine Million, aber auch Kleinvieh macht Mist. Bürgermeister Micha Bächle scheint dabei ein gutes Händchen zu haben. Nicht jedes Kästchen beinhaltet auch einen Preis. Die Nummern des Bräunlinger Bürgermeisters sind jedoch alle ein Erfolg: ein paar Kugelschreiber hier, ein paar Gummibärchen da, und schließlich auch eine hübsche Sonnenbrille. Wenn er jetzt die Millionen gewinnt, "dann ist der Stadthaushalt gerettet", scherzt Bächle.

Der Straßenmusiksonntag beginnt am Samstagabend mit den Kleinkunstpreisträgern Gogol und Mäx. Trotz sinkender Temperaturen und vereinzelten Regenschauern locken sie die Besucher zahlreich zu sich an die Hauptbühne vor dem Bräunlinger Rathaus. Nicht ohne Grund: Sie sind einfach gut und ziehen das Publikum immer weiter in ihren Bann.

Schaut ein Besucher auf den Auftrittsplan der verschiedenen Künstler in den Bräunlinger Straßen und Gassen, dann geht er womöglich davon aus, dass eine Stadtmusik ein ganz klassisches Programm bietet. Verschiedene Musikstücke, eine Polka, ein paar Märsche. Wie man es von vielen Konzerten eben kennt. Die Gäste aus Bräunlingens Partnerstadt Bannewitz belehren die Besucher da jedoch eines Besseren. Sie sorgen in der Dekan-Metz-Straße für Unterhaltung. Und da kann es schon mal Musik geben, die sehr psychedelisch klingt, ein Free-Jazz nach Bannewitzer Art, mit Violine, Trompete, Schlagzeug und Essstäbchen, dass sie Saiten der Gitarre zum Klingen bringt.

Walter Scheuble aus Aasen, besser bekannt als Dä Barde vu dä Baar, hat ein eigenes Lied für den Straßenmusiksonntag gedichtet. Beim Empfang zum Festauftakt am Samstagabend sorgt er damit im Rathaus für Stimmung. Und der ganze Ratssaal singt mit: "Z'Briilingä isch Suntig, dä letzte im Auguscht, jeder packt siin Krempel, de Musikant die Luscht. Klänge und Gerüche fülled iisri Luft, heut könnt ihr sie genießen, morge ischs verpufft."