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24. Juni 2009 15:07 Uhr
Junikäfer im Liebesrausch
Jeden Abend mit einsetzender Dämmerung geht es los. Zu Tausenden umschwärmen derzeit große Käfer die Baumkronen. Sie verhaken sich mit ihren Beinen auch gern an Menschen, weil sie sie für Bäume halten. 2009 ist wieder ein Junikäfer-Jahr.
Die Käfer sind zum Hochzeitsflug aus ihren Kokons in der Erde gekrabbelt und fliegen herum, um sich satt zu fressen. Zuvor haben sie zwei Jahre lang als wurmartige Made im Erdboden verbracht. Nach dem Schlüpfen bleibt ihnen nur wenig Zeit. Bis Mitte Juli müssen die Männchen ein Weibchen gefunden haben, um für Nachwuchs sorgen zu können. Ist ihre Aufgabe erfüllt, sterben die Tiere, die Männchen nach der Begattung, die Weibchen nach dem Ablegen der Eier.
RARITÄT IM RHEINTAL
Die Junikäfer gehören zur Familie der Blatthornkäfer, die weltweit 20000 und in Mitteleuropa 200 Arten zählen. Der bekannteste Vertreter ist der Maikäfer, der, wenn er in Massen vorkommt, ganze Wälder oder Maisäcker kahl fressen kann. Ältere dürften sich noch daran erinnern, dass sie in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg als Kinder Maikäfer von den Bäumen geschüttelt und eingesammelt haben.
Chemische Bekämpfungsmittel haben diesen Käfer mittlerweile zur Rarität werden lassen. Es gibt aber noch eine weitere Ursache für den Rückgang der Vorkommen speziell im Rheintal, und die ist auch für den Junikäfer relevant. Weil der Anteil der Wiesen zurückgegangen ist, fehlt es an Flächen, wo sich die Maden, umgangssprachlich auch Engerlinge genannt, in Ruhe im Boden entwickeln können.
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LECKERBISSEN FÜR VÖGEL
Denn Äcker werden mit dem Pflug, dem Grubber und Eggen bearbeitet. Dementsprechend treten die Blatthornkäfer heute vor allem dort auf, wo es noch ausgedehnte Wiesen- oder Rasenflächen gibt, im Dreisamtal etwa, wo die Rinderhaltung und damit die Wiesenbewirtschaftung noch verbreitet ist und wo der Freiburger Golfclub ein weitläufiges Rasengelände betreibt. Erfreut sind die Landwirte darüber nicht. Denn die Engerlinge sind Protein-Leckerbissen für Vögel. Im Spätsommer und Herbst etwa sind die Saatkrähen auf der Suche nach solchem Futter und sind mit ihren Schnäbeln in der Lage, eine kurz gemähte Wiese oder einen Rasen regelrecht umzudrehen.
KEINE SCHÄDLINGE
Als Blattfresser genießt der Junikäfer allerdings einen besseren Ruf als der etwas größere Maikäfer. "Diese Tiere ernähren sich auch vom Gewebe der Blätter, sind aber nicht als Schädlinge eingestuft", erklärt der Freiburger Zoologe Odwin Hoffrichter und weist darauf hin, dass die Schwärme auch von anderen Mitgliedern der Blatthornkäferfamilie durchsetzt sein können. Was umgangssprachlich als Junikäfer oder Amphimallon solstitialis bezeichnet wird, ist gelbbraun und kommt mit einer zotteligen Behaarung am 14 bis 18 Millimeter langen Körper daher, der Julikäfer ist etwas kleiner, heißt zoologisch Anomala dubia, hat einen grünen Kopf und gelbbräunliche Flügeldecken, wobei es auch vollständig grüne oder sogar blaue Varianten gibt.
SCHLECHTE FLIEGER
Odwin Hoffrichter nennt eine dritte, noch kleinere Art: Den Gartenlaubkäfer (Phyllopertha horticola), dessen Flügeldecken hellbraun gefärbt sind, während der Rest des Körpers metallisch schwarzgrün glänzt. Die umgangssprachlichen, auf Monate bezogene Namen, varieren. "Die Tiere halte sich nicht an unseren Kalender", sagt Hoffrichter. Weil sie allesamt im Vergleich zu anderen Käferfamilien recht groß sind, fallen sie auf, besonders durch ihr Flugverhalten. Sie torkeln regelrecht. "Das Fliegen ist nicht ihr Geschäft, sie steigen nur auf, um sich paaren zu können und um auf Bäume zu gelangen. Auf dem Boden bewegen sie sich sicherer", erläutert Hoffrichter.
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Autor: Silvia Faller
