Shakespeare-Klassiker kommt gut an

Verspielt, witzig und turbulent: Tolle Premiere von "Was ihr wollt" auf der Festspielbühne

Frank Kreutner

Von Frank Kreutner

So, 11. Juni 2017 um 15:34 Uhr

Breisach

"Einen wunderschönen Theaterabend, von dem Sie begeistert sein werden", versprach Bürgermeister Oliver Rein in seinen Begrüßungsworten. Gute drei Stunden später war klar: Der Schirmherr der Breisacher Festspiele hatte dem erwartungsvollen Premierenpublikum wahrlich nicht zu viel versprochen.

Armin Kuners Bühnenfassung des Shakespeare-Klassikers "Was ihr wollt" wird in dieser Spielzeit ohne Zweifel für beste Unterhaltung auf der Breisacher Freilichtbühne sorgen.

Garantiertes Theatervergnügen
Dabei geht es, wie es der Vorsitzende der Breisacher Festspiele, Mirco Lambracht, in seinem Grußwort zum Ausdruck brachte, in Shakespeares meistgespielter Komödie doch im Wesentlichen "nur" um die Frage, wer denn am Ende wen bekomme und wie und warum. Wenn diese vermeintlich einfache Frage aber so frisch, verspielt, witzig und turbulent beantwortet wird, wie dies von den bestens aufgelegten Schauspielerinnen und Schauspielern der Breisacher Festspiele getan wird, ist Theatervergnügen garantiert.
Dabei verlangt Shakespeares komplizierte Liebeskomödie mit ihren Verwechslungen und Verwirrungen durchaus die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuschauer. Viola (Eva Hildebrand), adlige Überlebende eines Schiffsunglücks, strandet in Illyrien, wo Herzog Orsino (Mirco Lambracht) unsterblich in Gräfin Olivia (Eva Heitzmann) verliebt ist, die in Trauer um ihren verstorbenen Bruder aber den Männern abgeschworen hat. Als verkleideter Jüngling Cesario tritt Viola in die Dienste des Herzogs ein und übernimmt dabei auch die Aufgabe, der Gräfin die Liebesbotschaften des Herzogs zu überbringen. Diese verliebt sich in die als Mann verkleidete Viola und verwandelt sich sehr schnell vom Trauerkloß zur verführerischen Dame.

Zahlreiche Verwirrungen
Viola selbst findet aber großen Gefallen am Herzog, ohne ihm dies natürlich offenbaren zu können, weil dieser sie ja für einen Knaben hält. Erst das Auftauchen von Violas totgeglaubtem Zwillingsbruder Sebastian (Mike Meier) und das Aufeinandertreffen der Geschwister lösen schließlich die entstandenen Irrungen und Wirrungen der Liebe. Gräfin Olivia heiratet Sebastian und auch Herzog Orsino und Viola finden sich.
Alleine dieses Verwirrspiel um die verschiedenen Spielarten der Liebe würde einen vergnüglichen Theaterabend garantieren, Shakespeares Komödie bietet aber noch viel mehr. Für allergrößtes Vergnügen sorgt die Nebenhandlung um die Junker Tobias von Rülp (Ben Lambracht) und Andreas von Bleichenwang (Harald Bürgin). Knalligere Charaktere sind kaum vorstellbar, Lambracht gibt perfekt den ständig betrunkenen am Hofe Olivias agierenden Intriganten, Bürgin den gutmütigen Blödmann der Extraklasse. Zusammen mit den brillant agierenden Hofbediensteten Maria (Johanna Herdemerten), Fabiana (Patricia Kaiser) und Floriana (Madlen Kerkermeier) bilden sie ein Komödianten-Quintett, das einfach Spaß macht und auch dafür sorgt, dass keine Minute Langeweile auf der Breisacher Freilichtbühne aufkommt. Zielsicher agiert das Quintett auf dem doch schmalen Grat zwischen hintersinnigem und durchaus auch deftigem Humor, ohne dabei jemals flach zu werden. Und letztlich sind die fünf Akteure die Auslöser für die durchaus auch präsente eher tragische Seite des Werkes.

Lachen und leiden
Sie machen den ungeliebten Haushofmeister Malvolio (Frank Ganz) zur Zielscheibe eines bösen Streichs, indem sie ihn durch einen gefälschten Brief glauben lassen, Gräfin Olivia sei an ihm interessiert. Malvolio, von Ganz glänzend gespielt, ist in seinem Streben nach Macht zu jeder Selbstdemütigung bereit und wird damit zur Lachnummer des Abends. Und doch, wie er in gelben Strümpfen und mit Dauergrinsen auf Freiersfüßen wandelt, ist zwar einerseits ungeheuer komisch, sein Scheitern lässt ihn dann aber doch auch zu einer Art tragischen Figur werden, die durchaus auch Mitleid erweckt. Und als er in der großen Schlussszene, die ja allen anderen Beteiligten ein Happy End bietet, in seinen letzten Worten das "ganze Pack" zum Teufel wünscht und Rache schwört, ist dieses Mitleiden auf der Tribüne fast greifbar.

Ein Narr in Hochform
Auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf der Narr (Elke Bürgin), der mit verwirrenden, fast verschlüsselt wirkenden Sätzen, das Geschehen kommentiert. Oft gibt er sich zynisch, manchmal traurig, mit einer beeindruckenden schauspielerischen und stimmlichen Variationsbreite. Eine wirklich beeindruckende Darstellung von Bürgin.
Wichtig auch die Musik (Coco Buchholz), die die dekadente Gesellschaft des Vergnügens in Illyrien geschickt unterstreicht. Dazu kommt ein Bühnenbild (Stephanie Breidenstein), das mit seinen funktional genutzten überdimensionalen Obstdarstellungen seinen Beitrag zum Rund-Um-Genussabend auf dem Breisacher Schlossplatz leistet.

Ein Fotoalbum zu "Was ihr wollt" gibt es unter http://www.badische-zeitung.de



Weitere Spieltermine von "Was ihr wollt"

Juni:
17. / 24.
Juli: 1. / 2. / 8. / 9. / 15. / 16. / 22. / 23.
August: 12. / 13. / 19. / 20. / 26. / 27.
September: 2. / 3. / 9.

Preise: 12 bis 16 Euro

Beginn: jeweils um 20 Uhr

Vorverkauf: beim BZ-Karten-Service (http://bz-ticket.de/karten oder Telefon 0761/496-8888), bei allen BZ-Geschäftsstellen, bei der Breisach Touristik sowie an den Spielwochenenden ab 13 Uhr an der Festspielkasse, Telefon 07667/904760. Reservierungen für Gruppen ab 20 Personen sind nur über die Festspielhomepage möglich.