Der holprige Weg zur Liebe

"Die Schöne und das Biest" – tolle Premiere des Jungen Theaters der Festspiele Breisach

Frank Kreutner

Von Frank Kreutner

Mo, 17. Juni 2013 um 16:17 Uhr

Breisach

Eine wunderschöne Liebesgeschichte erlebten begeisterte Premierenbesucher am Sonntagmittag auf dem Breisacher Schlossberg beim Jungen Theater der Festspiele.

BREISACH. Gezeigt wurde die von Regisseur Peter Willi Hermanns geschriebene Bühnenfassung des französischen Volksmärchens "Die Schöne und das Biest".

Schon zum neunten Mal in Folge führt Hermanns beim Jungen Theater der Festspielgemeinschaft Breisach die Regie und wieder ist ihm eine Meisterleistung gelungen. Sein Gespür dafür, aus dem märchenhaften Originaltext ein eigenständiges und ganz auf die Voraussetzungen der Breisacher Festspielbühne zugeschnittenes Werk entstehen zu lassen, das von einem ausgeprägten Sinn für Humor und originellen Einfällen geprägt ist, garantiert auch in diesem Jahr ein begeisterndes Theatererlebnis für Jung und Alt.

Viele lustige Szenen

Es ist ein Stück über den holprigen Weg zur Liebe. Der in ein Monster verwandelte Prinz (Jakob Stubert) muss die Liebe eines Mädchens (Laura Engist) erringen, um von seiner unansehnlichen Gestalt erlöst zu werden.

Beiden Akteuren gelingt es auf äußerst überzeugende Weise, dieses einfache und bekannte Märchenmotiv mit einer großen Variationsbreite von dargestellten Gefühlen umzusetzen. Drei Mal lehnt die Schöne, die zu Beginn nur im Schloss bleibt, um ihren Bruder Antoine (Lion Ganz) vor der Strafe des Schlossherrn zu retten, den Heiratsantrag des Biestes ab. Im Laufe des Geschehens, in dem Belle zunehmend einen positiven Einfluss auf den verwandelten Prinzen ausübt, entdeckt sie dann aber doch allmählich ihre wahren Gefühle zum vermeintlichen Monster.

Unterstützt werden die beiden auf ihrem schwierigen Weg zum gemeinsamen Glück von einer ganzen Reihe köstlich angelegter Figuren. Die beiden Statuen Amor und Bacchus (Alina Bürgin und Samuel Czerwinski) sorgen genauso wie Koko Kompost (Lina Bürgin) und ihr Parfüm Fäulnis Nr. 5 sowie Brunhilde, dem Brunnen (Angela Libal), für viele lustige Szenen. Ein Höhepunkt ist dabei sicher der Versuch von Amor und Bacchus, dem Biest vor dem geplanten Abendessen mit der Schönen die passenden Umgangsformen beizubringen. Ein herzliches Lachen provozieren auch die vielen liebevoll kostümierten Schafe, die Belle eigentlich den ersehnten Schlaf bringen sollen, sie dann aber doch eher davon abhalten.

Die Originalität und Vielfalt der Kostüme allein, für die Stefanie Kunert verantwortlich ist, lohnen den Besuch auf dem Breisacher Festspielgelände: Das Trio Adorable, schwebende Kleider, Reisigbesen und Dalmatiner, schier unerschöpflich scheint der Einfallsreichtum zu sein, der von den Damen der Nähstube in Kostüme umzusetzen war.

Beeindruckendes Bühnenbild

Während sich die Bühne in wenigen Augenblicken in einen beeindruckenden Festsaal verwandelt – für das Bühnenbild verantwortlich ist Stephanie Breidenstein –, bevölkern eine Vielzahl von Personen mit im wahrsten Sinne sprechenden Kostümen die Szenerie: die Servietten, der Koch, der Schneebesen, der Quirl, Salz und Pfeffer und die Obstschüssel. Sehr beeindruckend auch die Darstellung der sieben Rosen, die auf der Empore des Schlosses nacheinander verblühen, während Belle bei ihrem kranken Vater weilt und das Biest zunehmend in eine die Zuschauer berührende Traurigkeit versinkt.

Aus dieser Traurigkeit wird es aber sehr schnell gerissen, als Belle doch wieder zurückkehrt und ihm ihre Liebe gesteht. Es folgt der Hochzeitstanz und in Sekundenschnelle wird aus dem Biest der Prinz. Wie das bewerkstelligt wird, sei an dieser Stelle aber nicht verraten. Das sollten die Zuschauer genauso selbst entdecken wie viele andere liebevolle Details, die mit dazu beitragen, dass Kinder wie Erwachsene bei den weiteren Vorstellungen garantiert einen unvergesslichen Theaternachmittag erleben werden.

Ein Fotoalbum zur Aufführung von "Die Schöne und das Biest" gibt es im Internet unter http://www.badische-zeitung.de

Spieltermine

"Die Schöne und das Biest"

Weitere Aufführungen: 23. und 30. Juni, 7., 14. und 21. Juli, 18. und 25. August, 1. und 8. September; Beginn ist jeweils um 15 Uhr; außerdem gibt es am 30. August um 19 Uhr eine Abendvorstellung.