Einigkeit macht stark und mutig

Das Junge Theater der Festspiele feiert mit "Die Bremer Stadtmusikanten" eine überaus gelungene Premiere

Kai Kricheldorff

Von Kai Kricheldorff

Mo, 20. Juni 2016 um 16:24 Uhr

Breisach

Enthusiastisch feierte am Sonntag das Publikum die Darsteller des Jungen Theaters der Breisacher Festspiele. Diese hatten die Premiere der "Bremer Stadtmusikanten" temporeich, schlagfertig und humorvoll gestaltet. Dabei gab es auch einige Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen.

Zusammenhalt und Solidarität
"Die Bremer Stadtmusikanten", das Märchen der Gebrüder Grimm, darf als Lehrstück für den vielzitierten Satz "Einigkeit macht stark" gelten. Mut allein reicht nicht aus, brenzlige Situationen zu meistern. Zusammenhalt und Solidarität gehören dazu. Auf der Freilichtbühne auf dem Breisacher Schlossberg hat Peter W. Hermanns nach der fabelartigen Grimm´schen Vorlage eine dynamische Inszenierung vorgelegt, die genau diese Moral anschaulich und stimmungsvoll über die Rampe bringt.

Es droht ein schlimmes Schicksal
Dem unerschütterlichen Esel Beppo (Judith Stubert), der listigen Katze Lissy (Minja Bilharz), dem ängstlichen Hund Hasso (Lion Ganz) und dem cleveren Hahn Caruso (Robin Schächtele) droht auf ihrem Bauernhof dasselbe schlimme Schicksal. Sie sollen als nutzlos aussortiert werden. Bauer Manfred (Jörg Thiedig), sprachlich ein bisschen ungeschickt, will seinen Hof "modernieren", seine Gattin Martha (Silvana Ganz) plant die Anschaffung eines Traktors und träumt davon, mit Lissy einen Schönheitswettbewerb für Katzen zu gewinnen. Die Müllerin Hanna (Hannelore Stubert) hat vor, aus ihrem Esel Salami zu machen.

Viele witzige Dialoge
Bauer Manfred kettet den Hund an und trachtet mit seiner Flinte dem Hahn Caruso nach dem Leben. Schnell merken die vier Tiere, dass ihre Überlebenschancen auf dem Hof schwinden, und beschließen zu fliehen. Der ängstliche Hasso zögert. "Wir wollen weg", sagt die Katze. "Wo ist weg?", fragt der Hund. "Weg ist anderswo", lautet die Antwort. "Anderswo will ich nicht hin", zieht Hasso den Schwanz ein, schließt sich dann aber doch den drei anderen Tieren an. Regisseur Hermanns macht aus dem Gegensatz von Hund und Katze einen Spaß, der sich mit witzigen Dialogen durch das ganze Stück zieht.

Räuber haben keine Chance
Die vier so unterschiedlichen Tiere treffen auf eine Gruppe von Musikern, dessen Anführer, ein Multiinstrumentalist, lieber ins Schauspielfach wechselt. Das Quartett löst sich auf, das Instrument bleibt herrenlos liegen. Esel, Hund, Katze und Hahn eignen es sich an, freilich ohne darauf musizieren zu können. "Auf nach Bremen", lautet ihre Devise. Nun erleben sie eine Reihe von gefährlichen Abenteuern. Mit ihrem musikalischen Lärm schlagen sie eine erschreckte Räuberbande in die Flucht. Eine Schar hungriger Wölfe lauert ihnen auf. "Ah es gibt Haustiere a la Carte", schwärmt einer von ihnen zähnefletschend. Aber zu früh gefreut. Als die schrägen Klänge der Stadtmusikanten erklingen, fällt die Wolfsmeute in Ohnmacht. Die Vier können weiterziehen und treffen bald erneut auf die Räuberbande, die es sich bei einem Gelage gut gehen lässt. Schließlich schlafen sie alle ein, auch den beiden Wachen fallen die Augen zu. Da können sich Beppo, Hasso, Lizzy und Caruso ins nächtliche Räuberlager schleichen und sie mit ohrenbetäubender Musik in die Flucht schlagen.

Gemeinsam wird ein Haus gebaut
Nun haben die Stadtmusikanten die Lektion gelernt, dass ein gemeinsames Ziel sie vereint, trotz aller Unterschiedlichkeit. Der zurückkehrenden Räuberschar jagen sie listig nochmals so viel Angst ein, dass diese schnell das Weite sucht. Der kluge Caruso macht den drei anderen Stadtmusikanten deutlich, dass sie von nun an nicht mehr nach Bremen fliehen, sondern in die Hansestadt reisen wollen. Aber Esel, Hund und Katze entscheiden sich mehrheitlich dafür, an Ort und Stelle zu bleiben und ein gemeinsames Haus zu bauen. Henne, Küken, die Familie, die Caruso auf dem Hof zurückgelassen hat, stellen sich ein und wenn sie nicht gestorben sind …

Rockige Rhythmen
Regisseur Peter W. Hermanns hat auch die Bühnenfassung für das Märchen geschrieben und das Stück in einem zügigen Rhythmus inszeniert. Da gibt es weder Atempausen noch Leerstellen, der Spannungsbogen bleibt elastisch. Das Premierenpublikum hatte daran seine helle Freude, für das Ensemble stellte es eine hohe Herausforderung dar, die es gekonnt umzusetzen verstand. Sehr gut abgestimmt waren auch die verschiedenen Gruppenauftritte mit den Hühnern, Nachbarn, Wölfen, Musikern und Räubern, vor allem aber den sieben aufgetakelten Frauen der Jury des Katzenschönheitswettbewerbs. Stephanie Breidenstein hatte alle Darsteller in wunderbare und schnell identifizierbare Kostüme gesteckt. Die Musik, die Sascha Bendiks für das Stück beisteuerte, überzeugt mit eingängigem Mundharmonikaspiel und rockigen Rhythmen. Das Bühnenbild des Abendstückes wird zum Teil auch für "Die Bremer Stadtmusikanten" verwendet, geschickt inszeniert Hermanns die aufwendige Kulissenschieberei zu einem darstellerischen und musikalischen Fest. So unterhält und erfreut dieses Stück Zuschauer aller Generationen.

Weitere Aufführungen der "Bremer Stadtmusikanten": 26. Juni, 3., 10., 17. und 24. Juli, 21. und 28. August, 4. und 11. September
Info und Kartenvorverkauf: http://www.festpiele-breisach.de Tickethotline: 01805/700733, Breisach-Touristik, Geschäftsstellen der Badischen Zeitung