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10. Juli 2010 17:59 Uhr

Europatage in Breisach

Die Stadt feiert mit Freunden die europäische Idee

Mit einem würdigen Festakt in der Stadthalle sowie zahlreichen Veranstaltungen in der Stadt hat Breisach am Wochenende den 60. Jahrestag der Europaabstimmung sowie seine Partnerschaften mit Saint-Louis, Neuf-Brisach und dem polnischen Oswiecim gefeiert.

  1. Breisachs Bürgermeister Oliver Rein (rechts) und Janusz Marszalek, Stadtoberhaupt von Oswiecim, besiegelten noch einmal die Städtepartnerschaft. Foto: Kai Kricheldorff

  2. Viele Ehrengäste kamen zum Festakt. Foto: Kai Kricheldorff

  3. Bürgermeister Oliver Rein (rechts) bedankte sich bei Erwin Teufel mit einem Geschenk. Foto: Kai Kricheldorff

  4. Jean Ueberschlag, Bürgermeister von Saint-Louis, trug sich ins Goldene Buch der Stadt Breisach ein. Foto: Kai Kricheldorff

  5. Richard Alvarez, Bürgermeister von Neuf-Brisach, trug sich ins goldene Buch der Stadt Breisach ein. Foto: Kai Kricheldorff

  6. Schüler befragten Zeitzeugen zu Europa. Foto: Kai Kricheldorff

BREISACH. Trotz tropischer Temperaturen war die Stimmung bei den Europatagen gut, allerdings kamen bislang weniger Besucher als erwartet.

Beim Festakt am Freitagabend standen vor allem die Europaabstimmung vom 9. Juli 1950, der 50. Geburtstag der Städtepartnerschaft mit Saint-Louis, das zehnjährige Bestehen der Jumelage mit Neuf-Brisach und die vor einem Jahr ins Leben gerufene Partnerschaft mit Oswiecim, dem ehemaligen Auschwitz, im Mittelpunkt. Zahlreiche Gäste aus den Partnerstädten wohnten der Feier bei. Den Festvortrag hielt der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel.

"Vor 60 Jahren hat Breisach eine herausragende Pionierrolle im europäischen Einigungsprozess übernommen, weil es sich schon damals als ’Brücke zu Europa’ verstanden und sich in der ersten Europaabstimmung überhaupt nahezu einstimmig zu einem vereinten Europa bekannt hat", sagte Breisachs Bürgermeister Oliver Rein in seiner Begrüßungsrede. Ausdrücklich hob er die seit einem halben Jahrhundert bestehende Jumelage mit Saint- Louis hervor. Ihr Zustandekommen bezeichnete er als "eine insbesondere von Frankreich ausgehende Bereitschaft, die Hand zur Versöhnung zu reichen".

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Neuf-Brisach und Breisach seien geschichtlich untrennbar miteinander verbunden, betonte Rein, als er die zehnjährige Partnerschaft zur Nachbarstadt auf der anderen Rheinseite würdigte. Alt-Breisach sei nur komplett mit Neuf-Brisach und umgekehrt sei es wohl ähnlich, meinte Rein. Er lobte auch die Verbindung mit Oswiecim. Breisach sei stolz darauf, mit der Stadt in Polen eine Partnerschaft unterhalten zu dürfen.

"Wir sind Mitglieder einer Familie der zukunftsorientierten Städte", sagte Jean Ueberschlag, Bürgermeister von Saint-Louis, mit Blick auf die vier Partnerstädte aus drei Ländern. Er zitierte die Vision des Schriftstellers Victor Hugo (1802-1885): "Der Rhein muss von einer Trennlinie zur Nahtstelle eines brüderlichen Kontinents werden." Sein Kollege Richard Alvarez aus Neuf-Brisach betonte die vielen gemeinsamen Projekte, die die beiden Nachbar- und Partnerstädte im Rheintal bereits miteinander angeschoben haben – etwa in den Bereichen Schulen und Tourismus. "Es lebe die Freundschaft unter uns allen und unter den Ländern der Welt", betonte er am Schluss seiner Rede.

Schüler befragten Zeitzeugen

Auf Deutsch begann Bürgermeister Janusz Marszalek aus Oswiecim sein Grußwort. Professor Werner Nickolai vom Verein "Für die Zukunft lernen" und Bernd Werneth vom SV Breisach hätten, so Marszalek, die ersten Kontakte zu Oswiecim hergestellt und damit die Wurzeln für die seit 2009 bestehende Partnerschaft gelegt. In der 40 000-Einwohnerstadt in Südpolen befand sich während des Zweiten Weltkrieges das Vernichtungslager Auschwitz. Über Kopfhörer konnten die ausländischen Gäste die Ansprachen in Polnisch, Französisch oder Deutsch verfolgen.

"Schüler befragen Zeitzeugen", hieß die von Karl-Anton Hanagarth moderierte Podiumsdiskussion in der Stadthalle, bei der Nora Steinhäuser und Gerhard Gehring vom Martin-Schongauer-Gymnasium Fragen an Maurice Zimmerlé (ehemaliger Bürgermeister von Neuf-Brisach), Josef Werthle (früherer Hauptamtsleiter von Saint-Louis) und die Breisacher Altbürgermeister Fritz Schanno und Alfred Vonarb richteten. "Wir sagen immer grenzüberschreitend, aber eigentlich muss es doch rheinüberschreitend heißen", merkte Zimmerlé an. Der 92-jährige Schanno wies darauf hin, dass Breisach immer eine internationale Stadt gewesen sei und deshalb auch seine Städtepartnerschaften pflege und mit Leben erfülle.

Kritischer sah das sein Nachfolger Alfred Vonarb. Er wünschte sich ein größeres Interesse von den Bürgern für die Partnerstädte und in den Breisacher Medien mehr Berichte über das Geschehen in den Nachbargemeinden auf der anderen Rheinseite. Josef Werthle aus Saint-Louis mahnte, die Idee der europäischen Einigung müsse "jeden Tag neu eingepflanzt werden".

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt

Die Bürgermeister der drei Partnerstädte sowie Erwin Teufel trugen sich abschließend ins Goldene Buch der Stadt Breisach ein. Dabei wurden auch Geschenke ausgetauscht. Rein und Marszalek unterschrieben auch noch einmal die Partnerschaftsurkunde. Am Schluss des zweieinhalb Stunden dauernden Festaktes, den die Chorgemeinschaft Breisach und der Stadtmusikverein musikalisch umrahmten, stand die Festrede von Erwin Teufel (siehe weiteren Bericht auf dieser Seite).

Beethovens "Ode an die Freude", zu der sich alle Gäste von ihren Plätzen erhoben und mitsangen, beschloss den feierlichen Abend in der sehr warmen Stadthalle. Danach traf man sich zum sommerlichen Stehempfang im benachbarten Schulhof.

Bei der offiziellen Eröffnung der Europatage am Samstagmittag erinnerte Rein noch einmal an die denkwürdige Abstimmung vom 9. Juli 1950, bei der sich fast alle Breisacher für ein vereintes Europa ausgesprochen hatten. "Breisach hat zurecht als erste deutsche Stadt den Ehrentitel Europastadt verliehen bekommen", betonte er. Darauf seien er und die Bürger stolz, ebenso auf die Partnerschaften mit Saint-Louis, Neuf-Brisach und Oswiecim.

Der Bürgermeister dankte allen, die an dem Programm der Europatage mitwirken, allerdings habe es Petrus mit 39 Grad Hitze doch etwas zu gut mit den Breisachern gemeint.

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Autor: Kai Kricheldorff und Gerold Zink