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02. Dezember 2014 16:27 Uhr

In der Vogesenstraße wird gebohrt

35 Schutzbrunnen im Polder Kulturwehr Breisach

Die Bohrungen für die 35 Schutzbrunnen in Breisach und Hochstetten haben begonnen. Interessierte konnten sich vor Ort ein Bild von den Arbeiten machen.

  1. Mit schwerem Gerät wurde an der Vogesenstraße ein 17 Meter tiefer Brunnen gebohrt, der der Grundwassersicherung dient. Foto: Hans-Jochen Voigt

An der Vogesenstraße in Breisach in der Nähe des Baugebiets "Untere Gärten" stehen seit einigen Tagen ein über 50 Tonnen schwerer Kran sowie anderes schweres Baugerät mit etwa 26 Tonnen Gewicht. Die Fahrbahn ist halbseitig gesperrt, der Boden unter dem Kran wurde teilweise ausgekoffert und danach verstärkt, damit das Baugerät einen sicheren Stand hat. Hier und in Hochstetten wird mit dem Bohrungen für die Schutzbrunnen im Zusammenhang mit dem Rückhalteraum "Kulturwehr Breisach" begonnen.

Information für die Bürger
Das Regierungspräsidium Freiburg hatte die Bürger eingeladen, um über das Bauvorhaben zu informieren. Etwa 70 Interessierte, hauptsächlich Anwohner der geplanten Bohrstellen, kamen und taten in den Fragen auch ihre Besorgnis kund. Grund für die Arbeiten ist der Beginn der geplanten Schutzbrunnenbohrungen in Breisach und Hochstetten. Das Land Baden-Württemberg als Betreiber des Rückhalteraums Kulturwehr Breisach will mit den Schutzbrunnen dafür sorgen, dass es bei Betrieb des Rückhaltebeckens nicht zu zusätzlichen Grundwasseranstiegen kommt. Zwischen Basel und Mannheim sind 13 Rückhalteräume geplant. "Kulturwehr Breisach" ist einer davon. Mit den Bauarbeiten wurde im Juli 2013 begonnen. Damit bei künftigen Flutungen des Rückhalteraumes die Keller in Hochstetten und Breisach nicht nass werden, sind sogenannte Grundwasserhaltungen geplant.

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35 Brunnen insgesamt
Zur Grundwasserhaltung sollen 17 Brunnen in Breisach und 18 Brunnen in Hochstetten gebohrt werden. In einem ersten Schritt wurden bereits Erkundungsbohrungen vorgenommen, danach wurden die Brunnen geplant. Jetzt wurde mit dem Bau eines von sieben sogenannten Referenzbrunnen an der Vogesenstraße begonnen, die Arbeiten werden von der Firma Hölscher-Wasserbau aus Haren/Ems ausgeführt. Mit Pumpversuchen sollen die Leistungsfähigkeit der Brunnen getestet und die hydraulischen Kerngrößen des Grundwasserleiters überprüft werden.

Joachim Misselwitz ist der zuständige Projektleiter beim Regierungspräsidium Freiburg. Er betonte, dass die Grundwasserstände mit den Maßnahmen lediglich tief gehalten, aber nicht abgesenkt würden. Es gehe darum, Schäden zu vermeiden. Misselwitz verwies auf das bestehende Verschlechterungsverbot. Im Umkreis von 15 Metern hätten unabhängige Sachverständige den jetzigen Zustand der Häuser aufgenommen, so dass bei möglichen Schäden die Beweislage eindeutig sei. Die Brunnen könnten zwischen 80 und 100 Liter Wasser pro Sekunde abpumpen. Zunächst würden sieben von insgesamt 35 Brunnen für die Versuche zur Verfügung stehen mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern.

Wasserbauingenieur Torben Ott vom Regierungspräsidium erklärte, dass der Brunnen an der Vogesenstraße 17 Meter tief werde, einer der Brunnen in Hochstetten werde bis zu 27 Meter tief.

Die Baufirma
Bernhard Kathmann ist Bauleiter und Brunnenbaumeister der Firma Hölscher. Die halbseitige Sperrung der Vogesenstraße sei notwendig, damit der Kran keine Gefahr bildet, erklärte er. Schließlich seien die Bohrteile pro Rohr sieben Tonnen schwer. Durch stetiges Versetzen von rechts nach links würden die Rohre in den Boden getrieben. Danach werde der Aushub mit einem Greifer entnommen und untersucht. Ein Edelstahlrohr mit einem Durchmesser von 1,2 Metern bildet den Filter.

Es wird von außen mit sehr feinem Kies umgeben, der Kies werde verdichtet. Die mögliche Sandentnahme beim Betrieb des Brunnens liege bei 0,1 Milligramm pro 1000 Liter Wasser. Anders würde der Brunnen nicht abgenommen oder in Betrieb gehen. "Es wäre fatal, wenn der Boden abgesenkt wird", sagte Kathmann.

Viele Fragen
Viele Fragen beschäftigten die Teilnehmer der Veranstaltung. "Wann geht es richtig los?", wollte zum Beispiel Lothar Neumann von der Bürgerinitiative für eine verträgliche Retention wissen. Misselwitz versicherte, dass mit der Grundwasserabsenkung erst begonnen werde, wenn alle Brunnen betriebsbereit seien. Schon jetzt würden an den angrenzenden Gebäuden Messungen vorgenommen, die alles aufzeichneten, auch im Vorfeld. Werner Schadwinkel von der Ingenieursgesellschaft Unger informierte, dass die Schläuche, die sogenannten "fliegenden Leitungen", zunächst in die öffentliche Kanalisation abgeleitet würden, das sei bis Weihnachten abgeschlossen. Im neuen Jahr würden erste Brunnenversuche stattfinden.

An den Grundwassermessstellen werde der Wasserstand kontinuierlich registriert. Wenn der Brunnen fertiggestellt sei, würden aus dem Erdreich nur noch der Brunnenkopf, ein Pegel und ein Schaltstellenschrank herausragen. "Geräusche werden Sie nicht hören", versprach der Ingenieur.

Es werde weitere Beeinträchtigungen geben, denn die Straßen müssten aufgerissen werden, um eine Druckwasserleitung, die Stromleitung und die Steuerleitung zu verlegen. Der Grundwasserstand werde so gehalten, dass die Keller der Häuser nicht nass werden. Die Pegelstände seien öffentlich, jeder könne sich informieren.

Auch bei Stromausfall sei vorgesorgt. Einerseits gäbe es Pufferzonen, andererseits könne die Stromversorgung kurzfristig überbrückt werden. Das zurzeit über die Straße angebrachte Rohr diene lediglich der Sicherung einer elektrischen Leitung, das sei so vorgeschrieben.

Autor: Hans-Jochen Voigt