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29. Januar 2014

Ein denkwürdiger Musikabend

Die Hornklasse der Musikhochschule Stuttgart gab im Badischen Winzerkeller ein Benefizkonzert / 400 Zuhörer waren begeistert.

  1. Als Meister ihres Fachs zeigten sich die Mitglieder der Hornklasse der Musikhochschule Stuttgart bei ihrem Benefizkonzert im Badischen Winzerkeller in Breisach. Foto: kai kricheldorff

BREISACH. Fulminanter Auftakt des Breisacher Musikjahres 2014 im Hansjakob-Hof des Badischen Winzerkellers: Vor 400 begeisterten Zuhörern konzertierte zum 6. Mal die Hornklasse der Musikhochschule Stuttgart unter Leitung von Professor Christian Lampert in der Europastadt. Ensemble und Publikum stifteten damit einen weiteren "musikalischen Baustein" für das St. Stephansmünster, denn die Musiker verzichteten auf ihre Gagen und die Zuhörer spendeten angesichts des meisterlichen Konzerts gerne großzügig für den guten Zweck.

Mit der Suite aus der Wassermusik von Georg Friedrich Händel ließen die Hornisten, allesamt sind sie Mitglieder renommierter Orchester in Deutschland und Luxemburg, ihre Extraklasse aufblitzen. Zuversicht und Freude strahlt die bekannte Händel-Komposition aus. Frisch wie der Morgentau, spritzig wie Kaiserstühler Wein und leicht wie eine Feder erklang das Zusammenspiel der Hornisten.

Samtweiche Tonfolgen, sehnsuchtsvoller Nachhall, spielerische Melodien und manchmal leichte Ironie bestimmten die Taugenichts-Suite für Hornsextett von Bernhard Krol. Der zeitgenössische Komponist hat sich die gleichnamige Eichendorff-Novelle als Vorlage für sein Tonwerk gewählt.

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Eine der Musikerinnen las zwischen den Sätzen die Verse des Dichters, von denen der letzte "…haben Durst genug, das kommt vom Musizieren" überschrieben war. Eine ebenso nette wie eindeutige Anspielung auf den Aufführungsort des Konzerts.

Technisch sehr anspruchsvoll, musikalisch aber eher ein wenig statisch, folgte das aus 3 Sätzen bestehende Hornquartett des Amerikaners Kerry Turner. Sehr originell die kurze, vom Komponisten erdachte und von Hanna Grom ausgeführte Einlage. Die Hornistin ist die Schwiegertochter des Konzertorganisators Dr. Erwin Grom, der auch Mitglied im Vorstand des Münsterbauvereins Breisach ist. Sie legte kurz ihr Horn beiseite, um pfeifend die anderen Musiker zu begleiten.

Die konzertante Musik für Hornoktett von Jan Koetsier beschloss den ersten Teil. Das symphonisch klingende Werk verdeutlichte die perfekt aufeinander abgestimmten Klangfarben des aus jungen Meisterschülern bestehenden Hornensembles. Stellenweise entlockten sie ihren Instrumenten dabei auch ziemlich abgefahrene blecherne Töne, die manchen Musikliebhaber vielleicht erschauern ließen. Möglicherweise eine kleine Schocktherapie des Komponisten.

Auch Hornisten der Jugendmusikschule spielten

In der zweiten Konzerthälfte kamen dann die Klassikfans auf ihre Kosten. 10 Hörner spielten die Ouvertüre zu "Nabucco" von Giuseppe Verdi. Alle Register von Lebhaftigkeit, Leidenschaft und Emotionalität der italienischen Operntradition packte das Ensemble in dieses Stück. Engelbert Humperdincks Oper "Hänsel und Gretel" für Hornoktett erlaubte ein Wiederhören mit den altbekannten Volksliedmelodien "Abends, wenn ich schlafen gehe" und "Ein Männlein steht im Walde".

Finale und Höhepunkt des Konzerts, das für die Musiker auch eine beträchtliche physische Anstrengung darstellte, war schließlich Richard Wagners "Rheingold-Fantasie", bei der das aus 4 Musikerinnen und 6 Musikern bestehende Hornensemble gemeinsam auf dem Podium stand.

Verführerisch, einschmeichelnd, sanft, elegant, aber auch mystisch, schwermütig, streng und machtvoll erhob sich der Klang des mit Perfektion und Spiellust musizierenden Hörnerensembles bei dieser Wagner-Interpretation.

Am Ende gab es 2 Zugaben, darunter "Der Mond ist aufgegangen", bei dem die hervorragenden Musikerinnen und Musiker ein zweites Mal an diesem Abend mit der Hornistenklasse der Jugendmusikschule zusammenspielten, und das Publikum den Klang eines aus 25 Instrumentalisten bestehendem Hornorchester genießen durfte. Ein denkwürdiger Konzertabend ging zu Ende.

Autor: Kai Kricheldorff