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08. Februar 2012
Moderne Kirchenkunst, die eines Meisters würdig ist
Der Vorsitzende des Kunstkreises Radbrunnen, Emil Göggel, würdigte in seinem Vortrag im Gemeindezentrum St. Hildegard den Breisacher Künstler Helmut Lutz .
BREISACH (kff). Helmut Lutz ist der bekannteste zeitgenössische Breisacher Künstler. Seine Werke sind auch international anerkannt. Im vergangenen Jahr wurde er 70. Emil Göggel, ehemaliger Leiter des Martin-Schongauer-Gymnasiums, und als Vorsitzender des Kunstkreises Radbrunnen mit dem Werk von Lutz eng vertraut, hat jetzt einen wichtigen Ausschnitt aus dem Wirken des Künstlers in einem Vortrag näher beleuchtet und sein Gesamtwerk gewürdigt. "Ein halbes Leben für die Kirchenkunst" hatte Göggel sein Referat überschrieben, das er im Gemeindehaus St. Hildegard hielt.
Eine Überschrift, bei der sich die Frage nach der anderen Hälfte dieses so reichen und produktiven Künstlerlebens aufdrängt. Die Antwort gab am Ende des Abends Helmut Lutz selbst, als er darauf hinwies, dass es erst die Auftragsarbeiten für die Ausgestaltung und Renovierung von Kirchen waren, die die materielle Grundlage für sein weiteres künstlerisches Schaffen ermöglichten. Das gedankliche Gerüst, dem das kirchenkünstlerische Schaffen von Lutz zu Grunde liegt, beschrieb Göggel als die vom Künstler selbst gestellte Aufgabe, in seinen Arbeiten "tradierte Glaubensinhalte aufzunehmen und in die heutige Welt einzubinden". Anhand von Fotos zeigte er, dass Kraft und Lebendigkeit, die Verwendung unterschiedlicher Materialien und intensive Farbigkeit die Kirchenkunst von Lutz kennzeichnen. Die christliche Botschaft in einer gewalttätigen Welt gehört zu den Themen, mit denen er sich auseinandersetzt. Seine Verweise auf Krieg und Gewalt, Ausgrenzung und Gesichtslosigkeit kehren sich in der Auslegung vieler seiner Kunstwerke in eine Frage an den Betrachter um. Damit, so Göggel, schaffe Lutz eine Nähe zwischen der christlichen Botschaft, die seine Arbeiten ausdrückt, und den Betrachtern. Dass der Künstler auch auf aktuelle Geschehnisse Bezug nimmt, machte Göggel an einem Beispiel aus dem vergangenen Frühjahr deutlich. Damals arbeitete Lutz am Entwurf für die Glockenzier der neuen Glocke des Breisacher Münsters und ließ dabei unmittelbar seine Empfindungen über die Tsunami-Katastrophe und Reaktorunfall in Fukushima einfließen. Göggel gelang es, Intention und Aussage in den Werken des "überzeugten Europäers" Helmut Lutz zu erklären sowie die Inhalte der religiösen Symbolik zu entschlüsseln. Er hob die ausgeprägte Detailliebe des Künstlers hervor, dem er "Grenzen sprengende Meisterleistungen in der modernen Kirchenkunst" attestierte. "Mit seiner Kunst hat er Utopien zur Realität gemacht", schloss Göggel den Vortrag.
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Am Ende ergriff der Künstler das Wort und versicherte, dass sein Werk nicht die Arbeit eines Einzelnen ist, sondern er über die Jahre im Rahmen der von ihm gegründeten "Breisacher Schule" über 30 Künstler zur Seite hatte, die ihn bei seinen vielen großen Projekten unterstützten. Lutz gab eine Liebeserklärung für die Stadt ab, in der seine Kunst seit 40 Jahren entsteht: "Im Schatten des Breisacher Münsters zu arbeiten, ist ein großes Glück".
Besucher regten eine Exkursion zu Kirchen an, in denen Arbeiten von Lutz zu sehen sind. Sie spendeten, dem Aufruf Göggels folgend, großzügig für das Glockenprojekt der Pfarrgemeinde St. Stephan.
ZUR PERSON: HELMUT LUTZ
Der Maler, Bildhauer, Architekt und Choreograph wurde 1941 in Freiburg geboren. Er studierte Kunst an der Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe bei Hans Meyboden und Emil Wachter. Lutz arbeitet seit 1971 in Breisach.
Werke: Ausgestaltung und Renovierung von über 35 Kirchen in Süddeutschland und Österreich, darunter die 2007 fertiggestellte Wallfahrtskapelle "Maria Mutter Europas" in Bärenthal-Gnadenweiler (Landkreis Tuttlingen) sowie die großen Skulpturenanlagen "Sternenweg" (Sarajewo), Klangschiff "Im Augenblick" (Friedrichshafen), Radbühne (Neuf-Brisach) und die Bronzeplastik "Europa greift nach den Sternen" (Breisacher Münsterplatz).
Autor: kff
Autor: kff
