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17. Juli 2010
Von Computern, Hexen und anderen Gespenstern
Die Theater-AG der Hugo-Höfler-Realschule führte ein gespenstisch-turbulentes Stück auf / Beispiel für soziales Lernen.
BREISACH (bp). Am technischen Fortschritt scheiden sich nicht nur im wahren Leben die Geister. Auch die Gespenster Sigismund und Gerlinde reagieren unterschiedlich, als sie auf computergesteuerte Artgenossen treffen. Er ist fasziniert, sie verstört. Nicht grundlos, zumal das verstaubte Spukpärchen – verflucht von der eifersüchtigen Eulalia – die letzten 368 Jahre verschlafen hat. Gut, dass die pfiffigen Hexen Witch und Strega den Durchblick behalten. Mit viel Spielfreude führten Akteure der Hugo-Höfler-Realschule an zwei Abenden das turbulente Stück Gespenster 2000 auf.
Die neuartigen Erschrecker (gespielt von Anja Rinderle, Alexandra Herger, Leon Langenbacher und Patrick Zimmermann) tragen die Namen Visio 1 bis 4, sind uniformiert und auch sonst wenig originell. Selber denken halten sie für schmerzhaft. Ihre Anweisungen nehmen sie vom mächtigen Supertech (Stimme Elena Gromnitzer) entgegen. Er fordert seine Gruppe zum Kampf gegen antike Gespenster ohne Spuk-Computer auf und weist sie an, positive Objekte wie Spielzeuge wegzuräumen. Dennoch ist der traditionelle Sigismund, Schreck von Butterberg (Fabienne Klingenmeier), äußerst beeindruckt von den modernen Gestalten, unter anderem von ihren Facettenaugen: "Da kann keiner gucken, wie man guckt!" Auch ihren lexikonartigen Taschenwisser findet er bemerkenswert, obwohl dieser bei dem Begriff Kultur lediglich die Verbindung zum Beutel für Kosmetikartikel herstellt.
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Gerlinde, Kauz vom Eulenstein (Anna Ruf), dagegen graust es vor den starren Augen und dem kühlen Unterton der seltsamen Wesen. Dass ihr Gefährte sich in deren Robotergang übt, macht ihr ebenfalls Angst. Die Warnung an ihren Geliebten verhallt jedoch ebenso ungehört wie ihr Hinweis: "Vor 300 Jahren warst Du noch galant zu mir." Nach einem heftigen Wortwechsel geht Sigismund als Visio 2847 seinen Weg in die neue Welt.
Auf der Suche nach dem in Rente geglaubten Sigismund kommen die Hexen Witch (Saskia Rohleder) und Strega (Tamara Weber) gerade recht, um die verlassene Gerlinde zu trösten. Zuvor müssen sie sich allerdings mit ihren anfälligen fliegenden Staubsaugern herumärgern und feststellen, dass andere Hexen mittlerweile in Flaschen gelandet sind. "Seit Importziegen so teuer geworden sind, gibt es ohnehin keine rechten Ziegenbockhexen mehr", beklagen auch sie den Verlust edler Traditionen. Zu dem Trio gesellt sich Visio 4, der Gefallen an den alten Spielsachen gefunden hat und lieber ein klassisches Gespenst sein möchte. Bevor Supertech den Abtrünnigen und die noch unprogrammierte Gerlinde einfangen kann, bringen die Hexen sie mit ihren knatternden Flug-Saugern beherzt in Sicherheit. In einer romantischen Burgruine am Kaiserstuhl sollen sie künftig unbehelligt weiterspuken.
Die Akteure der 5. bis 9. Klassen haben während des ganzen Schuljahres auf die Aufführungen hingearbeitet. Unterstützt wurden sie von ihren Lehrerinnen Marliese Weiser, Karin Höfer und Sonja Klenk. Auch in den Bereichen Bühnenbild, Requisiten und Technik gab es viele helfende Hände. Rektor Christoph Wolk bedankte sich bei allen Beteiligten für den Theatergenuss. Die Schulleitung lege viel Wert auf dieses Projekt, das die Persönlichkeit der Schüler mitpräge und ein gelungenes Beispiel für soziales Lernen sei.
Autor: bp
