Erfolgreiche Premiere

Junges Theater der Festspiele präsentiert einen wahrhaft höllischen Spaß

Frank Kreutner

Von Frank Kreutner

Mo, 20. Juni 2011 um 15:56 Uhr

Breisach

Einen im wahrsten Sinne des Wortes höllischen Spaß präsentierte das Junge Theater der Festspiele Breisach bei der Premiere des Grimmschen Märchens vom "Teufel mit den drei goldenen Haaren".

BREISACH. Dafür sorgten in ganz besonderem Maße der Teufel (Harald Bürgin) und dessen Großmutter (Elke Bürgin).

Großartig, wie Harald Bürgin alle möglichen Facetten des Höllenfürsten darstellt. Als Ball fressendes Monster, das spielenden Kindern ihr Spielzeug wegnimmt, zeigt er sich richtig böse. Und wenn er die Menschen mit Lastern wie Neid, Faulheit und Gier überzieht, auf dass diese so richtig sündig werden, dann ist er eine durch und durch diabolische Figur.

Augenblicke später mutiert er jedoch zu einer eher schreckhaften Person. Seine Fassade der Stärke zerbröckelt sehr schnell, vor allem, wenn seine nicht nur im übertragenen Sinn schlagfertige Großmutter mit wenigen Worten und Gesten unmissverständlich deutlich werden lässt, wer denn eigentlich in der Hölle das Sagen hat.

Und so ist es für sie auch ein Leichtes, ihren Enkel zu überlisten und ihm die drei goldenen Haare auszureißen, die der junge Paul braucht, um die Forderungen des Königs Heinrich I. (Thomas Schweizer) zu erfüllen, der seinen Schwiegersohn buchstäblich zur Hölle gewünscht hat.

Warum die Großmutter dem Menschen hilft, der in ihr Höllenreich eindringt, bleibt zwar im Dunkeln, was aber nicht eine Schwäche der Inszenierung von Regisseur Peter W. Hermanns ist, sondern in der Märchenvorlage der Gebrüder Grimm begründet liegt.

Unbeschwert und äußerst selbstbewusst geht Paul (Jakob Stubert) seinen Weg durch die Handlung. "Das Glück ist mir hold, ein Leben lang, ich bin halt ein Glückspilz", so erklärt er seine Art zu leben und konsequenterweise sind Probleme für ihn vor allem dazu da, möglichst schnell und unkompliziert aus dem Weg geräumt zu werden. "Zieh dich warm an, Teufel", lässt er beispielsweise vor seinem Gang in die Hölle seinen teuflischen Gegenspieler wissen und fast beiläufig löst er dank dessen großer Redseligkeit die schwer wiegenden Probleme ganzer Dorfgemeinschaften, ohne auch nur eine Sekunde an seinem Erfolg zu zweifeln. Fast zu selbstsicher wirkt Pauls Auftreten mitunter, aber auch seine dabei zum Ausdruck kommende grenzenlose Unbekümmertheit ist der grimmschen Vorlage geschuldet.

Beeindruckende schauspielerische Leistung

Der Garant für den gelungenen Theaternachmittag ist aber ohnehin nicht die Vorlage der Gebrüder Grimm, sondern die beeindruckende schauspielerische Leistung des gesamten Ensembles sowie die vielfältigen Regieeinfälle, die die Besucher zum Schmunzeln, Lachen und zum Staunen bringen.

So hat beispielsweise die Eheschließung zwischen Paul und der Prinzessin Pippa (Sophie Laurenat) ohne Frage das Zeug dazu, eine der schnellsten jemals in einem Theater dargestellten Hochzeiten zu werden.

Sehr amüsant und mit viel Liebe zum Detail sind auch die Auftritte der bunt zusammengewürfelten Räuberbande gestaltet, die sich, angeführt von der äußerst couragiert agierenden Räubermutter Babuschka (Angela Libal), lautstark und kraftstrotzend präsentiert.

Einer der humoristischen Höhepunkte ist sicherlich die Ghostbuster-Parodie, die der Teufel mit dem Schlossgespenst austrägt. Und selbst für die Freunde der eher schwarzen Variante des Humors wird einiges geboten. Dabei bleibt die Inszenierung aber immer ein Kinderstück, bei dem sich eben auch die Erwachsenen gut unterhalten können.

Perfekt eingebettet ist die Handlung in das Bühnenbild von Stephanie Breidenstein. Noch intensiver als beim Abendstück werden die großen Flügeltore genutzt, um sehr schnell neue Handlungsräume entstehen zu lassen. So vergeht kaum Zeit, um von der Hölle in die Räuberhöhle oder zum Schlossgarten zu gelangen, dem Schauplatz des abschließenden Happy End.

Das letzte Wort gehört dann aber doch dem teuflischen Paar aus der Hölle und auch zum Schluss macht Luzifer noch einmal mit der Schöpfkelle seiner Großmutter Bekanntschaft, die ihm seine Gier nach Menschenfleisch mit harten Bandagen und einem kräftigen Augenzwinkern in Richtung Publikum auszutreiben vermag.

Weitere Aufführungstermine sind der 26. Juni, der 3., 10., 17. und 24. Juli, der 21. und 28. August sowie der 4. und 11. September, jeweils um 15 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei den Geschäftsstellen der Badischen Zeitung oder auch online über reservix auf der Homepage der Festspiele Breisach unter http://www.festspiele-breisach.de

Ein Fotoalbum zum Kinderstück der Festspiele gibt es unter http://www.badische-zeitungde