Wohngemeinschaft für Senioren

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Mo, 01. Oktober 2018

Breisach

Das Pflegehaus "Nouvelle am Münsterberg" lud zum Tag der offenen Tür ein / Dezentrale Betreuung in insgesamt sechs Hausgruppen.

BREISACH. Kurz vor Fertigstellung des neuen Pflegeheims der evangelischen Stadtmission, dem Pflegehaus "Nouvelle am Münsterberg", luden die Betreiber zum Tag der offenen Tür. Bei Rundgängen konnten sich Interessierte nicht nur die Räume zeigen, sondern auch das neuartige Pflegekonzept im Hause erläutern lassen. Heimleiterin Yvonne Mutter und Prozessmanager Martin Bäumle standen Rede und Antwort zu Themen wie Wohngruppen, Einrichtungs- und Betreuungskonzept.

Fast wie im Hotel
"Nouvelle" heißt neu oder auch neuartig. Im Seniorenpflegeheim an der Zeppelinstraße soll der Name Programm werden und das nicht nur, weil es sich um einen Neubau handelt. Dieser allerdings ist Teil des Konzepts: hell und freundlich und eher wie eine Hotellobby kommt schon der Eingangsbereich mit Rezeption und Cafeteria daher. Letztere soll – zumindest an den Wochenenden – auch Nichtbewohner in Haus und Garten locken.

Hinzu kommen ein Andachtsraum, der mit seiner flexiblen Trennwand auch als Vergrößerung der Cafeteria etwa für Veranstaltungen genutzt werden kann. Schick mit Gartenblick ist der Friseurraum, der von einem mobilen Friseur beschickt werden soll. Ebenfalls im Erdgeschoss liegen der Begegnungsraum auch für das dem Pflegeheim benachbarte betreute Wohnen sowie der Verwaltungstrakt. "Hier kann ein Austausch stattfinden", sagt Hausleiterin Mutter.

Sechs Wohngruppen
Statt auf Wohnbereiche, wie derzeit in den meisten größeren Pflegeheimen üblich, setzt man im Pflegehaus "Nouvelle" auf das Wohngruppenkonzept. Ähnlich wird dies bereits vielerorten im Kleinen in selbstverantworteten Pflegewohngruppen, beispielsweise im "Haus am Mühlbach" in Umkirch, praktiziert.

Jeweils zwei Wohngemeinschaften mit maximal 12 beziehungsweise 13 Bewohnern – jeder von ihnen hat in der WG sein eigenes Zimmer mit Bad – befinden sich auf einem Stockwerk. Öffnet man die große Brandschutztür zwischen beiden Wohngruppen, entsteht ein Rundweg. Damit sich keiner verirrt, ist jedem Stockwerk ähnlich wie im Parkhaus eine Farbe zugeordnet, die sich ebenfalls durch die gesamte Einrichtung zieht. Auch können sich die "WG-Nachbarn" in einem gemeinsamen Wohnzimmer, das zwischen den jeweiligen Wohnküchen liegt, treffen und zusammensitzen.

"Das Herzstück jeder Wohngruppe ist der Wohn-Ess-Bereich", erklärt Bäumle. Zentrum dieses tageslichtdurchfluteten Aufenthaltsbereiches wiederum ist die offene Küche, in der auch gekocht werden soll. Allerdings nach Lust und Laune, denn die Mahlzeiten werden im "Cook and Chill"-System von einem Caterer gebracht. Jedoch könne man Module weglassen, führt Bäumle aus. So könnten beispielsweise die Beilagen selbst gemacht und nur das Fleisch geordert werden.

Auch gebe es keine zentralen Bestellungen für das ganze Haus. Jede WG könne unabhängig bestellen, was die Bewohner bevorzugen. Bei Frühstück und Abendbrot sei man noch flexibler – das gibt es, wann der einzelne Bewohner mag und wie daheim aus dem (Kühl-)schrank. "Die Struktur bewegt sich auf den Menschen zu und nicht der Mensch auf die Strukturen", betont Bäumle.

Ambitioniertes Pflegekonzept
Ein möglichst hohes Maß an Selbstbestimmung, Individualität und Teilhabe möchte man den künftigen Bewohnern des Pflegehauses aber nicht nur auf diesem Weg ermöglichen. "Das wesentliche Merkmal in unserem Haus ist, dass es keine Arbeitsbereiche wie im klassischen Altersheim gibt, sondern alle Arbeitsbereiche in Pflege und Betreuung zusammengefasst werden", erläutert Bäumle.

So wird es keine Trennung in Hauswirtschaft, Pflege und soziale Dienste und damit auch kein Beschäftigungsprogramm "nach Stundenplan" geben, sondern nahezu alle Aufgaben können von allen übernommen werden. Eine Ausnahme sind die Vorbehaltsaufgaben, die nur von Pflegefachkräften ausgeführt werden dürfen. Das verringert den Personalaufwand und erhöht die Flexibilität sowie die Alltagsnähe in der Wohngruppe, ist man bei der Stadtmission überzeugt.

Etwas Derartiges habe es bisher zumindest im Landkreis noch nicht gegeben, sagt Bäumle über das insbesondere für das Personal anspruchsvolle Konzept, das Impulse aus der niederländischen Pflegepraxis aufgreift und in Deutschland Anfang der 2000er-Jahre erstmals von einem US-amerikanischen Seniorenheimbetreiber umgesetzt wurde. Bereits ab August habe man mit den Einstellungen begonnen, um alle Mitarbeiter des Pflegehauses "Nouvelle" entsprechend vorbereiten zu können. Alle Informationen zum Haus, das voraussichtlich im November bezugsfertig wird, gibt es im Internet unter http://www.pflegehaus-nouvelle.de