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14. Januar 2012

Eltern wollen keine Experimente

Ernüchterndes Ergebnis einer Umfrage zur Gemeinschaftsschule / Werkrealschulklasse spielt dabei das Zünglein an der Waage.

  1. Ob die Carl Ludwig Magon Schule (rechts der Kirche) in Breitnau eine Gemeinschaftsschule werden kann, ist fraglich. Entscheidend ist, ob es im Herbst eine 5. Klasse einer Werkrealschule mit 16 Schüler gibt. Foto: Dieter Maurer

HINTERZARTEN/BREITNAU. Das mit viel Optimismus angegangene Thema Gemeinschaftsschule Hinterzarten-Breitnau scheint etwas ins Stocken zu geraten. Nach dem Ergebnis einer Umfrage hat sich kein Elternteil der Klasse vier uneingeschränkt für den Besuch der Werkrealschule ausgesprochen. Nur sieben Kinder sollen möglicherweise für eine Klasse fünf der Haupt-/Werkrealschule angemeldet werden.

Diese fünfte WRS-Klasse ist aber Voraussetzung, wenn 2013/14 eine Gemeinschaftsschule eingerichtet werden soll. Schulleitung und Schulträger sind von diesem Ergebnis sehr enttäuscht. "In diesem Herbst werden die Weichen für den Schulstandort Hinterzarten-Breitnau gestellt. Wir dürfen diese Chance nicht verpassen, sonst bleiben am Ende vielleicht nur mehr die Grundschulen", erklärte Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch.

Das Interesse an der Informationsveranstaltung Anfang Dezember im Kurhaus war ermutigend. 128 Eltern und andere Interessierte nutzten die Gelegenheit, hörten die Fachleute an und stellten Fragen. Von den 246 ausgegebenen Fragebögen zu diesem Thema kamen 167 ausgefüllt zurück. "Die Rücklaufquote von 68 Prozent ist erfreulich", sagt Tatsch. Von allen befragten Eltern würde rund die Hälfte ihre Kinder an einer Gemeinschaftsschule Hinterzarten anmelden. Als Voraussetzung erwarten sie ein breit gefächertes Angebot an Arbeitsgemeinschaften für Kunst, Sport, Musik, Technik und EDV, genügend qualifizierte Lehrkräfte sowie eine individuelle und leistungsorientierte Förderung. Nur wenige Eltern erklärten ihre Bereitschaft, an der Ausarbeitung eines pädagogischen Konzepts mitzuwirken.

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Eltern fordern ein gutes Angebot für das Mittagessen

In der Umfrage durften die Eltern auch Anregungen los werden und Wünsche äußern. Zum einen fordern sie umfangreiche Aufklärung über Planungen und Entwicklungen der Gemeinschaftsschule sowie eine gute und durchdachte Regelung des Angebots für Mittagessen der Schüler. Gefragt wurde zudem nach einem Ganztagsschulangebot für die Grundschüler. Skepsis äußerten einige Mütter und Väter, ob es in so kurzer Zeit möglich sei, den Ansprüchen von drei Schularten gerecht zu werden. Entscheidend für den Fortgang der Bemühungen um eine Gemeinschaftsschule Hinterzarten-Breitnau war die Frage an die Eltern, die ein Kind im vierten Grundschuljahr haben. Um eine Gemeinschaftsschule 2013/14 einrichten zu können, muss ab dem Schuljahr 2012/13 eine fünfte Klasse der Werkrealschule zustande kommen. Dafür sind mindestens 16 Schüler nötig. Die konkrete Frage lautete: "Könnten Sie sich vorstellen, ihr Kind im nächsten Schuljahr auf die Werkrealschule bis Klasse zehn in Hinterzarten zu schicken?" In Hinterzarten antworteten lediglich zehn von zwanzige Eltern und damit nur die Hälfte. Die Rubrik "ganz bestimmt" blieb leer, "eher ja" wurde dreimal angekreuzt, "eher nein" viermal und "ganz bestimmt nicht" ebenfalls dreimal.

In Breitnau antworteten neun der 16 Eltern. Auch hier wurde "ganz bestimmt" nicht genannt, "eher ja" viermal, "eher nein" ebenfalls viermal und "ganz bestimmt nicht" einmal. In der Summe für beide Gemeinden haben nur 19 von 36 Eltern eine Aussage getroffen. Lediglich sieben Kinder sollen voraussichtlich für die WRS angemeldet werden. Die ablehnenden Eltern begründeten ihre Haltung damit, dass sie keine Experimente eingehen wollten. Ihre Kinder würden zwar in einer künftigen Gemeinschaftsschule unterrichtet und könnten alle diesbezüglichen Vorteile in Anspruch nehmen, aber sie blieben Werkrealschüler. Ein Wechsel wäre für sie nicht möglich.

Bürgermeister Josef Haberstroh zeigte sich leicht frustriert: "Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Wenn wir im Herbst keine fünfte WRS-Klasse hinbekommen, haben wir keine Chance auf eine Gemeinschaftsschule." Dabei hätten die Werkrealschüler keine Nachteile zu befürchten: "Sie würden zwar formell so heißen, könnten aber alle Vorzüge der GMS nutzen und würden die gleiche Betreuung erfahren." Schulleiterin Friederike Lanz berichtete von Einzelgesprächen: "Wenn die Eltern von Grundschülern sicher wüssten, dass die GMS kommt, würden sie ihre Kinder hier anmelden."

Einige Mütter und Väter aus Hinterzarten haben inzwischen einen Arbeitskreis gegründet. Bei regelmäßigen Treffen wollen sie die Schulentwicklungsarbeit unterstützen. Hierbei entstand eine Sammlung der häufigsten gestellten Fragen innerhalb der Elternschaft, die in Form eines schriftlichen Interviews an die beiden Schulleiterinnen Friederike Lanz und Carina Bach weitergeleitet wurde. Ansprechpartner des Arbeitskreises ist Stefan Krauss.

In Gesprächen zwischen Schulleitung, Schulträger und Schulamt geht es derzeit um die Konsequenzen aus der Befragung. Bereits in diesen Tagen bekommen die Eltern die Auswertung der Umfrage zugeschickt. Eine weitere Befragung läuft derzeit bei Eltern mit Nachkommen unterhalb des Kindergartenalters. Bürgermeister Tatsch will das Thema auch in der nächsten Sitzung des Gemeinderats ansprechen.

Autor: Dieter Maurer