Die Dimensionen von Gut und Böse

Breisacher Festspiele begeistern mit "Robin Hood"

Frank Kreutner

Von Frank Kreutner

So, 14. Juni 2015 um 19:05 Uhr

Breisach

Großartiges Freilichttheater gab es am Samstag auf der Bühne auf dem Breisacher Schlossberg bei der Premiere des Abendstücks zu sehen.

BREISACH. Zwei Stunden lang entführte das Ensemble der Breisacher Festspiele seine Besucher in die mittelalterliche Welt um Robin Hood und ließ die Legende um den unvergessenen Helden unserer Kindertage in einer überaus kreativen und begeisternden Art und Weise wieder auferstehen.

Sehr schnell findet man sich als Zuschauer gefühlsmäßig nicht mehr auf den Zuschauerrängen, sondern mitten in Sherwood Forest wieder, der Heimat jener Gesetzlosen, die sich unter der Führung von Robin Hood (Moses Scherer) gegen das tyrannische Regime des Sheriffs von Nottingham (Harald Bürgin) und seines ihm treu ergebenen Adjutanten Guy von Gisborne (Frank Ganz) erfolgreich zur Wehr setzen. Es ist aber nicht der ohnehin allseits bekannte Plot, der die Aufführung zu einem echten Theatererlebnis werden lässt, sondern vor allem auch das ausgeprägte Gespür für die gekonnte und schlüssige Darstellung der Charaktere, auf die Regisseur Armin Kuner in seiner Bühnenfassung besonderen Wert gelegt hat. Natürlich steht die Auseinandersetzung des Guten mit dem Bösen im Vordergrund. Aber selbst der Kristallisationspunkt alles Bösen, der Sheriff von Nottingham als grimmig finsterer Steuereintreiber,von Bürgin absolut ideal besetzt, ist in gewisser Weise auch ein Getriebener. Getrieben vom eigenen Ehrgeiz, getrieben von den hohen Ansprüchen seiner Frau (von Simone Engist mit einer Schauder erregenden Kälte dargestellt), getrieben auch von seiner Sexualität, die für ihn letztlich auch nur ein Bereich ist, um Gehorsam einzufordern und Macht auszuüben.

Nicht nur ein Sozialrevolutionär

Aber auch das Gute, in der Figur Robin Hoods fokussiert, ist von Kuner nicht eindimensional angelegt. Seine Jugendliebe Marian (Nadja Humbach) macht dies deutlich, wenn sie ihm vorwirft, dass er lieber als jugendlicher Held auf dem Kreuzzug tätig war, als der unterjochten englischen Bevölkerung beizustehen und überhaupt, sie habe ihn sowieso eher als verzogenen Angeber in Erinnerung.

Dass er sich dann aber doch zum Sozialrevolutionär entwickelt, der die Frage, wie die Güter in einer Gesellschaft gerecht zu verteilen wären, auf seine ganz spezielle Art und Weise löst, ist letztlich auch der ungeheuren Brutalität geschuldet, mit der die Obrigkeit gegenüber ihrem Volk agiert. Besonders bezeichnend dafür ist eine Szene, in der die Schergen des Sheriffs wie eine Naturkatastrophe in die Idylle des Dorflebens einbrechen und innerhalb weniger Augenblicke eine Spur der Verwüstung hinter sich lassen. Es fließt viel Theaterblut an diesem Abend als sichtbarer Ausdruck einer monströsen Aggressivität.

Wunderbare Freundschaft zweier Outlaws

Dass es aber dennoch an diesem Abend auch viel zu lachen gibt, ohne dass dieser Humor im Umfeld des dargestellten Terrors als unangemessen empfunden wird, ist sicherlich eine ganz besondere Leistung des Teams um Regisseur Kuner. Dass ausgerechnet Robin Hoods Stockschlag in den Genitalbereich von Little John (Jakob Stubert) die wunderbare Freundschaft der beiden Outlaws begründet, amüsiert genauso wie das "Schicksal" des ob seiner zweifelhaften Sangeskünste an einen Baum gebundenen Barden Alan (Troubadix lässt grüßen).

Zum Schmunzeln auch das Miteinander von Robin Hood und seinem orientalischen Gefährten Taweel (Abraham Avedikian) und natürlich die couragierten Auftritte von Schwester Gwendolyn (Alexandra Großklaus), dem in der Breisacher Inszenierung weiblichen Gegenstück zum Outlaw Friar Tuck, die die Freunde mit ihren Hirschkeulen zu begeistern weiß.

Ein dickes Kompliment gebührt der überzeugenden Gestaltung der verschiedenen Kampfszenen. Hier hat Herrmann Leppert als Trainer hervorragende Arbeit geleistet. Gleiches ist für das Bühnenbild (Stephanie Breidenstein) zu konstatieren. Besonders beeindruckend dabei die Gestaltung des burgähnlichen Aufbaus, der die rechte Seite der Bühne dominiert und durch den vorwiegend die Bösewichte ihre Auf- und Abgänge gestalten, wobei diese, unterstützt durch eine dämonische Beleuchtung fast wie Auftritte aus der Hölle wirken. Überhaupt nutzt das Produktionsteam gerade nach der Pause die besonderen Möglichkeiten der beleuchteten Freiluftbühne. Besonders beeindruckend ist dies in den Szenen, in denen der Sheriff von Nottingham in einen magischen Dialog mit den Hexen tritt. Vieles kann nur am Rande gestreift werden. Sei es das die Rolle der Kirche im Mittelalter entlarvende Spiel des Bischofs (Detlef Langer) oder das facettenreiche Agieren des betrügerischen Prinzen John (Ben Lambracht). Und um Liebe geht es nicht zuletzt auch noch. Zum Schlussbild haben sich gleich drei Paare gefunden, die bezeichnenderweise neben den drei dahingemeuchelten Bösewichten in die gemeinsame Zukunft starten.

Ein Fotoalbum zum Abendstück der Breisacher Festspiele gibt es unter http://www.badische-zeitung.de

Weitere Spieltermine

Juni: 20./27.

Juli: 4./5./ 11./12./18./19./25./26.

August: 15./16./22./23./29./30.

September: 5./6./12.

Beginn: jeweils um 20 Uhr auf der Freilichtbühne auf dem Münsterberg

Vorverkauf: Breisach Touristik, BZ-Geschäftsstellen, http://www.festspiele-breisach.de Tickethotline 01805/700733 Preise: 12 bis 16 Euro.