Eine quicklebendige Krimikomödie

Gelungene Festspielpremiere von "Mord im Pfarrhaus"

Frank Kreutner

Von Frank Kreutner

So, 13. Juni 2010 um 17:28 Uhr

Breisach

80 Jahre hat der Roman "Mord im Pfarrhaus" der "Queen of Crime", Agatha Christie, bereits auf dem Buckel, aber bei der Premiere der Festspiele Breisach am Samstag präsentierte sich die Bühnenbearbeitung dieser Kriminalkomödie als quicklebendig und durchaus amüsant.

BREISACH. Unter der Regie von Jesse Coston werden die Zuschauer auf der Freilichtbühne in ein komplexes Mordkomplott hineingezogen, das nur so strotzt vor falschen Fährten und Verdächtigen.

Ein äußerst schwieriger Fall für die Polizei, zumal sich auch noch zwei Menschen melden, die sich selbst des Mordes an dem wenig geliebten Richter Hampton bezichtigen: seine Frau Anne (Simone Engist) und auch deren Freund, der Fotograf Lawrence Redding (Udo Lange). Zu viele Ungereimtheiten also, als dass dieser Fall vom übereifrigen Inspektor Slack (Frank Ganz) gelöst werden könnte, denn eigentlich ist fast jeder, der auf der Bühne agiert, verdächtig und auch die Zuschauer tappen bezüglich der Identität des Täters bis zum Schluss im Dunkeln.

Aber es gibt ja noch Miss Jane Marple (Alexandra Großklaus), die in unmittelbarer Nähe des Tatorts wohnt und die letztlich triumphiert, wo Inspektor Slack und seine Polizeikollegen scheitern. Denn sie ist neugierig, ihr entgeht nichts, sie verfügt über einen ausgeprägten Spürsinn und vor allem arbeitet ihr Verstand stets auf Hochtouren, was dann schließlich auch dazu führt, dass die Schuldigen zum Schluss doch entlarvt werden können.

Wer denn nun das Verbrechen begangen hat, soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden, aber ohnehin ist es weniger der eigentliche Fall, der den Reiz der Inszenierung ausmacht, als vielmehr die liebevoll gezeichneten Charaktere und ihre schauspielerische Darstellung, bei der auch in diesem Jahr das hohe Niveau des Breisacher Amateurtheaters deutlich wird. An erster Stelle zu nennen ist natürlich die Figur der Miss Marple, die Regisseur Coston sehr stark am literarischen Vorbild anlehnt und nicht an der bekannten filmischen Gestaltung der Miss Marple durch Margaret Rutherford. Ständig präsent und mit einer gehörigen Portion Wortwitz versehen, agiert Reverend Leonard Clement (Wolf Aschmoneit), während seine Frau Griselda (Alexandra Laurenat) als undurchschaubare Persönlichkeit glänzt, die von ihrem Tennis spielenden Neffen Dennis (Valentin Oswald) überaus verehrt wird. Ganz offensichtlich etwas zu verbergen hat auch Pastor Ronald Hawes (Jürgen Röttele), der von Narkolepsie geplagt wird, die ihn in emotionalen Stresssituationen urplötzlich in tiefen Schlaf fallen lässt. Köstliche Wortgefechte mit Miss Marple liefert sich mit spitzer Zunge Martha Price Ridley (Andrea Löwl), die als Sprecherin eines recht skurrilen Komitees zur Vorbereitung eines Kirchenbasars wortgewaltig das Kommando führt. Die gute Seele des Pfarrhauses verkörpert das Hausmädchen Mary (Patricia Kaiser), das sein Herz wahrhaftig auf dem rechten Fleck hat. Etwas gewöhnungsbedürftig ist dabei aber, dass Mary in dem ansonsten doch recht britisch angelegten Ambiente des Stücks das breiteste Alemannisch spricht. Dr. John Haycock (Andreas Geyler) unterstützt als Arzt den Inspektor, der geflissentlich versucht, Miss Marples Beiträge zur Lösung des Falls zu ignorieren, aber beide tappen letztendlich im Dunkeln und müssen vor der Kombinationsgabe der neugierigen Miss Marple kapitulieren.

Das Bühnenbild ist in Schwarz-weiß gehalten

Auch Harry Archer (Fabian Imgraben) gehört als Wilddieb zum Kreis der Verdächtigen. Dem Liebling aller Frauen, Fotograf Lawrence Redding, sind mit Anne und Virginia Hampton (Simone Engist und Bianca Bürgin) gleichzeitig Stiefmutter und die extrem hormongesteuerte Stieftochter verfallen. Das ganze turbulente Geschehen entwickelt sich auf der von Stephanie Breidenstein gestalteten Bühne, die die Räumlichkeiten des Pfarrhauses überzeugend umsetzt und die vor allem auch durch ihre konsequente Schwarz-Weiß-Gestaltung Aufsehen erregt. Einziger Farbtupfer zu Beginn der Aufführung ist eine rote Pflanze, die dann später auch bei der Entlarvung des Täters eine Rolle spielt.

Das im Bühnenbild dominierende Schwarz-Weiß-Motiv greift Jesse Coston bei der Wahl der Kostüme auf, aber auch hierbei wird vor allem nach der Pause mit der Farbe Rot gespielt und man kann trefflich darüber spekulieren, welche Absichten das Produktionsteam damit verfolgt. Es gibt also auch in diesem Jahr wieder eine Menge Dinge auf der Breisacher Festspielbühne zu entdecken und angesichts der spannenden Unterhaltung, die auf dem Schlossberg geboten wird, brauchen die Akteure die anstehenden WM-Übertragungen wahrhaftig nicht als Konkurrenz zu fürchten.

Eine Fotogalerie von der Festspielpremiere der Krimikomödie "Mord im Pfarrhaus" finden Sie auf http://www.badische-zeitungde