Ausstellung im Radbrunnen

Nachtbilder und üppige Waldansichten von Celso Martínez Naves

Kai Kricheldorff

Von Kai Kricheldorff

Di, 17. April 2018 um 15:03 Uhr

Breisach

Mit Celso Martínez Naves stellt der Kunstkreis Radbrunnen in seiner gleichnamigen Galerie auf dem Breisacher Münsterberg einen Maler aus, der seit vielen Jahren in Freiburg lebt.

Seine in Öl gemalten nächtlichen Ansichten von Straßen, Häfen oder Bahngleisen haben oft einen Bezug zu dieser Stadt. "Malerei – Stadt und Wald" ist die Ausstellung des aus der Region Asturien im Nordwesten Spaniens stammenden und in Karlsruhe und Freiburg akademisch ausgebildeten Künstlers und Kunsthistorikers überschrieben.

Architektonische Präzision
Martínez´ nächtliche Straßenszenen, Industrie- oder Verkehrsanlagen sind allesamt menschenleere Orte mit starker atmosphärischer Aufladung, die der Maler vor allem durch überlegte Lichtsetzung erzeugt. Was gemalte Realität zu sein scheint, stellt sich bei näherer Betrachtung als sorgfältig durchdachte Bildkomposition heraus. Martínez Naves inszeniert architektonische Präzision, hebt dabei aber sogleich diese Realität auf, indem er sich abstrakter Gestaltungsprinzipien bedient. Mit Pinseltupfern und zarten Strichen entstehen farbige Flächen, die seine Nachtbilder buchstäblich zum Leuchten bringen.

Oft wolkenverhangene Himmel, vielleicht von Dämmerung oder Mondschein erhellt, und die Szenerie von Straßenlampen, Leuchtreklamen und matten Lichtquellen aus Wohnungsfenstern beleuchtet, erzeugen sehr eindrückliche Stimmungen. Anders als viele kunsthistorisch prominente Nachtbilder strahlen sie bei Martinez Naves jedoch weder Bedrohlichkeit noch Depressivität aus. Vielmehr verdeutlichen sie Stille, Einsamkeit und vielleicht sogar Frieden.

Die Luftperspektive ist dem Maler wichtig. Martínez Naves malt sie, indem er seinen Bildern die Schärfe nimmt, kaum wahrnehmbar die Formen an den Rändern leicht verwischt und wie hingehaucht Staub, Dunst, Nebel oder Nieselregen über seine Motive legt. Seine Freiburg-Ansichten, vor allem die vom Münster, sind wie die anderen Nachtbilder nicht so sehr geographische Fixpunkte, sondern dienen zur atmosphärischen Verstärkung des dargestellten Ambientes, das viele Betrachter als angenehm und spannungsreich empfinden dürften.

Auf ganz andere Weise fängt Celsio Martínez Naves Stimmung in seinen "grünen Bildern" ein. Wie Momentaufnahmen in üppiger Farbigkeit, pastös auf die Leinwand aufgetragen, erscheinen die Waldansichten.

Reisen in viele Länder
Die Inspirationen für diese Bilder hat sich der Künstler bei Reisen in Südamerika, Thailand und Bayern sowie bei Wanderungen durch den Freiburger Sternwald geholt. Oft reliefartig verteilt er die Farben auf die Leinwand. So entstehen dichte, fast plastische Strukturen, die der Maler zu abstrakten Bildkompositionen vereint, bei denen der Ursprung von Wald und Natur stets erkennbar bleibt. Die bei der Vernissage geplante Einführung in die Werke des ausstellenden Künstlers durch die Kunstpädagogin Caroline Li-Li Yi musste kurzfristig ausfallen, da diese auf dem Weg nach Breisach einen Unfall erlitt. Ari Nahor, Breisacher Künstler und Vorstandsmitglied des Kunstkreises Radbrunnen, verlas daraufhin einen Text der Kunsthistorikerin Antje Lechleiter, als Laudatio auf Martínez Naves.

Die Ausstellung "Malerei – Stadt und Wald" mit Bildern von Celso Martínez Naves ist bis Sonntag, 27. Mai, im Radbrunnen auf dem Breisacher Münsterberg zu sehen. Die Öffnungszeiten: Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag sowie Sonn- und Feiertage 11.30 bis 18 Uhr.

Kontakt und weitere Infos: http://www.kunstkreis-radbrunnen.de www.martinez-naves.de