Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

30. November 2016

Emanze trifft auf Muttersöhnchen

Die Theatergruppe Oberrimsingen amüsierte mit der gekonnten Aufführung von "Die Stepphühner" ihr Publikum.

  1. Ramon (Mike Reichel) wurde von Dorles Pfeil (Tatjana Reichel, Zweite von links) zur Strecke gebracht. Dr. Apostel (Samir Ehret, knieend) ist keine Hilfe und auch den anderen (Silvia Wolf, Tanja Beggiato, Sandra Steidel und Enrico Beggiato, von links) bleibt nur entsetztes Staunen. Foto: MAnuela Schmitt

BREISACH-OBERRIMSINGEN. In leicht veränderter Zusammensetzung und zahlenmäßig gewachsen präsentierte die Theatergruppe Oberrimsingen ihr jährliches Stück. Fünf weibliche und vier männliche Darsteller führten mit beachtlicher Spiellust den Dreiakter "Die Stepphühner" von Herbert Bernd Spilling auf. Michael Helwig, der Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft, freute sich darüber, dass der Theaterabend nunmehr wieder zu einem festen Bestandteil im Veranstaltungskalender von Oberrimsingen geworden sei.

Was passiert wohl, wenn eine streitbare Emanze zusammen mit ihren treuen Freundinnen sowohl auf ein verzweifeltes Muttersöhnchen auf Partnersuche als auch auf einen italienischen Vorzeigemacho trifft? Richtig – die Turbulenzen und Zusammenstöße sind vorprogrammiert. Und das Ganze wird keineswegs besser, wenn zwei geschäftstüchtige Schwestern in ihrer Pension ein echtes finanzielles Interesse an der Verkuppelung der beiden Geschlechter haben.

Die Grundidee des Stückes ist also ebenso einfach wie erfolgversprechend, vor allem dann, wenn man den Theaterspielern in jeder Szene die Freude am Ausgestalten der sich ergebenden Situationen anmerkt.

Werbung


Die Pension "Seeblick mit Finesse" wird von der geschäftstüchtigen Agnes (Silvia Wolf) geführt. Ihre Schwester Gila (Traudel Joos) ist mit ihrer Onlinepartnervermittlung "Sweet Honeymoon" weniger erfolgreich, was die amüsierten Zuschauer nicht unbedingt wundert, wenn sie die empörten Schilderungen ihres einzigen Kunden Guido Dünnbier (Enrico Beggiato) hören.

Wer sollte ein Kinderzelt auf dem Parkplatz neben dem Glascontainer schon als ideale Ausgangslage für die erfolgreiche Partnersuche betrachten? Aber das Eintreffen von Wiebke, der Frauenrechtlerin (Sandra Steidle), und ihren beiden Freundinnen Leocadia (Tanja Beggiato) und Dorle (Tatjana Reichel) lässt ihn seine Pläne zur Abreise vergessen, auch wenn die Drei ihr Desinteresse mehr als deutlich machen.

Witwe wird zur Femme fatale
Noch komplizierter wird die Situation aber durch Ramon (Mike Reichel), den italienischen Barkeeper, den Agnes eigens zur Betreuung ihrer weiblichen Kundinnen engagiert hat. Ramon lässt die Herzen aller anwesenden Damen nur so dahinschmelzen. Die dauertrauernde Leocadia tauscht ihr Witwengewand gegen ein gewagtes Outfit und wird zur Femme fatale.

Dorle denkt plötzlich an etwas anderes als nur an ihre Fernsehserien und "stilles Wasser null-drei" und selbst Wiebke findet Männer gar nicht mehr so schlimm. In ihrer Begeisterung für den Barkeeper mit dem deutsch-italienischen Kauderwelsch schrecken sie nicht einmal davor zurück, ihre Freundinnen in ein möglichst schlechtes Licht zu rücken.

Das bietet reichlich Gelegenheit, die Zuschauer mit flotten Sprüchen und gelenkigen Verrenkungen – grandios, wie Dorle immer wieder versucht, einen Barhocker zu erklimmen – zum Lachen zu bringen. Trotzdem scheitern alle Drei bei ihren Annäherungsversuchen und Ramon steht von Mal zu Mal ramponierter auf der Bühne. Er wird von Dorles Pfeil getroffen, mit Wiebkes Walkingstock aufgespießt und gerät durch die Angelschnur von Leocardia in einen Schwarm angriffslustiger Schwäne.

Da kann ihm auch der eher feuchtfröhliche als kompetente Dr. von Apostel (Samir Ehret) nicht helfen. Ramon kündigt fristlos und lässt sich abholen – der Anblick seines Freundes (gespielt vom Überraschungsgast Tamás Vati) wird von allen Anwesenden mit sprachlosem Staunen und vom amüsierten Publikum mit begeistertem Gelächter kommentiert! "Du machst dir kein Bild!", hier passt Agnes´ Dauerspruch mit Sicherheit!

Weitere Mitstreiter gesucht
Langanhaltender Beifall war der Lohn für alle Schauspieler sowie für ihre Souffleusen Martina Mogel und Maria Fröhner. Helwig bedankte sich am Schluss zudem bei allen Helfern vor und hinter der Theke.

Die Theatergruppe selbst freut sich vor allem darüber, dass sie durch den Mitgliederzuwachs nunmehr ein größeres Repertoire an möglichen Stücken hat. Dabei machten sie nicht nur auf den ausliegenden Theaterprogrammen deutlich, dass sie sich auch über weitere Mitstreiter in der Gruppe freuen. Interessierte können sich an die Vereinsgemeinschaft Oberrimsingen wenden.

Autor: Manuela Schmitt