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27. Oktober 2008

Briefwechsel: Frohes Fest mit Klapptanne und Musik-Elch

Von ruth-Gleissner-Bartholdi

Ich muss mich doch sehr wundern! Da liest du seelenruhig Zeitung, während dir die Zeit davonläuft. In 58 Tagen ist Weihnachten, und das heißt: Die "Shopping"-Schlacht des Jahres ist in vollem Gange. Wie willst du zurechtkommen, wenn du jetzt noch nicht geklärt hast, was heuer "Trend" ist in Sachen Weihnachtsbaum und dessen Schmuck? Gar nicht zu reden von Schicksalsfragen wie die nach der aktuellen Mode bei Plätzchen, Festmenü, Tischdekoration und der eigenen Gewandung.

Die erste Bewährungsprobe lauert im Advent. Nimmst du diesmal einen "Design-Adventskranz" aus Edelstahl oder den aus tannengrünem Synthetik? Auf jeden Fall solltest du dir die Platzdeckchen leisten, deren eingewobene Motive laut Beschreibung "bei jeder Mahlzeit sagen: Bald ist Weihnachten!"

Kluge Planer wissen dies allerdings, sobald im August die ersten Lebkuchen samt Schoko-Nikoläuse in den Supermärkten auftauchen und zur Eile mahnen. Nirgendwo gilt wie hier: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Wer sich daran hält, kann im Oktober Weihnachten abhaken. Da sind die kabellosen Christbaumkerzen erstanden, die per Fernbedienung entzündet werden und ihre Glitzerkristalle funkeln lassen am Klappbaum aus Kunststoff. Da sind die Geschenke gekauft für alle Lieben samt Katze & Hund. Die freuen sich garantiert über den Futternapf, dessen transparenter Deckel sich dank Bewegungsmelder öffnet, sobald sie sich nähern; der Hund jubiliert zudem über den Klapptritt, der ihm nach erfolgter Magenfüllung mit Frauchens selbst gebackenen Keksknochen erlaubt, Sofa oder Sessel zu erklimmen. Ach Laura, da kommt Weihnachtsfreude im Frühherbst auf!

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Und wenn dein Sinn dir da nach festlichen Klängen steht, holst du schon mal den neuen Musik-Elch aus der Verpackung und entlockst ihm mittels Druck auf den Bauch ein "Potpourri der bekanntesten Weihnachtslieder". Spätestens bei diesem Ohrenschmaus, ich ahne es, schiebst du das Sofakissen "Schneemann" zur Seite und beschließt auszuwandern – dahin, wo es keine neudeutsche Weihnacht gibt. Viele Landsleute werden dir begeistert folgen.

Und in einem Jahr zieht einer von ihnen todsicher eine Plastikklapptanne aus dem Koffer, schmückt sie mit Batteriekerzen und drückt leuchtenden Auges einem Musik-Elch auf den Bauch.


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