Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. November 2009

Ein deutliches Ja zur Milch aus der Region

BZ-INTERVIEW mit Sabine Beck, der Unterschriften-Initiatorin

  1. Sabine Beck Foto: silvia faller

KIRCHZARTEN. Seit Monaten ist der Milchpreis im Keller, haben Landwirte Existenzsorgen und konkurrieren zwei Erzeugerverbände um die Meinungsführerschaft des Berufsstandes gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Im Dreisamtal melden sich nun auch Bürgerinnen und Bürger zu Wort. Initiiert von Sabine Beck (49) aus Kirchzarten haben 4000 mit ihrer Unterschrift Solidarität mit den Landwirten bekundet und sich für einen angemessenen Milchpreis ausgesprochen. Im Gespräch mit BZ-Mitarbeiterin Silvia Faller erläutert Sabine Beck ihre Motivation.

BZ: Respekt, Frau Beck, Sie haben eine beeindruckende Initiative gestartet. Sind Sie auch sonst in dieser Weise engagiert?

Beck: Nein, das ist das erste Mal, dass ich mich an einer solchen Bewegung beteilige.

BZ: Sie haben sie sogar angestoßen. Was hat Sie motiviert?

Beck: Es hat mich betroffen gemacht, als ich im Sommer mitbekommen habe, wie Bäuerinnen in Berlin vor dem Kanzleramt auf ihre Notlage aufmerksam gemacht und doch kein Gehör gefunden hatten. Wie enttäuscht sie waren, dass die Politiker, auch Kanzlerin Angela Merkel, einfach an ihnen vorbeigegangen sind. Abgesehen davon macht mir die generelle Entwicklung Sorgen. Aus Gesprächen mit Landwirten und Landwirtinnen weiß ich, dass sie bei den derzeit herrschenden Preisen nicht kostendeckend produzieren können. Wenn das so weitergeht, hören viele auf.

Werbung


BZ: Und was wollen Sie bewirken?

Beck: Zum einen will ich dazu beitragen, dass sich die Politiker mit dem Thema auseinandersetzen, und zum anderen, dass sich die Verbraucher bewusst machen, wie wichtig es ist, die regionalen Produkte zu kaufen und angemessene Preise dafür zu bezahlen. Der Gesetzgeber und damit die Gesellschaft verlangen von den Landwirten, dass sie umweltschonend produzieren und dass sie ihre Tiere artgerecht halten. Das hat seinen Preis. Dass Nahrungsmittel im Allgemeinen so billig angeboten werden, liegt doch daran, dass die Kosten für die Umweltzerstörung bei ihrer Erzeugung oder beim Transport aus anderen, oft weit entfernten Regionen nicht im Verbraucherpreis enthalten sind. Irgendwann müssen wir diese Rechnung bezahlen. Die niedrigen Preise für Nahrungsmittel sind aber nur ein Beispiel, dass weit mehr als die Milcherzeugerbetriebe in Gefahr ist. Es hat sich eine Mentalität der Schnäppchenjägerei breitgemacht, wobei viele Menschen nicht überblicken wie viel sie durch ihr Konsumverhalten kaputt machen.

BZ: Wie meinen Sie das?

Beck: Es geht doch um die regionalen Wirtschaftskreisläufe. Wenn man nur nach den billigsten Angeboten schaut, verlieren nicht nur Landwirte, sondern auch lokale Handwerks-, Dienstleistungs- und Einzelhandelsbetriebe ihre Existenz, verschwinden Arbeitsplätze und verliert ein Standort seine Angebotsvielfalt. Wenn nur einige Dutzend Verbraucher über diesen Zusammenhang nachdenken, hat sich unsere Aktion schon gelohnt. Sie soll ein Schritt sein auf dem Weg zu einer regionalen Solidargemeinschaft von Anbietern und Verbrauchern. Speziell bei der Milch ist schon viel getan, wenn die Verbraucher die Markenprodukte der Breisgaumilch bevorzugen. Ich persönlich will diese hochqualitativen Erzeugnisse auch noch in Zukunft einkaufen können.

Autor: sf