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25. Januar 2013

Delikate Hornklänge im Winzerkeller

Hornisten der Musikhochschule Stuttgart unterstützten mit einem Benefizkonzert Münsterbauverein und Martin-Bucer-Gemeinde.

  1. Die Hornklasse der Musikhochschule Stuttgart gastierte unter der Leitung von Professor Christian Lampert im Badischen Winzerkeller in Breisach. Mitspielen durften bei zwei Stücken auch Schüler der Jugendmusikschule westlicher Kaiserstuhl/Tuniberg. Foto: claudia müller

BREISACH. Bereits zum 6. Mal fand im Badischen Winzerkeller ein Benefizkonzert mit der Hornklasse der Musikhochschule Stuttgart unter der Leitung von Professor Christian Lampert statt. Die Musiker spielten ohne Honorar, die Spenden der Konzertbesucher gehen in diesem Jahr an den Münsterbauverein zur Sanierung des Stephansmünsters sowie an die Martin-Bucer-Gemeinde für die Renovierung des Gemeindehauses.

Das Konzert wurde als "musikalischer Baustein" vom Münsterbauverein in Kooperation mit der Pfarrei St. Stephan, der Jugendmusikschule westlicher Kaiserstuhl-Tuniberg und dem Kunstkreis Radbrunnen veranstaltet.

Statt edler Weine durften die zahlreichen Besucher dieses Mal im Winzerkeller feine Klänge verkosten. 7 Hornisten, frühere und jetzige Schüler von Lampert, sowie der Professor selbst boten einen wahren Ohrenschmaus. Dass das Trichtermundstück die Intonation auf dem Horn üblicherweise zu einer heiklen Angelegenheit macht, war den Klängen nicht anzuhören.

Vibrato, Triller, gestopfte, gehauchte und gestoßene Töne – was da scheinbar mühelos durch Windungen gepresst wurde und aus dem Trichter schallte, war äußert plastisch gestalteter Atem. Nur die kurzen Verschnaufpausen, die sich die Musiker nach jedem Stück erbeten hatten und die Dr. Erwin Grom, Vorsitzender des Münsterbauvereins, mit sachkundiger und kurzweiliger Moderation füllte, verrieten, dass Hornspiel musikalische Arbeit ist.

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Doch nicht nur die technische Vielfalt überraschte. Mal licht und fragil, mal dumpf-verzweifelt oder komödiantisch zeigte das Horn im Solo und im kammermusikalischen Zusammenspiel seinen verblüffend wandlungsfähigen Charakter. Besonders intim "Lascia ch’io pianga", die Klage-Arie der Almirena aus Händels Barockoper "Rinaldo", die derzeit auch im Großen Haus in Freiburg gespielt wird.

In der Bearbeitung für vier Hörner von Lamperts ehemaligem Schüler Stephan Schottstädt – so in Freiburg sicher nicht zu hören – klang das obertonreiche Instrument nahezu so schlank wie ein barocker lyrischer Sopran. Mit Stücken vom Barock bis zur Moderne durchschritt das Programm innerhalb von 2 Stunden die Musikepochen. Auf Hörnern, Waldhörnern, hohem Horn, tiefem Horn und auf Wagnertuben unternahmen die Musiker die Vermessung der Klangwelt Horn.

Zeitweise standen 24 Hornisten auf der Bühne

An den einzelnen Instrumenten waren Christian Lampert, Hanna Dippon, Christina Kloft, Marlene Pschorr, Jennifer Sabini, Lena Wik, Felix Baur und der gebürtige Breisacher Martin Grom zu hören, Korrepetitorin war Masako Eguchi. Bei zwei Stücken gesellten sich Hornschüler der Musikschule zu den Profimusikern, so dass zeitweise 24 Hornisten zugleich auf der Bühne standen.

Am Ende des Konzertes verlangten die Besucher zwei Zugaben, sie schätzten wohl die musikalischen Delikatessen. "Wein und Musik gehören einfach zusammen – beides ist Kunst", befand auch Grom, und so bedankte er sich bei den Musikern selbstverständlich mit einem Weinpräsent.

Autor: Claudia Müller