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06. Dezember 2011
Schulstandort soll gesichert werden
Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinschaftsschule stehen im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung.
HINTERZARTEN/BREITNAU. Die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule (GMS) soll den Schulstandort Hinterzarten-Breitnau dauerhaft sichern. Ein Antrag an das Kultusministerium Baden-Württemberg kann frühestens für das Schuljahr 2013/14 gestellt werden. Die Genehmigung hängt wesentlich von einer ausreichenden Anzahl Schülern ab. Um diese zu erkunden, startete die Schule eine Umfrage unter den Eltern. Zudem standen die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten der neuen Schulform im Mittelpunkt einer gut besuchten Informationsveranstaltung.
Die Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch und Josef Haberstroh wollen die einstige Haupt- und Werkrealschule wieder "zum Leben erwecken." Die Schulleiterinnen Friederike Lanz und Carina Bach erläuterten im Kurhaus ihre Vorstellungen. Die Gemeinschaftsschule sei für alle Kinder da. Sie umfasse die Klassenstufen 5 bis 10 und biete alle Bildungsstandards von der Werkrealschule über die Realschule bis hin zum Gymnasium. Durch längeres gemeinsames Lernen könnten Bildungswege länger offen gehalten und die Kinder zu besseren Abschlüssen geführt werden.Werbung
Vorteile sehen die Pädagogen in der individuellen Förderung. Mit differenzierten Lernangeboten gehe die GMS auf die persönlichen Bedürfnisse ein. Sie orientierten sich an einer Lern- und Lehrkultur mit schülerzentrierten und individualisierten Unterrichtsformen. "Lernbegleiter" unterrichten Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam. Gezielte Berufsorientierungsmaßnahmen bereiten die Berufswahl vor. Ein Wechsel zu anderen Schulen sei jederzeit möglich.
Die GMS bietet alle Abschlüsse der Sekundarstufe I: Hauptschulabschluss nach den Klassen 9 oder 10, Mittlere Reife nach Klasse 10, Qualifikation für den Besuch einer gymnasialen Oberstufe. Den Kindern werden an drei Tagen der Woche nachmittags zusätzliche pädagogische Angebote gemacht. Ein rhythmisierter Tagesablauf sorgt dafür, dass am Ende des Schultags alle Aufgaben erledigt sind. Ziel ist auch, örtliche Vereine in die Nachmittagsangebote einzubeziehen.
Lanz und Bach sehen die entscheidenden Vorteile darin, dass sich ein Kind nicht frühzeitig festlegen muss, welchen Abschluss es letztlich machen möchte. Zudem würden den Mädchen und Jungen nach Abschluss der Grundschule zeitraubende und anstrengende Fahrten in auswärtige Schulen erspart: "Sie können wohnortnah ein breit aufgestelltes Lernangebot wahrnehmen." Der abgestimmte sanfte Übergang von der Grund- zur Gemeinschaftsschule "lässt keinen Bruch zu." Die Eltern sollten die ausgefüllten Fragebogen bis spätestens 12. Dezember in die in der Schule und im Kindergarten aufgestellten Boxen einwerfen. Die Angaben würden völlig anonym erfasst und ausgewertet. Die Teilnahme an der Befragung sei lediglich eine Interessenbekundung und noch keine endgültige Entscheidung. Friederike Lanz hofft, dass sich die Aufbruchstimmung des Kollegiums auf die Eltern überträgt. Carina Bach fügte hinzu: "Haben sie Vertrauen und gehen sie mit uns den neuen Weg."
Roland Titel, Rektor des ländlichen Schulzentrums Amtzell-Neukirch, erzählte aus seinen Erfahrungen. Die 3800 Einwohner leben in 124 Einzelgehöften und Weilern. Der Schulpionier berichtete, dass inzwischen eine beträchtliche Anzahl der Viertklässler nicht mehr an eine Realschule oder ein Gymnasium wechselt, obwohl sie es von der Leistung her könnte: "Sie entscheiden sich für den Verbleib an unserer neuen Werkrealschule." Amtzell wird aufgrund seiner Vorleistungen eine der ersten Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg. Selbst Kinder aus der zwölf Kilometer entfernten Kreisstadt Ravensburg oder aus Wangen strebten nach Amtzell. Inzwischen werden in der kleinen Ortschaft 421 Mädchen und Jungen von 43 Lehrern in 19 Klassen unterrichtet, allerdings gebe es die GMS nicht zum Nulltarif: "Wir haben einen hohen Personalstand an Lehrern, Sozialarbeitern und Erziehern."
Jürgen Striby, Mitarbeiter der Stabstelle Gemeinschaftsschulen, Schulmodell, Inklusion im Stuttgarter Kultusministerium erklärte, dass bis April 2012 die Grundlagen für die GMS geschaffen seien: "Dann können die Schulträger mit Zustimmung der Schulkonferenz die Anträge stellen." Das pädagogische Konzept, die baulichen Voraussetzungen sowie die Mindestanzahl der Schüler – mindestens 20 pro Lerngruppe – müssten garantiert sein. Das Ministerium wolle "leistungsstarke und sozialgerechte Schulen."
In einer Diskussionsrunde wirkten Manfred Voßler, Leitender Schulamtsdirektor des Staatlichen Schulamts Freiburg und dessen Stellvertreterin Sonja Wasmer, als Moderatoren, brachten aber auch ihre persönlichen Erfahrungen als Lehrer ein: "Bildung ist teuer. Das gibt es nicht zum Nulltarif." Beide Bürgermeister beantworteten Fragen nach ausreichenden Räumlichkeiten positiv. Auch die finanzielle Seite bereite keine Sorgen.
Autor: Dieter Maurer
