Zusätzliche Dimension in der Formensprache

pako

Von pako

Sa, 07. Oktober 2017

Breisach

"Wir Zwei" heißt eine Ausstellung von Barbara Jäger und OMI Riesterer im Breisacher Radbrunnen.

BREISACH. Künstlerpaar. Da denkt man gemeinhin an Camille Claudel und Auguste Rodin, Gabriele Münter und Wassily Kandinsky oder Christo und Jeanne Claude. Ob Muse, Diskurs, Rivalität oder Arbeitssymbiose – die Palette der künstlerischen Paarbeziehung ist vielfältig. Meist blieb der Mann der Tonangebende, manchmal war es aber auch umgekehrt wie bei Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn.

"Wir Zwei" ist eine Ausstellung von Barbara Jäger und OMI Riesterer betitelt, bei der die Gefahr einer Dominanz des einen oder des anderen nicht zu existieren scheint. Zu verschieden ist das Metier, Malerei hier und Skulpturen da und selbst die wechselseitigen Übertritte in das künstlerische Feld des anderen (Druckgrafiken von Riesterer, Objekte von Barbara Jäger) fallen nicht sehr ins Gewicht. Zum einen, weil die Druckgrafiken keine Verwandtschaft zu den Bildern Barbara Jägers haben, zum anderen, weil deren Objekte zu sehr an ihre Malerei gekoppelt sind. Einzig die öffnende Form verbindet die Zwei und natürlich die Präsentation, die man fast paritätisch nennen kann.

Vor der mittlerweile fast vollzogenen Hinwendung zur Abstraktion orientierte sich die Formensprache von Barbara Jäger noch sehr an floralen oder landschaftsorientierten Motiven. Gegenständlichkeit, Figuration, Wiedererkennbarkeit organischer Formen behielten trotz verschiedener Verfremdungstechniken ihren Sujetcharakter. Das hat sich mittlerweile geändert, da nun die Formen aufs Papier kommen, die schon früher auf den Objekten zu sehen waren. Kreise, Kuben, Ellipsen, ganz oder angeschnitten, solitär oder miteinander verbunden dominieren die Bildinhalte.

Das Bild behauptet seine Eigenständigkeit

Eingebettet sind diese geometrischen Formelemente in einen dunklen Hintergrund, der sie dadurch stärker hervortreten lässt. Dabei tastet der Blick beständig die Oberfläche ab, sucht eine Stelle, worauf er ruhen kann, eine Tiefe, einen Schwerpunkt, doch das Bild scheint beständig zu fokussieren, es entgrenzt und behauptet seine Eigenständigkeit, ist schlussendlich nicht zu fassen. Das trifft auch auf die Skulpturen von OMI Riesterer zu. Meist als Würfel umrissen, aber nie als solcher einher kommend. Entweder ist die Form aufgeschnitten, schräg, gekippt, unvollständig oder so verschachtelt, dass der Blick die Grundform aus den Augen verliert. Im Gegensatz zu den Skulpturen von CW Loth, die eine Ausstellung zuvor zu sehen waren, sind die Holzskulpturen nicht aus einem Stück gefertigt. Vielmehr "baut" der Künstler sie quasi zusammen, was ihm erlaubt, verschiedene Hölzer mit unterschiedlichen Maserungen zu verwenden. Das hat durchaus seine Reize, da sie eine zusätzliche Dimension in die Formensprache einbringen.

Eine Formensprache, die eindeutig architektonisch ausgerichtet ist. Da gibt es Verstrebungen, tragende und freie Teile, Stützen, Aufbauten und Stellflächen. Allerdings nicht bei allen. So hängt ein ein mal ein mal ein Meter großer, geöffneter Sperrholzwürfel schräg von der Decke frei, so leicht, dass man jegliche Angst davor verliert, sich direkt darunter zu stellen. Das ist Entgrenzung von Material und Form, von Gewicht und Größe. Eine zweite wichtige Materialgrundlage ist der Eisenguss. Eigentlich untypisch für den ehemaligen Zimmermeister, doch hier reizt ihn wohl die Aufgabe, ein schweres Material leicht erscheinen zu lassen. Eine Aufgabe, die bei den Aluminiumgüssen einfacher ist. Hier setzt er auf die schimmernde Oberflächenfarbe und den filigranen Schwung.

Das vierte Material ist Beton, ein klassisches architektonisches Material. In Grezhausen hat er einen ganzen Würfelturm daraus aufgestellt. Daneben steht Barbara Jägers mit Acrylfarbe bemalte Holzskulptur "Blütentraum". So arbeiten die "Zwei" also doch manchmal zusammen. Zum Beispiel auch bei der Gestaltung von sakralen Räumen, jeder mit seinen ganz speziellen künstlerischen Arbeiten und Motiven.

Die Ausstellung im Radbrunnen ist bis zum 22. Oktober freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags sowie an Feiertagen von 11.30 Uhr bis 18 Uhr geöffnet.