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22. September 2009 16:58 Uhr

Milchbauern protestieren und streiken

Mahnfeuer auf dem Berg

HOCHSCHWARZWALD. Die Milchtüte im Supermarktregal ist derzeit zu billig, um den Landwirten ein existenzsicherndes Einkommen zu bieten. Und daran wird sich nach den Erfahrungen der Milchbauern langfristig nichts ändern, wenn nicht gemeinsam gegengesteuert wird. Mit einem Mahnfeuer auf dem 1134 Meter hohen Fahrenberg in Breitnau machen am Samstag, 26. September, Milchbauern aus Breitnau, St. Märgen, St. Peter und Titisee-Neustadt auf ihre schwierige wirtschaftliche Situation aufmerksam. Unter dem Motto: "D’ Schwarzwald brennt" wollen die Landwirte über die ihrer Meinung nach zu niedrigen Milchpreise informieren.

  1. 28 der 40 Milchbauern aus Breitnau zeigen öffentlich Flagge im Kampf um auskömmliche Milchpreise. An der B 500 machen sie mit ihren Familien- und Hofnamen auf die Misere aufmerksam und hoffen auf wachsende Solidarität. Foto: Dieter Maurer

  2. Milchbauern protestieren in Neustadt Foto: peter stellmach

Die Landwirte sind bereit, auf einen Monatsverdienst zu verzichten. Markus Saier von der Saier/Riesterer GbR in Breitnau (Vogtsjockelhof/Hohwarthof): "Eigentlich sind wir auf diese Einnahmen dringend angewiesen. Aber es geht nicht anders." Zwei Drittel der 40 Milchviehbetriebe in Breitnau – jeder von ihnen produziert im Durchschnitt täglich 600 Liter Milch –, verfüttern das Lebensmittel momentan an Kälber und Schweine oder schütten es in die hofeigene Jauchegrube. BDM-Ortsvorsitzender Klaus Ketterer: "Das tut weh. Aber die Chance auf Besserung ist diesmal größer, weil EU-weit gestreikt wird und es keine nationalen Alleingänge gibt." An der B 500 unterhalb des Hotels "Löwen" haben die Milchbauern aus Breitnau ihre Namen und Höfe in großen Buchstaben auf die Ladefläche eines Anhängers sowie auf Heuballen geschrieben. Die Landwirte führen viele Gespräche mit der Bevölkerung. "Die Leute haben Verständnis für uns und sind bereit, mehr Geld für Milchprodukte zu bezahlen. Aber das Geld muss dort ankommen, wo es hingehört – bei uns Landwirten", so ihre übereinstimmende Erfahrung. "Wir wollen den derzeitigen Literpreis nicht kurzfristig von 23,75 Cent auf kostendeckende 40 Cent oder mehr hochpuschen", sagt Markus Saier. Vielmehr wollen die Bauern erreichen, dass jeder von ihnen seine Menge freiwillig begrenzt: "Nur wenn weniger Milch auf dem Markt ist, wird der Preis nachhaltig steigen."

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Nicht begeistert sind die Landwirte von der Idee der EU, die Kontingentierung aufzuheben. Dann drohe die Gefahr, dass die Molkereien Mengen und Preise diktierten. Klaus Ketterer: "Dann wären wir deren Sklaven."

Die Wälderbauern zeigen Flagge

Auch in Langenordnach, Jostal und Waldau haben sich Bauern dem Milchlieferstopp angeschlossen. Bei einer Versammlung am Montagabend in der Förberhofmühle in Langenordnach diskutierten 16 Milchproduzenten auch darüber, wie sie ihre Entscheidung besser nach außen hin transportieren können.

Denn seit das Kartellamt offizielle Streikaufrufe untersagt hat, fehlt es an Informationen und gemeinsamen Aktionen. Aus den Medien habe man gehört, dass im Gegensatz zum Streik im Jahr 2008 dieses Mal Bauern in Frankreich, Österreich, Belgien und Holland massiv streikten. Doch man wisse nicht einmal, wie sich die Bauern in den Nachbarorten verhalten. Daher zeigen die Wälderbauern jetzt Flagge, indem sie die Beteiligung ihrer Höfe am Milchlieferstopp an einer Stellwand an der Abfahrt in Richtung Langenordnach kund tun. Damit hofft man, dass noch unentschlossene Milchbauern zur Solidarität mit ihren streikenden Berufskollegen motiviert werden.

Aus Spaß leere keiner die Milch aus, das Geld brauche jeder, aber einer müsse einmal anfangen, gaben die Landirte zu verstehen. Dies sei die letzte Möglichkeit, sich gegen die Politik aufzubäumen und die Höfe noch zu retten. "Wenn nicht jeder Hof noch weitere Standbeine wie Ferienwohnungen, Wald oder Teilzeitarbeit hätte, wäre die Axt längst am Baum", gab Karl Wursthorn zu verstehen.

Die Gründe für sinkende Milchpreise der letzten Jahre sehen die Bauern im mangelnden Interesse der Politiker an der Problematik, in übermächtigen Handelskonzernen, die die Molkereien und somit auch die Milchbauern immer weiter im Preis drücken und in der EU, die die Globalisierung ohne Rücksicht auf Verluste fördere. Aber auch die Quotenüberlieferung habe das Preisgefüge auseinander gebracht, weshalb man in den eigenen Reihen für mehr Sensibilität werben müsste. Wenn deutschlandweit keine Zahlungen für überlieferte Milch erfolgen würde, wäre das nach Ansicht der Bauern schon eine Lösung. Dass die Discounter die Milch zum billigen Preis bekommen, sei eine Folge fehlender Mengensteuerung. "Wenn die funktioniert, dann wäre uns geholfen", meinte Karl Waldvogel, der die Zuschusspolitik ebenfalls für die heutige Situation verantwortlich macht.

Der Markt braucht Regeln

Als "Schweinerei" bezeichnete Wursthorn das Verhalten des Bauernverbandes, der mit politischer Rückendeckung gegenläufige Interessen vertrete. Der Markt brauche Regeln, der Bauernverband sehe das anders und möchte alles dem Markt überlassen. Insofern habe der BLHV-Vorsitzende Eugen Tritschler keinen leichten Stand. "Der kämpft gegen dicke Wände und versucht, das Beste aus der Situation zu machen", bescheinigte ihm Albert Waldvogel. Dass die bäuerliche Landwirtschaft in den Ruin getrieben werde, hat nach Ansicht von Bernhard Böhringer Masche. Gentechnik gehe nur mit der industriellen Landwirtschaft, die die Kleinbetriebe Zug um Zug in den Sack stecke.



Autor: Dieter Maurer und Christa Maier