Das kunstvolle Jubiläum

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 24. August 2018

Breitnau

Breitnauer Festival bietet zum zehnten Mal Kunst, Kabarett, Musik und Theater aus der Region.

BREITNAU. Ein kleines Jubiläum steht bevor: Zum zehnten Mal ist der Pfarrhof in Breitnau Schauplatz des Hochschwarzwälder Kleinkunst Festivals. Unter dem Motto "Große Kunst auf kleiner Bühne" bietet es vom 14. bis 22. September Kunst, Kabarett, Musik und Theater. Für Festivalleiter Martin Wangler der Höhepunkt der Reihe ist die Offene Bühne, wenn junge Talente aus der Region im Zusammenspiel mit dem Publikum erstmals ihr Können zeigen.

Cartoons und Colla Voce
Zum Auftakt zeigt der Breitnauer Künstler Bernhard Schwär am Freitag, 14. September, 19 Uhr seinen Cartoon-Zyklus "Sufferi Brugg". Er widmet sich bäuerlichen Themen und zeigt dem Betrachter überraschend neu interpretierte "Gewissheiten". Bilder wie "Fiechti Waid", "D’Anne kaans" oder "’s brieseled doch amenod ebbis" setzen farbenfrohe Tupfer. Bernhard Schwär, Jahrgang 1955, studierte Grafikdesign in Freiburg und war seit 1987 mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten

Anschließend (20 Uhr) setzt Colla Voce mit der Gareth Reaks Combo das Programm mit entspanntem Swing, heißem Rock ’n’ Roll und glühenden Latin-Nummern fort. Wechselnde Besetzungen von Vokalensemble, solistischen Einlagen und Jazz-Combo verheißen Abwechslung. Das neu gegründete Frauen-Vokalensemble aus dem Hochschwarzwald lebt vom Geist der Musik und dem englischem Humor ihres Leiters Gareth Reaks. Begleitet wird es von Olga Krasotova (Klavier), Andres Buchholz (Kontrabass), Eric Karle (Schlagzeug) und Gareth Reaks (Vibraphon und Gesang).

Musik und Poesie
Zu Olga B. braucht man im Hochschwarzwald nicht mehr viel zu erklären. Die vier Musikerinnen verbinden Musik und Poesie. Christine Kleiser (Violine), Eveline Tritschler (Akkordeon), Renate Maier (Kontrabass) und Beate Metzler (Klarinette) spielen Walzer, Klezmer, Filmmusik und klassische Stücke. Argentinische Tangos und Eigenkompositionen gehören zu ihrem Programm. Die Musik ist tiefgreifend, berührend und lebt von humorvollen Einlagen. Ihre eigenen Gedichte und Texte sind auf die Musik abgestimmt (Samstag, 15. September, 20 Uhr).

Wurschtsalat und Bibiliskäs
Rhinwaldsounds: Das ist eine Gruppe junger Musiker, bei denen schon der Bandname verrät, dass sie aus dem alemannischen Sprachraum kommen. Mit ihrem Fasnethit "Schorli" machte die Band auf sich aufmerksam und ihr nachfolgendes Debüt-Album "Ich versteh’s halt nid" (2016) konnte sich weit oben in Download-Charts platzieren. Die Jungs aus Kappel-Grafenhausen erzählen in ihren Liedern vom Leben der Badener, dabei sind die Musikrichtungen bunt gemischt. Die junge Gruppe um Dominik Büchele zeigt: Mundart ist hipp. Und Wangler verspricht: Die erste Schorle geht auf’s Haus (Sonntag, 16. September, 18 Uhr).
Wenn der Wald erzählt
Ein Besuchermagnet ist die abendliche geführte Wanderung mit der Breitnauer Bauernbühne. In Gedichten, Erzählungen und gespielten Szenen werden Sagen und Märchen lebendig, Menschen und Tiere des Walds beginnen zu sprechen. Die Akteure bringen im Wälder Dialekt ein Stück Brauchtum, die Eigenarten des Hochschwarzwalds und seiner Bewohner nahe. Sie zeigen, wie der "Wald" Menschen mit Eigensinn und Starrköpfigkeit, aber auch Humor und Schlagfertigkeit hervorgebracht hat. Start und Ziel: Alter Pfarrhof Breitnau. Länge vier Kilometer, Dauer zwei Stunden (Dienstag, 18. September, 20 Uhr).

