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30. Oktober 2008

"Wär’ ich nicht hier, wär’ ich im Knast "

BZ-INTERVIEW mit einem 15-Jährigen von "Time Out".

  1. Mark ist seit fast einem Jahr bei „Time Out“ und will Koch werden. Er bereitet öfters die Mahlzeiten für rund 20 Personen zu. Foto: alexandra wehrle

BREITNAU. Mark (Name von der Redaktion geändert) ist 15 Jahre alt, kommt aus Freiburg und lebt seit fast einem Jahr auf der Nessellache. Er war mit einem Fuß im Jugendknast und musste Arbeitsstunden ableisten, die ein Gericht ihm aufgebrummt hat. Wegen seines Drogenkonsums hätte er "Time Out" fast wieder verlassen müssen, aber inzwischen ist er seit sieben Monaten sauber. Mit ihm sprachen die BZ-Mitarbeiter Alexandra Wehrle und Beat Winterhalder.

BZ: Wie gefällt es dir hier?
Mark: Sehr gut.

BZ: Was machst du hier am liebsten?
Mark: Am liebsten bin ich in der Küche. Ich will Koch werden. Manchmal hab ich Lust auf richtig arbeiten, zum Beispiel Rigips-Platten verlegen. In der Metallwerkstatt schleifen und flexen macht mir auch Spaß.

BZ: Was gefällt dir nicht so gut?

Mark: Bei den Kühen bin ich nicht so gerne.

BZ: Wie empfindest du den Tagesablauf? Mark: Am Anfang war es sehr schwer. Da konnte ich nie aufstehen. Manchmal denkt man, es ist immer das Gleiche, aber es gibt doch viel Abwechslung. Am Wochenende darf ich immer nach Hause. Es geht, ich komm eigentlich gut zurecht.

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BZ: Wie klappt es mit der Schule?

Mark: Nicht gut. Ich hab seit der vierten Klasse abgehangen, auch keine Tests mehr geschrieben. Ich habe eine Lese- und Rechtschreibschwäche. Nach den ersten drei Monaten hatte ich keine Lust auf Schule, dann hatte ich Einzelunterricht, aber man hat schnell gesehen, dass es keinen Sinn hat. Den Hauptschulabschluss schaff’ ich nicht, nur über eine Ausbildung zum Beikoch. Die dauert drei Jahre. Nach noch einem Jahr ist man Koch.

BZ: Wie sieht deine nahe Zukunft aus?

Mark: In einem Viertel- oder halben Jahr gehe ich ins betreute Wohnen in Freiburg. Von da aus mache ich bald ein Praktikum. Wenn es gut läuft, kann sich der Wirt vorstellen, mich zu nehmen.

BZ: Wie kommst du mit den anderen hier oben klar?

Mark: Man kann nicht jedem von den Jugendlichen trauen. Das ist ganz schwierig. Ich bin da immer ein bisschen vorsichtig. Mir sind schon Sachen gestohlen worden, Süßigkeiten, oder mein Musikplayer wurde einfach genommen. Aber ich krieg’ immer raus, wer’s war und geh’ dann zu ihm hin. Das war aber mehr am Anfang. Sonst versteh ich mich mit allen ganz gut. Manchmal find’ ich was ungerecht, wenn die Erzieher nicht alles mitgekriegt haben und es war eigentlich alles ganz anders.

BZ: Hat dir der Aufenthalt hier geholfen?

Mark: Auf jeden Fall. Wenn ich nicht hierher gekommen wär’, wär’ ich jetzt im Knast. Ich konnte entweder in eine geschlossene Einrichtung oder hierher. Ich find’ das Konzept ganz gut. Die sind streng, sonst würd’ eh nichts klappen.

Autor: awe