Kunst mit Knalleffekt

Paul Klock

Von Paul Klock

Do, 21. Juni 2018

Breisach

Arbeiten des französischen Künstlers Joseph Kieffer sind derzeit im Kunstverein Radbrunnen zu sehen.

BREISACH. Es bewegt sich was im Breisacher Radbrunnen. Ganz davon abgesehen, dass sich dort kulturell immer was bewegt, bebt das historische Gebäude in sanften Schwingungen. Erzeugt von filigranen Körpernetzen und vielarmigen Gebilden, die schon bei einem leichten Luftzug in Bewegung geraten oder abzuheben scheinen. Urheber: Der französische Künstler Joseph Kieffer, der bis zum 22. Juli seine Werke aus verschiedenen Schaffensperioden ausstellt.

Darunter eine Explosionsvorrichtung, die im wahrsten Sinn des Wortes Türen und Fenster öffnet. Ergebnis einer explosiven Gas- und Sauerstoffmischung, die durch eine verlängerte Feuerzeugkonstruktion in Bewegung gesetzt wird. Ein Kunstwerk mit Knalleffekt sozusagen.

Joseph Kieffer liebt solche augenscheinlich absichtslose Kunstaktionen und -konstrukte. Und alles, was leicht, luftig und assoziativ ist. Das heißt, was nicht so manifest ist, dass es die Phantasie des Betrachters lähmen oder überfrachten könnte. Vielmehr versucht er, dessen Phantasie anzustoßen, sie im Kreis zu drehen, bis sich ein Gedanke, ein Gefühl, vielleicht sogar ein Erlebnis einstellt, und aus dem Kunstwerk etwas ganz persönliches macht.

Die ausgeprägte Handwerkskunst des ehemaligen Goldschmieds kommt dabei so spielerisch daher, dass man darüber gar nicht ins Staunen gerät, sondern sich voll auf die Objekte konzentrieren kann. Kein Wunder. "Meine Skulpturen reiben sich an anderen Künsten wie Musik, Tanz, Theater. Ich interessiere mich für Objekte in all ihren Formen. Ich verspüre bei der Arbeit eine besondere Energie und bin voller Ungeduld zu sehen, was dabei passiert." Schreibt er auf einem Interneteintrag. Und das spürt man. Da ist in der Tat wenig Gezwungenes, kein Gefühl etwas erreichen zu müssen, keine mühsame Auseinandersetzung, bei aller Arbeit, die ihm seine Objekte machen.

Und da gibt es noch eine Lesart, die ihn als Künstler in die Gegenwart einbindet. Betrachtet man zum Beispiel sein Totenkopf ähnliches Objekt, fällt auf, dass es wie eine digital erstellte dreidimensionale Abbildung aussieht, die frei im Raum zu schweben scheint. Ein Hologramm, das keine feste Räumlichkeit zu haben scheint. Ähnlich verhält es sich mit einer kleinen Figur in einer Nische und selbst mit der großen Pétanque-Installation im Eingangsbereich des Kunstvereins.

Die Arbeiten des 1982 geborenen und in Straßburg lebenden Joseph Kieffer leben quasi von ihrer Körperlosigkeit, sind flüchtig wie ein Gedanke, wie eine Idee, ein poetischer Einfall. Konzeptkunst im 21. Jahrhundert, unideologisch und, wenn man so will, auch frei von einem künstlerischen Auftrag. Ein interdisziplinäres Abenteuer mit grenzenlosem Horizont. Hier spielt jemand mit relativ einfachen Mitteln mit der Simulation postmoderner Kunstästhetik und katapultiert sie in eine kosmische Schwerelosigkeit, als bestünden die Artefakte am Ende aus nichts anderem als aus Licht.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 22. Juli, freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags sowie an Feiertagen von 11.30 bis 18 Uhr geöffnet.