Das erste Mal
Die Offene Bühne bietet jungen Künstlern aus der Region eine Chance, ihr Können zu beweisen und Bühnensicherheit sowie eventuell die ersten Fans zu gewinnen. Die Bandbreite reicht von Musik, Kabarett, Comedy, Zauberei, Stimmakrobatik bis Poetry Slam. Neu- und Quereinsteiger, Rampenprofis oder schräge Vögel wollen das Publikum jeweils 15 bis 20 Minuten lang begeistern (Mittwoch, 19. September, 20 Uhr).

MitSpielTheater für Kinder
Martin Wangler vergisst nie die Kinder im Programm. Diesmal nimmt das MusikMitspielTheater die Jungen und Mädchen mit auf eine Weltreise, auf der allerlei Zaungäste den Weg kreuzen. Da plappert der freche Pinguin Richard über den Südpol, der Hase Rüdiger sinniert über die Sonne Afrikas und der Affenkönig Louis besingt den Dschungel. Auf allen Stationen wird gemeinsam musiziert und gesungen, getrommelt und gepfiffen, gelacht und aufgepasst, dass die Reise gelingt. Tobias Gnacke bezieht alle Gäste ins Geschehen ein (Donnerstag/Freitag, 20. /21. September, je 10.15 Uhr). Kindergärten und Grundschulen können sich unter info@martin-wangler.de melden.
Klassisch und scharfzüngig
Parole? Selbst laufen. Nach vorn, schwungvoll und schräg kombiniert. Wenn zur klassischen Vollblutpianistin noch Situationskomik, Witz, Charme und Groove dazukommen, wird aus der Schublade gerne mal eine Schrankwand. Anne Folger hebt die Helden der Klassik, mit spitzen Fingern gefühlvoll modernisiert, vom Sockel: Klassische Hochkultur und scharfzüngige Kleinkunst vereint. Hier wird George Harrisons geheime Verwandtschaft zu Bach virtuos offengelegt und Chopin als melancholischer Popsongschreiber entlarvt. Debussy wird mit Klingeltönen zersetzt, während der Klavierhocker ein Solo gibt, statt zwischen zwei Sätzen zu knarzen. Und damit nicht genug (Freitag, 21. September, 20 Uhr).

65 Jahre verheiratet
Den krönenden Abschluss setzt der Hausherr immer selbst in seiner Paraderolle als Fidelius Waldvogel, diesmal im Zusammenspiel mit der schwäbischen Dialekt-Queen Marlies Blume, alias Heike Sauer. Wangler erhielt den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg 2009, Sauer war schon 2008 an der Reihe. Anlass für das gemeinsame Programm: Seit mehr als 65 Jahren sind Badener und Württemberger vereint. Große Fragen der badisch-schwäbischen Geschichte müssen geklärt werden: Trollinger oder Gutedel? Spätzle oder Knöpfle? Badisches Schäufele oder Schwäbische Maultaschen? Beim Blick über den eigenen Tellerrand wird schnell klar, dass sich im Ländleskosmos die Weltpolitik spiegelt. Ist das Andere, das Unbekannte, das Fremde das berüchtigte Haar in der Suppe? Wollen Badener und Schwaben auch weiterhin Tisch und Bett teilen? (Samstag, 22. September, 20 Uhr).

Tickets gibt es in den Tourist-Informationen der Hochschwarzwald Tourismus GmbH sowie unter der Ticket-Hotline Tel. 07652/1206 8080.