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15. April 2011

Erweiterte, ganzheitliche Behandlung

Die Friedrich-Husemann-Klinik stellte beim Tag der offenen Tür ihre Therapieangebote für psychisch erkrankte Menschen vor.

  1. Ruhe und Konzentration: Patientin bei der Arbeit am Webstuhl. Foto: Joanna Sykora

BUCHENBACH. Die Friedrich-Husemann-Klinik in Buchenbach lud zum Tag der offenen Tür ein, um Interessierten einen Einblick in die Räumlichkeiten und die Arbeit der 170 Mitarbeiter zu geben. Seit mehr als 80 Jahren behandelt das anthroposophische Fachkrankenhaus akut psychisch erkrankte Menschen mit einem vielfältigen, individuellen Therapieangebot.

Um die 17 Häuser mit ihren verschiedenen Stationen und zahlreichen Therapieräumen zu besichtigen, brauchten die Besucher Zeit. Zwischendurch hatten sie die Gelegenheit, in der großflächig angelegten, frühlingshaft blühenden Parkanlage spazieren zu gehen, sich mit Kaffee und Kuchen oder am Mittagsbuffet zu stärken und bei verschiedenen Vorträgen und Präsentationen die Arbeit an der Klinik genauer kennenzulernen.

Förderung der Selbstwahrnehmung

Die Friedrich-Husemann-Klinik behandelt die meist depressiven oder schizophrenen Patienten nach den Grundlagen der heutigen Medizin und Psychotherapie sowie nach der anthroposophischen Welt- und Menschenkenntnis Rudolf Steiners. "Unsere Patienten bekommen neben der klassischen ärztlichen Arbeit oder den Gesprächen und Beratungen ein großes Therapieangebot", erzählt die Geschäftsführerin Silvia Renkewitz. So könnten sie beispielsweise beim Weben ihre innere Struktur wieder erlangen, über den Arbeitsprozess Erfolg, Rhythmus und gedankliche Ordnung finden. Beim Spinnen würden sie dann auf ihre Atmung achten, durch die Konzentration bei der Arbeit fänden sie Ruhe und könnten loslassen.

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Im Werktherapiehaus, welches 2002 mit der Unterstützung des Landes Baden-Württemberg neu gebaut werden konnte, wird Korbflechten und Schnitzen angeboten, beim Plastizieren lernen die Patienten, durch das Tasten zu sich zu finden, sich selbst im Raum wahrzunehmen. Beim Malen wird mit Aquarellfarben gemalt oder Formen gezeichnet, der Prozess der Arbeit sei sehr wichtig, der Patient setze sich dabei mit seinem Bild auseinander, erklärt die Therapeutin. Bei den sogenannten "Achtsamkeits- oder Seelenübungen" soll durch gerichtete Aufmerksamkeit auf bestimmte Dinge, zum Beispiel Naturbeobachtungen, das eigene Selbst gestärkt werden, die Selbstwahrnehmung wird durch "einfache" Dinge wie Balancieren gefördert. Für das körperliche Wohlbefinden sind die Einreibungen wichtig. Mit ätherischen Ölen und Balsam wird die Haut eingerieben, das soll den Stoffwechsel anregen, nach drei bis vier Anwendungen fühle man sich wacher, lebendiger. Dabei spiele auch der Körperkontakt und die Berührung für die kranken Menschen eine wichtige Rolle, sagt die Pflegerin, die Mitarbeiter würden so besseren Kontakt mit den Patienten aufnehmen.

Auch auf gesundes, biologisches Essen wird Wert gelegt, man nimmt die festen Mahlzeiten gemeinsam an einem gedeckten Tisch zu sich. "Das ist wichtig, denn manche Menschen kennen das gar nicht mehr, gemeinsam Essen!", sagt Renkewitz.

Auf den sieben Stationen der Klinik können insgesamt 103 Patienten aufgenommen werden, normalerweise dauert eine Therapie 38 Tage. Die Friedrich-Husemann-Klinik ist das einzige akutpsychiatrische anthroposophische Krankenhaus in Deutschland, weshalb die Gäste oft von weit her anreisen. "Die ganze Umgebung ist sehr wichtig", erklärt Silvia Renkewitz, deshalb seien die ehrenamtlichen Mitarbeiter unentbehrlich. Auch verschiedene Firmen und Kooperationspartner wie der Naturschutzbund Dreisamtal (NABU) oder Echinos würden so durch ihre Arbeit zu der ruhigen, entspannten Atmosphäre beitragen, die die Besucher beim Tag der offenen Tür kennen lernen durften.

Autor: Joanna Sykora