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14. Juni 2017

Treffsicher und souverän in Folk, Blues und Jazz

Viel versprechender Auftakt im Birkenmeier Forum: Die Sängerin Yana Bibb eröffnete die Kulturveranstaltungen in Niederrimsingen.

  1. Yana Bibb Foto: Reiner Kobe

BREISACH-NIEDERRIMSINGEN. Aus dem Auftritt auf der intim wirkenden Freilichtbühne im Skulpturengarten der Niederrimsinger Firma Birkenmeier wurde nichts. Der Himmel öffnete seine Schleusen, so dass die Gäste flugs ins Forum umziehen mussten, den im vergangenen Jahr eröffneten Veranstaltungssaal, einem quadratischen Glaskasten, der seine akustische Bewährungsprobe mit Bravour bestand. Dazu trug eine Stimme bei, die das Publikum im fast überfüllten Saal so schnell nicht vergessen wird. Yana Bibb zog es in ihren Bann, die in New York geborene, in Schweden aufgewachsene und nun in Zürich lebende Sängerin, die sich erstmals in der Regio vorstellte.

Über den durch den Umzug ins Forum bedingten späteren Beginn des Konzerts sang sie sympathisch mit "Not a minute too late" hinweg, dem Titelsong ihres vor drei Jahren erschienenen Debütalbums. Von Gesangslegenden wie Aretha Franklin, Ray Charles, Sarah Vaughan und besonders Nina Simone zeigte sich die knapp 30-Jährige beeinflusst, aber auch von Pop-Diven wie Whitney Houston und Mariah Carey, wie an diesem Abend deutlich wurde.

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Die internationale Beachtung der Sängerin ist freilich noch überschaubar, auch wenn die Veranstalter sie gern als "heißen Geheimtipp" handeln. Dass sie die Tochter Eric Bibbs ist, einem bekannten Country-Bluesmusiker, der seit Mitte der 1990er Jahre große Erfolge feiert, tut zunächst nichts zur Sache. "Mit Jazz kann ich meine kreative Seite besser zeigen als mit anderer Musik wie zum Beispiel Pop", sagte Yana Bibb im Interview. So navigierte sie souverän durch einen unablässigen Strom von Folk, Blues und Jazz in sparsamen Arrangements, emotional und treffsicher phrasierend.

Begleitet wurde sie von zwei Jazzmusikern, die sich in der Regio bereits einen guten Ruf erspielt haben – Bassist Andres Buchholz und Pianist Tilman Günther harmonierten glänzend mit der Sängerin. Dies ist umso erstaunlicher, als sich das Trio vor wenigen Tagen erstmals in einem Radio-Studio traf und nun offiziell Premiere feierte. Die kurzen Unterbrechungen zwischen den Liedern sorgten jeweils für den letzten Schliff. Sie Mit ihrer samtigen Altstimme bestimmte Yana Bibb den Abend, hin und wieder um Ausdruck ringend, aber stets lässig tänzelnd. Abwechslungsreich gestaltete sie den Reigen von Songs, die viel von Liebe und Zuwendung handelten. Einfühlsam interpretierte Bibb "Afternoon in Paris", den Titel ihres zweiten Albums und ein Stück ihres Onkels John Lewis, den Vordenker des unvergessenen Modern Jazz Quartet, zu dem sie selbst den Text schrieb. Dann eine klassisch anmutende schwedische Folk-Weise, das tiefgehende, spirituelle Gospel "For you" ihres Vaters, das Bossa affine "You and I", ein dahin gehauchtes Beatles-Cover "I will", den Benny-Goodman-Hit "Goodie Goodie" und schließlich "Before you go", eine dem komponierenden Großvater gewidmete zarte Ballade. Fein reduziertes Musizieren insgesamt, zu dem die beiden musikalischen Begleiter einen beachtlichen Beitrag leisteten. Ein viel versprechender Auftakt "einer losen Reihe von Kulturveranstaltungen", die das Birkenmeier Forum ankündigte.

Autor: Reiner Kobe