Von der Idee zum Markt

Nina Lipp

Von Nina Lipp

So, 21. Januar 2018

Breisach

Der Sonntag In Breisach nimmt das Startup-Service-Center Baden-Campus Formen an.

Das Tochterunternehmen der Badenova, Baden-Campus, will angehende Unternehmensgründer beraten und ruft dafür in Breisach ein Start-up-Service-Center "Baden-Campus" ins Leben. In diesem Jahr geht das Projekt in die Umsetzungsphase.

Bis aus einer zündenden innovativen Idee ein Produkt entsteht, das sich auf dem Markt behauptet, soll heißen Geld einbringt, ist es ein langer, mühsamer Weg. Man muss kein versierter Kenner der Gründerszene sein, um zu ahnen: Hinter jedem erfolgreichen Startup-Unternehmen stehen unzählige Projekte, die gescheitert sind. An der Finanzierung, fehlender Marktreife, mangelnder Nachfrage auf dem Markt oder fehlender Ausdauer der Jungunternehmer. Deshalb gibt es sogenannte "Accelerators" wie Baden-Campus, der diese Woche in Breisach zum Pressetermin eingeladen hatte. Der in der Startup-Szene verwendete Begriff bedeutet, frei übersetzt, "Beschleuniger" oder "Unterstützer", gemeint sind in der Regel Institutionen, die Startups innerhalb einer bestimmten Zeit durch intensives Coaching beraten und dadurch den Entwicklungsprozess vorantreiben. "Risiken, die bei Gründungen stets gegeben sind, werden mit unserer Hilfe minimiert, Chancen systematisch erschlossen", erläuterte Markus Köster, Geschäftsführer des Baden-Campus, wo diese Woche ein Pressetermin stattfand.

Carsten Hutt, der das Innovationsmanagement und die Startup-Förderung von Baden-Campus leitet, kennt die Gründe, die für das Scheitern von Startups verantwortlich sind, genau: "Wer ein Unternehmen gründen will, braucht mehr als nur eine gute Geschäftsidee." Das für eine Unternehmensgründung notwendige Know-how fasst er so zusammen: Ökonomische, technologische und rechtlich-regulatorische Kompetenzen seien unerlässlich. Fehle ein Aspekt, "scheitern Startup-Unternehmen in der Praxis", so Hutt. "Jemand hat eine tolle Produktidee, verfügt über das nötige technologische Know-how und die Infrastruktur, sie umzusetzen und kann sicher sein, das es eine Nachfrage gibt. Außerdem ist eine solide Finanzierung auf den Weg gebracht. Trotzdem scheitert das Projekt, weil rechtlich-regulative Vorgaben nicht beachtet wurden", spielt Hutt den Misserfolg durch.

Eröffnungsfeier im September

Die Stärke von Baden-Campus sei sein Netzwerk: "Wir kooperieren mit unterschiedlichen Partnern, zum Beispiel mit der Verwaltungshochschule in Kehl", so Hutt. Dort könne man sich die rechtlich-regulatorische Kompetenz einholen. Das Netzwerk sei einzigartig, da es nicht nur die wichtigsten intermediären und wissenschaftlichen Einrichtungen umfasse, sondern mit dem Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen in Baden (WVIB) und den Kammern wichtige Akteure der Wirtschaft ins Boot hole. Das neue Gründerzentrum soll noch in diesem Sommer auf dem Gelände des ehemaligen Badenova-Servicecenters in der Breisacher Bahnhofstraße fertiggestellt und im September feierlich eröffnet werden. 60 gemeinsame Arbeitsbereiche und fünf Projekträume stehen dort dann zur Verfügung.

Seit dem Start des Geschäftsbetriebs am 1. September vergangenen Jahres hat der Baden-Campus bereits erste Veranstaltungen wie ein einwöchiges "Start-up Lab" mit 15 Studierenden und gemeinsam mit dem Grünhof Freiburg einen eintägigen Start-up-Dive mit rund 50 Teilnehmern angeboten. Dort sind erste Gründungsprojekte entstanden, die vom Team des Baden-Campus begleitet und unterstützt werden. In diesem Jahr folgt ein Veranstaltungs- und Beratungsprogramm; Kernelement ist und bleibt die Begleitung von Start-up-Projekten in der vorwettbewerblichen Phase. Baden-Campus wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau mit 700 000 Euro gefördert. Thorsten Radensleben, Vorstandsvorsitzender der Badenova, wies darauf hin, dass aus einem Innovationsfonds für Klima- und Wasserschutz regelmäßig Mittel aus den Badenova-Gewinnen in lokale Pioniervorhaben flössen. "Mit Baden-Campus gehen wir einen weiteren Schritt bei der regionalen Innovationsförderung. Damit schaffen wir eine feste und dauerhafte Struktur, um technologie- und wissensbasierten Neugründungen den Start zu erleichtern." Die Firmen, die sich in Breisach ansiedeln werden, sollen davon profitieren, dass Badenova über Jahre hinweg Kontakte zu Wirtschaft und Forschung aufgebaut hat.

Noch hat das Start-up-Service-Center Baden-Campus keine Kunden. Das können Studierende, Absolventen und Promovierende regionaler Hochschulen, Mitarbeitende der Fraunhofer-Gesellschaften sowie von Spin-offs und Corporate Ventures aus bestehenden Unternehmen sein. Auch Gründer aus dem Elsass und der Nordwestschweiz gehören zur Zielgruppe. Oliver Rein, Bürgermeister der Stadt Breisach, einer der Hauptgesellschafter von Badenova, würdigte das Gründungszentrum als "wichtigen Beitrag zur städtischen Wirtschaftsförderung"; die Stadt unterstützte das Projekt in der Startphase.