Vom Münsterberg zum Mondberg

Frank Kreutner

Von Frank Kreutner

Mi, 20. Juni 2012

Breisach

Das Kinderstück "Peterchens Mondfahrt" entführt bei den Breisacher Festspielen in himmlische Sphären.

BREISACH. "Von Zuhause bis auf den Mond, die Reise hat sich voll gelohnt". Mit diesem Lied endete die Premiere des Kinderstücks der Festspiele Breisach und als Besucher kann man nur voller Anerkennung ergänzen, dass sich die Reise zu dieser glanzvollen Inszenierung von "Peterchens Mondfahrt" mehr als gelohnt hat, auch wenn sie für die Zuschauer nur zur Bühne auf den Breisacher Münsterberg führte.

Regisseur Peter W. Hermanns, der die Bühnenfassung nach dem Märchen von Gerdt von Bassewitz geschrieben hat, ist bekannt dafür, dass es ihm immer wieder auf eindrucksvolle Weise gelingt, traditionellen Märchenstoffen neues Leben einzuhauchen, ohne die Grundanlage seiner literarischen Vorlage zu zerstören. Bei der diesjährigen Inszenierung ist ihm das in ganz besonderer Weise gelungen. So stellt er etwa geschickt Bezüge her zwischen der Geschichte des Maikäfers Bonifatius Sumsemann (Sarah Tiedig), der mit Unterstützung seiner Menschenfreunde Peter (Berthold Stegemann) und Anneliese (Alina Bürgin) sein sechstes Beinchen vom Mondberg zurückholen will, und der aktuellen Star-Wars Begeisterung der Kinder. Peters Bettwäsche entstammt dem aktuellen Fan-Katalog und sein Laserschwert begleitet die drei auf ihrer abenteuerlichen Reise zum Mond, in deren Verlauf sie einer Fülle von skurrilen, liebevoll gestalteten Figuren begegnen.

Den Auftakt macht das Sandmännchen (Angela Libal), pardon, der Sandmann ("Sandmann, nicht Sandmännchen verdammt noch mal"), der seine Traumfabrik wie ein mittelständisches Unternehmen durchorganisiert hat. Mit "Tonnenweise Sand", dem ersten einer ganzen Reihe von hitverdächtigen Songeinlagen, für die Sascha Bendiks verantwortlich zeichnet, beklagt der arme Sandmann sein hartes Unternehmerschicksal ("Alle wollen schlafen, alle wollen ruh’n, nur ich hab immer zu tun.").

Aber der Sandmann weiß auch über die Naturgewalten Bescheid, die zwar angeblich nicht gut auf die Menschen zu sprechen sind, die sich dann aber in der köstlichsten Szene des Stücks, in MC Luke Skyshakers (Harald Bürgin) Milchbar als durchaus gutherzig und hilfsbereit entpuppen. Regisseur Hermanns lässt seine Naturgewalten ein wahres Gag-Feuerwerk abbrennen: Frau Holle (Vivien Fritz) und Dr. Frost (Mike Meier) unterhalten sich über ihre Probleme mit dem Klimawandel ("Soll doch Bofrost meinen Job machen"). Frau Wind (Samara Binz), der im Moment etwas flau ist, wird vom Barkeeper mit einem doppelten Schirokko für ihre Aufgaben bei den Segelwettbewerben der Olympischen Spiele in London fit gemacht. Donny Donner (Thomas Schweizer) und Doria (Alexandra Laurenat) präsentieren Szenen einer Ehe und werfen bei Frau Holle die Frage auf, ob der Klimawandel wirklich deprimierender ist als eine eheliche Gemeinschaft.

Die Milchbar von Luke Skyshaker ist wirklich das Zentrum des Universums, und nicht nur das, sondern auch "der heißeste Platz im Sternenmeer, hier kannst du alles kriegen". Wir können nur darüber spekulieren, was Luke Skyshaker damit meint, Bonifatius Sumsemann bekommt auf jeden Fall den Rat, sich mit Hilfe der Mondrakete auf den Mondberg schießen zu lassen. Unterstützung erhalten er und seine beiden Freunde dabei von der majestätisch daher kommenden Nachtfee (Michaela Fritz), die nicht nur auf Grund ihres Kostüms, sondern auch mit ihrer gelungenen Gesangsdarbietung ("Steig ein") Assoziationen zur Königin der Nacht weckt.

So scheint auch alles gut zu gehen, wäre da nicht der Mann im Mond (Michael Stubert), der mit seiner überdimensionalen Axt für ein böses Ende zu sorgen scheint. Kurz vor dem finalen Schlag gebietet ihm die Nachtfee aber Einhalt und hebt sogar den Bann für den Mann im Mond auf. Verbunden wird das mit einem Resozialisierungsprogramm, denn der die Einsamkeit gewohnte Mann im Mond soll einmal im Monat bei Luc Skyshaker vorbei schauen, wobei die Frage erlaubt sein muss, ob das wirklich so gut für den Mann ist. Gut endet die Geschichte aber für den Maikäfer Sumsemann, der sein sechstes Beinchen bekommt, nicht zuletzt, weil er und seine beiden Freunde auf der ganzen Reise fest zusammengehalten haben.

Vieles müsste eigentlich noch erwähnt werden: die fantasiereichen Kostüme (Peter W. Hermanns), das Bühnenbild von Stephanie Breidenstein, das auch im strahlenden Sonnenschein noch Weltraumatmosphäre ausstrahlt, die gelungene Choreographie bei den Tanzeinlagen (Simone Engist) und, und, und.

Es bleibt nur zu raten, selbst die Reise auf den Breisacher Münsterberg anzutreten, einzusteigen, sich anzuschnallen und sich dann auf den amüsanten Flug durch die unendlichen Weiten des Weltalls einzulassen.

Termine: 24. Juni; 1., 8., 15. und 22. Juli,; 19. und 26. August; 2. und 9. September, jeweils 15 Uhr. Abendvorstellung: 31. August.