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16. September 2010

"Eifach loose und scho het me e Freud"

BZ-INTERVIEW mit Uli Führe, der beim Kleinkunst-Festival in Breitnau mit Mundarttexten und -liedern unterhalten will.

  1. Uli Führe Foto: veranstalter

HOCHSCHWARZWALD. Beim Kleinkunst-Festival Hochschwarzwald in Breitnau, das morgen beginnt und bis 25. September einige Angebote macht, ist auch der alemannische Dichter und Liedermacher Uli Führe dabei, der jetzt mit dem Hebeldank 2010 ausgezeichnet worden ist. Führe tritt im Alten Pfarrhof am Samstag, 25. September, von 20 Uhr an auf. Über die Auszeichnung und seine neue CD "Himmel us Stei", die auch das Programm des Abends bildet, sprach BZ-Mitarbeiterin Eva Weise mit Führe.

BZ: Herr Führe, haben Sie den Hebeldank erwartet?

Führe: Überhaupt nit! Ich hab mich mords gfreut. Am Anfang war mir überhaupt nit klar, was das alles bedeutet, aber so nach und nach kams mir dann. Zerscht hab ich gedacht, wow, jetz bisch alt. Jetz wirsch geehrt. Und ich habs Brustkästle eweng meh rausgedrückt. Hab mich aber dann doch nit älter gfühlt.

BZ: Wieso tritt solch ein Preisträger im Hochschwarzwald auf?

Führe: Breitnau hat seit kurzem ein tolles Kulturkonzept. Da freut me sich, wenn me eiglade wird. Inere Welt, wo es immer meh so ne Art McDonaldisierung gibt – über all die gleiche Läde (H&M, Ikea, Lidl...), überall s gleiche zum Esse (Hamburger, Starbucks,...), überall s gleiche zum Höre (Lady Gaga, B.Spears,...), da isch es doch nur gut, wenn me sieht, dass es noch Kultur im Ländle gibt. Gwachsene Kultur. Alemannisch, witzig, spritzig, hintersinnig und nicht main stream.

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BZ: Was bringen Sie im Pfarrsaal auf die Bühne?

Führe: Die meiste Lieder sin von meinere neue Platte "Himmel us Stei". Aber es komme noch zwei, drei ganz neue Hebelvertonunge ins Programm. Quasi mein Dank an Hebel.

BZ: Was ist das Besondere an der Scheibe "Himmel us Stei"?

Führe: Sie vereint Humor mit Poesie, hat saugute Musik, isch abwechslungsreich, ein Kleinod.

BZ: Ihr Lieblingsstück und warum?

Führe: Immer des, wo ich grad sing. Ich hab alle gern. Wegge dem hab ich sie doch gschriebe.

BZ: Um was geht es in den Songs?

Führe: Ums menschele. Zum Beispiel umme Gerücht, wo immer größer wird, zum Blödsinn mutiert und alli glaubes. Und am Schluss? Oder um e Single, wo ne Singlin suecht und uf d Nase fällt. Um s Freiburger Münster, dem Herz vo de Region. Halt um des, was uns umgibt. Zwische Wahn-, Un-, Blöd- und Tiefsinn.

BZ: Und das Publikum kann lachen?

Führe: Aber hallo!

BZ: Worin liegt für Sie der Reiz, in Mundart zu texten und zu singen?

Führe: Die Sproch isch in vielem genauer als des Hochdeutsche. E Chratte isch kei Zaine, und im Hochdeutsche isch beides nur e Korb. Und de Klang erst vo unsere Sproch: s Bibbeli, s Chenschderli, de Chnödderi, de Schwauderi! Eifach loose und scho het me e Freud.

BZ: Woher nehmen sie Ideen für ihre Songs?

Führe: De Alltag bringt des! Oft isch es e Satz imme Gspräch, dann fangts im Kopf a Schaffe. Was isch öffentliche Meinung. Und scho isch des Lied mim Brett vorm Kopf fertig. Und wenn einer mittem Händy nebe eim d Ohre vollbrüllt, dann hat me scho drei Strophe.

BZ: Was entsteht zuerst, der Text oder die Melodie?

Führe: Immer zerscht de Text. DMusik kommt dann dezu. Sie kontrastiert, unterstützt, führt weiter, sagt manchmol, was me nit sage kann. Je nachdem.

BZ: Sie verwenden viele Wortspiele. Welches gefällt ihnen am besten?

Führe: "Gib mir doch e Schnuuf vo dir" aus dem Lied "Johreszite".

BZ: Wie lange feilen sie an einem Wortspiel?

Führe: Mengmal gohts schnell, mengmol bruucht es Zit. Wer öbbis devo höre will, mueß nach Breitnau.

BZ: Sie haben schon viele Preise erhalten. Was war die schönste Auszeichnung?

Führe: E achtjährigs Mädle, wo nachem Auftritt zu mir kam, meine Hand nahm und gsagt hat: "Herr Führe, des hän sie aber schön gmacht!" Und ihre ernste Auge erscht!

BZ: Was erhoffen sie sich am Samstagabend in Breitnau?

Führe: Muntere Leut, Neugier, dass meine beide Mitmusiker, d Monika Ecker – e Schwöbi - und de Michael Summ, fit sin, und e gut gstimmte Gitarre.

Autor: ewe