Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

17. November 2008

Briefwechsel: Dein Freund & Helfer: blau!

Von Ruth Gleissner-Bartholdi

Wir nehmen Farben wahr, lese ich, "wenn sichtbare Strahlung als Farbreiz im Auge auf die lichtempfindlichen Organe der Netzhaut trifft und diese erregt". Genau das habe ich gerade erlebt: Meine Netzhaut erregte sich gewaltig bei der Wahrnehmung eines blau-silbernen Autos, das kein Firmenlogo trug, sondern den Schriftzug POLIZEI. Gell, da holen wir tief Luft.

30 Jahre haben wir uns an das Grün gewöhnt, das unsere Freunde und Helfer als solche kenntlich machte, und nun werden diese langsam, aber sicher, blau. Die Folgen für das Gemüt sensibler Bürger sind nicht abzusehen, zumal es für den Farbwechsel hierzulande keinen Grund gibt als den, dass andere Bundesländer es vorgemacht haben. Nun haben Farben in der Geschichte seit jeher eine große Rolle gespielt. Bei den Troubadours im Mittelalter etwa zeigten sie die Stufen der Liebe an – Grün galt als Zeichen für den Liebesanfang, Gelb für die Erfüllung. Rot sah der gehörnte Ritter, wenn er aus dem Morgenlande heimkam, und blau waren (mindestens) die Flecken, die der klampfende Jüngling sodann davontrug. Es ist also verständlich, dass auch heute noch Grün, Gelb, Rot und Blau eine Bedeutung haben, wenngleich nicht unbedingt im Sinne der Ritterzeit. Nur: Was hat die Innenminister der Länder bewogen, das biologisch-dynamische Grün der Ordnungshüter durch eine Farbe zu ersetzen, die zwar für Wunder steht, aber viel häufiger für Zustandsbeschreibungen wie alkoholisiert, bezecht oder sternhagelvoll? Und, vor allem: Was müssen die Frauen im Polizeidienst denken, wenn man ihnen Outfits in Knaben-Blau verpasst?

Werbung


Also gut: Dass Uniformen mit der Zeit veralten, sehe ich ein. Sonst würden unsere Gendarmen heute noch aussehen wie bei Kaiser Wilhelm selig. Und nach drei Jahrzehnten ist jede Mode mausetot. Gönnen wir also unseren Beschützern die neuen Kleider auf Zeit, zumal lange gestritten wurde über Details wie das Styling der Manschettenknopflöcher und die lebenswichtige Frage, ob das Jackett für den Innendienst drei oder gar vier Knöpfe tragen soll.

Sicher, das Ganze wird nicht billig, und um die Akzeptanz der neuen Blauen Minna wird die Polizei noch werben müssen. Aber wenn du dann siehst, wie sie emsig zum Einsatz ausrückt, wird dir klar, Laura, warum Grün im Grunde ganz unmöglich war: Es passte nicht zum Blaulicht.


0 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.