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27. Mai 2014 18:59 Uhr

Breitnau

Die Frau, die den Nordic-Walking-Gipfel in den Gang gebracht hat

Anke Faller ist Pionierin der Trendsportart Nordic-Walking in Deutschland. Vor zehn Jahren hob sie – mit anderen – den Gipfel in Breitnau ins Leben. Am Wochenende findet der zum zehnten Mal statt.

  1. Anke Faller Foto: Annemarie Zwick

BREITNAU. "Es ist gut für die Menschen", davon ist Anke Faller zutiefst überzeugt. "Es" ist Nordic Walking und für sie längst mehr als Sport, ein Lebensgefühl. Das will die Kirchzartenerin mit schwäbischen Wurzeln möglichst vielen Menschen vermitteln. Die nächste Gelegenheit bietet sich am Wochenende beim Jubiläum im Hochschwarzwald: Beim zehnten Breitnauer Nordic-Walking-Gipfel wird die 47-Jährige in ihrem Element sein und neue Anhänger gewinnen für das Gehen mit zwei Stöcken in urwüchsiger Natur.

Ohne Anke Faller gäbe es diese Veranstaltung nicht, jedenfalls nicht in dieser Form, mit dieser Resonanz. Das weiß sie, doch sofort betont sie, wie wichtig das ganze Team ist für Fortbestand und Erfolg des Großereignisses. Man arbeite in Breitnau gemeinsam "teamorientiert", von Beginn an: "Keiner nimmt sich wichtig und stellt sich in den Vordergrund", immer gehe es um die Sache. "Da hilft das ganze Dorf mit", sagt sie begeistert und nennt als Beispiel "120 Kuchen", die die Einheimischen für den Nordic-Walking-Gipfel backen und spendieren. Ihr Dank gilt auch den Bauern und allen Grundstücksbesitzern, die die Massen Jahr für Jahr auf und über ihr Gelände lassen, sowie den Sponsoren, von denen viele die Veranstaltung schon seit den Anfängen unterstützten. Ohne die 150 bis 200 ehrenamtlichen Helfer, nicht nur von der Ski-Zunft Breitnau, wäre das jährliche Gipfeltreffen von tausend und mehr Stockgängern in dem kleinen Ort nicht möglich, sagt Faller mit Nachdruck. Es sei ein Kraftakt. Sie erlebt ihn als "beispielhaftes Miteinander ohne ein böses Wort".

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Planung, Organisation und das turbulente Wochenende selbst kosten eine Menge Zeit und Energie, das verhehlt sie nicht. Aber man bekomme auch viel zurück in den Begegnungen mit den Menschen, versichert sie. Gerade im vergangenen Jahr erlebte sie "ein Wahnsinnsflair, da hat alles gestimmt". Sie habe "extrem empfunden, dass die Leute glücklich waren, die haben einfach das Strahlen gehabt", erzählt Anke Faller und strahlt dabei selbst. Franz Lickert, der Skizunft-Vorsitzende, und sie hätten auf der Bühne "fast geflennt", verrät sie.

Der Nordic-Walking-Gipfel in Breitnau sei "nicht die typische Massenveranstaltung", so Faller. "Es ist gesellig, es hat nicht diesen Leistungscharakter." Oft sei erst eine Abwehrhaltung, seien Vorurteile gegen diesen Sport zu überwinden. Anke Faller wünscht sich, "dass die Leute das einfach mal anschauen".

So wie sie selbst vor 15 Jahren. Damals brachte ihr Mann Matthias sie dazu, diese ungewohnte Fortbewegung mit Stöcken mal auszuprobieren. Der frühere Biathlet aus Freiburg, Einzelhandelskaufmann in der Sportbranche wie seine Frau, kam von einer Dienstreise aus Finnland zurück und erzählte ihr, dass die Finnen jetzt im Sommer mit zwei kurzen Stöcken durch die Gegend liefen.

Die frühere Siebenkämpferin hatte nach hartem Training und nicht immer guten Erfahrungen genug vom Leistungs- und Ausdauersport, aber auch Gewichtsprobleme. An ihren ersten Versuch am Giersberg, gemeinsam mit Mann und Sohn Marvin, erinnert sie sich noch gut: "Es ist mir leicht gefallen, ich fühlte mich richtig durchtrainiert nach eineinhalb Stunden. Bei mir gingen sofort alle Lampen an: Das ist sensationell, das ist gut für viele", dachte sie. "Ich muss das jetzt richtig lernen, ich will das ganz vielen zeigen."

Gelernt bei den Besten

Bei Sportcoach und Nordic-Walking-Experte Urs Gerig in der Schweiz und in Finnland, dem Sitz des Internationalen Nordic Walking Verbands (INWA), ließ sich die junge Mutter 2001 jeweils drei Tage ausbilden. Danach gab die zertifizierte Master-Trainerin als erste Anbieterin in Deutschland, wie sie sagt, viele Kurse, warb in Vorträgen und Seminaren im ganzen Land für den neuen "Trendsport" und bildete bis 2005 fast 2000 Nordic-Walking-Instruktoren aus.

2004 fragten Charly Doll und die SZ Breitnau Faller, ob sie mit ihnen eine Veranstaltung auf die Beine stellen würde. Der Erlös sollte dem Sportbetrieb, vor allem der Jugendarbeit des Vereins zugutekommen. "Dann aber richtig", habe sie gesagt, "ich will da 1000 Leute haben". Bei der Skizunft sei man skeptisch gewesen, aber "das Potenzial dafür ist da, das hab’ ich gewusst". Fallers Kontakte zur Sportartikelindustrie halfen und zur Premiere 2005 kamen schon mehr als 900 Teilnehmer. Die Zahl wuchs stetig bis auf 1154 im Jahr 2008, danach kamen zunächst noch um die 1000.

Auch mit etwa 700 Nordic Walkern könne man zufrieden sein, meint Faller, weil Charly Dolls X-Trail-Run am Samstag von Jahr zu Jahr mehr Läufer anziehe. "Es bleibt wirklich ’was übrig", weiß die Kirchzartenerin. Gerne würde sie noch mehr Leute "aus dem Sofa holen". "Die Freiburger denken, der Hochschwarzwald ist weiß-ich-wo", erlebt sie immer wieder, dabei sei das doch "Naherholungsgebiet" für die Großstädter. "Die Leute fühlen sich einfach besser, wenn sie sich draußen in der Natur bewegen", sagt Faller überzeugt. Und "zehn Kilometer schafft jeder", verspricht die Powerfrau, die sich selbst "gemütlich" nennt, skeptischen Couchbewohnern.

Autor: Annemarie Zwick